Wörth an der Isar Auf in die Bundesliga: Julian Justvan will Fußballprofi werden

Julian Justvan kickte bis vor Kurzem im blau-weißen Trikot des TSV 1860 München. Jetzt wechselt er zum VfL Wolfsburg, der nach gewonnenerRelegation weiterhin in der 1. Bundesliga spielt. Foto: Christina Pahnke/sampics/Augenklick

Julian Justvan kommt aus Wörth an der Isar im Landkreis Landshut und steht gerade am Anfang seiner Karriere als Fußballprofi. Demnächst wechselt er zum Erstligisten VfL Wolfsburg. Da wird er unter anderem an der Seite der Ex-Bayern-Profis Mario Gomez und Luiz Gustavo trainieren. Schon bald könnte er um Punkte in der Bundesliga kämpfen. Wir haben den 19-Jährigen zum Interview getroffen.

Julian, im März titelte unsere Zeitung: „Julian Justvan wird Fußballprofi“. Was war der entscheidende Moment, in dem feststand: Du wirst Fußballprofi?

Julian Justvan: Ich bin eigentlich noch kein Fußballprofi. Der Punkt war, dass ich selbst entschieden habe, vom TSV 1860 weg und zum VfL Wolfsburg zu gehen. Bei 1860 habe ich bisher in der zweiten Mannschaft gespielt. Und ich hätte auch bei Sechzig die Profikarriere weiterverfolgen können. Allerdings geht es im Verein gerade drunter und drüber. Die Gespräche sind nach mehreren Wechseln in der Führungsebene im Sande verlaufen, als mein Vertrag auslief. Dann hat sich Wolfsburg bei meinem Berater und bei 1860 gemeldet.

Beim TSV 1860 München herrscht ja nicht erst Chaos, seit feststeht, dass die erste Mannschaft in die dritte Liga absteigt. Wolltest du weg? Beziehungsweise hast du auf entsprechende Angebote gehofft, zum Beispiel vom FC Bayern?

Nein, ich habe nicht darauf gehofft. Ich habe ja erst gedacht, dass der Weg bei Sechzig weitergeht. Neben Wolfsburg haben auch andere Vereine angefragt, darunter der FC Bayern. Das ist natürlich ein überragender Verein, aber der Einstieg in den Profikader ist schwer. Die Gefahr ist groß, dass der Weg in der Regionalliga endet. Beim VfL Wolfsburg habe ich für mich mehr Potenzial gesehen.

Wann können wir dich denn zum ersten Mal bei einem Spiel in der Bundesliga sehen?

Ich hoffe bald. Ich mache mir da allerdings keinen Druck. Aber klar, ich wechsle natürlich nicht dorthin, um in der zweiten Mannschaft zu spielen, sondern irgendwann Bundesliga.

Wie könnte das ablaufen? Beim VfL Wolfsburg spielst du ja zunächst in der U23-Mannschaft.

Ja, die Spiele absolviere ich erst einmal bei der U23-Mannschaft. Das Training ist aber sowohl bei der U23 als auch bei den Profis. Dort kann sich der Trainer dann ein Bild von meinen Leistungen machen. Da sollte man natürlich auffallen, um irgendwann in der Ersten Liga spielen zu dürfen.

Viele Jungs lieben Fußball und tragen ein Trikot von den Fußballstars. Sie träumen von einer Karriere. War das bei dir auch so?

Ja, natürlich. Bei mir stand „Ronaldo“ oder „Messi“ auf dem Rücken. Ich habe angefangen, mit meinen Kumpels auf dem Fußballplatz zu kicken. Eine Zeit lang in Wörth, dann bin ich zum FC Dingolfing gewechselt.

Wann dämmerte dir, dass du das Zeug zum Profi hast?

Erst, als ich vor etwa drei Jahren zum TSV 1860 gewechselt bin. Das zweite Jahr dort war eine relativ gute Saison für mich. Dann habe ich auch schon in der A-Jugend gespielt, wo man dem Herrenfußball näher ist und mit Profis trainiert. Da macht man sich schon seine Gedanken, wie es sein könnte.

Wie hast du das mit der Schule gemacht?

Als ich vom FC Dingolfing zur Spielvereinigung Greuther Fürth gewechselt bin, war ich im Internat. Aber das war gar nicht gut. Deshalb bin ich zurück zum FC Dingolfing und in meine alte Schule, ins Dingolfinger Gymnasium. Als das mit 1860 begann, pendelte ich zuerst zum Training, blieb aber auf meiner Schule. Vier bis fünf Mal pro Woche bin ich mit dem Zug nach München gefahren und habe nebenbei die zehnte Klasse in Dingolfing gemacht. Das war hart. Deshalb bin ich dann doch wieder in ein Internat. Das zweite Mal war es besser, weil ich da schon die Leute aus der Mannschaft kannte.

Kommen deine Freunde hauptsächlich aus dem Fußball-Umfeld?

Ja, überwiegend. Man trainiert einfach viel zusammen. Das hat sich dann schnell so ergeben.

Bleibt noch Zeit für andere Hobbys?

Kaum. Wenn ich mal Zeit habe, dann gehe ich gerne mit Kumpels in die Stadt oder spiele Playstation.

Wie sieht es jetzt mit der Schule aus?

Ich gehe nicht mehr in die Schule. Damit habe ich aufgehört, weil auch das Training irgendwann am Vormittag war. Ich studiere jetzt an einer Fernuni Sportbetriebswirtschaft. Das kann man auch ohne Abitur.

Spieler machen sich ja heute mehr Gedanken darüber, was sie nach der Profi-Karriere mal machen möchten. Schließlich ist das ja ein Beruf auf Zeit.

Natürlich. Man braucht ein zweites Standbein. Erstens muss man ja erst schauen, ob es etwas wird mit der Fußballkarriere. Und zweitens braucht man etwas für nachher. Ich würde eben gerne im sportlichen Bereich bleiben.

Du lebst derzeit in München, bald in Wolfsburg. Wie wichtig ist dir da noch deine Heimat?

Familie ist das Wichtigste. Im Moment bin ich ein-, zweimal im Monat zu Hause. Da vermisst man die Familie schon. Ich habe auch noch Freunde hier. Ich komme immer wieder gerne nach Hause.

München hat einiges zu bieten, zum Beispiel das Nachtleben. Kann man das überhaupt genießen als angehender Fußballprofi?

Eher nicht so. Ich gehe kaum weg, da am Wochenende immer die Spiele sind. Und unter der Woche auch nicht.

Wann geht es mit dem Training in Wolfsburg los ?

Am 21. Juni.

Deine Empfehlung an alle Jungs, für die du jetzt vielleicht ein Vorbild bist: Wie wird es was mit der eigenen Karriere im Fußball?

Es wird immer Leute geben, die sagen, das kannst du nicht. Das zieht dich runter. Aber das sollte einen eigentlich stärker machen, um in jedem Training alles zu geben.

 

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