Worpswede Von Malerei bis Torf: Mehr als nur ein Künstlerdorf

Torfkahnfahrer Manfred Sievers auf der Hamme. Foto: Axel Scheibe

Es ist sicher nicht die schlechteste Entscheidung, sich in Worpswede einer Ortsführung mit Daniela Platz anzuschließen. Bekannt als eines der reizvollsten Künstlerdörfer Deutschlands, trifft man zwar auch so auf Schritt und Tritt auf Kunst, Galerien und Ausstellungen.

Doch um etwas Ordnung in dieses "künstlerische Chaos" zu bringen, ist es sinnvoll, mehr über die Entwicklung des Ortes zu erfahren und die Künstler, denen Worpswede heute seine Bekanntheit verdankt, besser kennenzulernen. So ist es keineswegs ein Zufall, dass Platz ihren Rundgang am Heinrich-Vogeler-Haus beginnt. Den Einstieg bildet das Museum, das einen Ein- und Überblick über die verschiedenen Schaffensperioden Vogelers zeigt.

Die Natur und das Leben als Lehrmeister

Es waren die 90er Jahre des 19. Jahrhunderts, als sich einige junge Künstler in Worpswede niederließen und den Akademien "Tschüss" sagten. Ihr Lehrmeister sollte die Natur und das Leben sein. Der Grundstein der Künstlerkolonie war gelegt. Namen wie Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Fritz Overbeck oder eben auch Heinrich Vogeler haben bis heute einen guten Klang.

Nach verschiedenen Wohnhäusern bekannter Künstler erreicht Platz mit ihren Gästen den Friedhof, auf dem unter anderem Paula Modersohn-Becker ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Interessant ist dort das monumentale Gemälde "Gottesdienst im Freien", dessen Reproduktion eine Außenwand der Kirche schmückt. Ein beeindruckendes Bild, das auch genau an dieser Stelle von Fritz Mackensen gemalt wurde. Dafür erhielt er die goldene Medaille der Glaspalastausstellung in München 1895. Das Original hängt übrigens im historischen Museum in Hannover.

Vorbei an zahlreichen Plastiken, die gefertigt von den heutigen Künstlern des Ortes, die Straßen und Plätze zieren, steuert Platz das Museum am Modersohn-Haus an. Dort beendet sie ihren spannenden Rundgang mit einem weiteren Exkurs rund um die Worpsweder Künstlerwelt von gestern und heute.

Ortswechsel: Wer sich Manfred Sievers Führung anvertraut, der muss nicht einmal selbst laufen. Sievers ist einer der Torfkahnfahrer, die den Gästen eine ganz andere Seite Worpswedes zeigen. Fernab von Kunst und Künstlern lenkt er seinen traditionellen Torfkahn aus dem kleinen Hafen hinaus auf die Hamme. Der Wind spielt mit, schnell ist das Segel gesetzt. Fast lautlos, in gemächlichen Tempo, gleitet das Boot durch die weite Moorlandschaft.

Der Name sagt es - in früheren Jahrhunderten wurde mit diesen Kähnen der begehrte Torf transportiert. Bis hinauf nach Bremen haben es die 9,6 Meter langen Halb-Hunt-Kähne geschafft. (Ein halbes Hunt entspricht 50 Körben Torf.) Nicht zuletzt wurde es als wichtiges Heizmaterial geschätzt. Heute hat es diese Bedeutung verloren.

Entlang der Hamme mit Kanu oder Moorexpress

Die Fahrten auf der Hamme sind für die Touristen eine willkommene Gelegenheit, ohne Kraftaufwand einiges von der Moorlandschaft zu erleben, die als Teufelsmoor zu den reizvollsten Naturbiotopen gehört, die die Region zu bieten hat. Die Adolphsdorfer Torfschiffer, zu denen auch Sievers gehört, halten diese Tradition hoch und er kann viel Interessantes über die Geschichte rund um Moor und Torf erzählen. Moor und Hamme kann man auch auf zwei weitere Wege kennenlernen: zum Beispiel bei einer Tour im Kanu auf der Hamme. Eine Ausleihstation im Hamme Hafen hält eine Auswahl bereit und Spaß macht es allemal. Nicht weniger Spaß verspricht eine Fahrt mit dem Moorexpress, der unterwegs ist zwischen Stade, Bremen und dem Teufelsmoor. Dieser fährt allerdings nur samstags und sonntags.

Unweit vom Hamme Hafen sollte man die Worpsweder Mühle nicht links liegenlassen. Das 1838 als "Erdholländer" erbaute technische Denkmal war damals wie heute ein Wahrzeichen des Ortes. Wieder voll funktionsfähig öffnet sie regelmäßig ihre Tore. Weiter nördlich gibt es im Landkreis Osterholz verschiedene Melkhuske. Die kleinen zumeist grünen Häuschen mit dem roten Dach sind an Höfe angliedert und mehr als nur "Milchtankstellen". So auch das Melkhus am Brinkhof, direkt am Teufelsmoor. Gisela Wellbrock vom Brinkhof kümmert sich liebevoll um die Raststätte für Radler, Wanderer und um all diejenigen, die Appetit auf ihre speziellen Buttermilchkreationen haben.

Ausflüge in die Umgebung

Natürlich gibt es in und um Worpswede eine Reihe kleiner Pensionen und Hotels. Wer aber als Familie etwas anderes sucht, wird durchaus fündig. Ein Ziel könnte der Huxfeld-Hof sein. In Grasberg, nur einen Katzensprung vom Teufelsmoor und Worpswede entfernt, liegt der von Martina und Stephan Warnken vollwirtschaftlich geführte Bauernhof. Neben den 60 Milchkühen gibt es Kälbchen, Hühner, Katzen, Ziegen und zwei Shetlandponys. Ein Paradies für Kinder, das auch den Eltern gefallen dürfte. Wer mag, hilft im Stall. Der Hof ist Ausgangspunkt für Radtouren, Wanderungen, Torfkahnfahrten oder für Ausflüge in die Künstlerdörfer Worpswede und Fischerhude sowie nach Bremen und Hamburg.

Weitere Informationen: Worpsweder Tourisik- und Kulturmarketing GmbH, Bergstraße 13 in 27726 Worpswede, Telefon: 04792/935820

www.worpswede-touristik.de

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading