Witwenrente Wenn zum Verlust des Lebenspartners die Existenzfrage kommt

Ein Ordner mit der Aufschrift "Rente" steht zwischen anderen Aktenordnern. Für manche Witwe, manchen Witwer gibt es bei Antragstellung ein böses Erwachen. Sie hatten ihre Situation anders eingeschätzt. Foto: Patrick Pleul

Wer verwitwet ist, bekommt 60 Prozent des Rentenanspruchs des verstorbenen Lebenspartners. Das glauben gar nicht so wenige. Es ist eine Mär, die sich hartnäckig gehalten hat. Denn wer beschäftigt sich schon gerne mit einem solchen Thema? Das schiebt man weit weg. Dass alles viel komplizierter ist und die 60 Prozent allenfalls Schnee von vorgestern, trifft wie ein Keulenschlag, sobald man betroffen ist. Dann kommt zum menschlichen Verlust bei nicht wenigen noch die finanzielle Existenzfrage dazu. Bei Frauen wesentlich öfter als bei Männern, die übrigens erst seit 1986 überhaupt Anspruch auf Witwerrente haben.

Im Versicherungsamt der Stadt ist man mit allen Varianten vertraut. Mit dem alten neuen Recht und dem neuen neuen Recht. Leonhard Mirlach kann diese für den Laien kryptische Unterscheidung auflösen. Er hat uns durch das Labyrinth der Regelungen geschleust: Wer vor dem 1. Januar 2002 geheiratet hat, hat Anspruch auf die sogenannte Große Witwenrente von 60 Prozent der Rentenansprüche des Verstorbenen und hat weniger Einkommensanrechnung als jene, die nach diesem Datum die Ehe schlossen. Bei ihnen greift das neue Hinterbliebenenrecht. Sie haben Anspruch auf 55 Prozent der Rentenansprüche des Verstorbenen und eine umfangreichere Einkommensprüfung (einschließlich Aktien, Immobilien, Betriebsrenten etc.) vor sich. Und die Steuerfreibeträge würden immer kleiner. Gleich ist bei beiden, dass sie die ersten drei Monate nach dem Tod des Lebenspartners die volle Rente des Verstorbenen erhalten. Der Gesetzgeber spricht vom "Sterbevierteljahr". Erst danach greift die Einkommensanrechnung.

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