Behördenansiedlungen Ämterverlagerung in strukturschwache Regionen: Ifo skeptisch

Behördenansiedlungen eignen sich nach einer Untersuchung des Ifo-Instituts nur bedingt, um strukturschwache Regionen zu beleben. "Strukturschwache Regionen sind oft nicht attraktiv genug, um neue Arbeitskräfte dorthin zu locken. Gleichzeitig fehlt es oft an hochqualifizierten Arbeitskräften", sagte Professor Joachim Ragnitz, Stellvertretender Leiter der Ifo Niederlassung Dresden, am Dienstag in der Elbestadt. Das Institut hatte die Studie im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung erarbeitet.

So lebe ein Teil der Beschäftigten des Amts für Ländliche Entwicklung Oberpfalz auch acht Jahre nach dem Umzug von Regensburg nach Tirschenreuth noch in der Region Regensburg. "Sie nehmen dadurch Pendelzeiten von mehr als einer Stunde je Strecke in Kauf", heißt es in der Ifo-Studie. Als Gründe nannten Betroffene familiäre Bindungen oder wenige verbleibende Jahre bis zum Renteneintritt. Nur 65 der ursprünglich 135 Beschäftigten blieben nach dem Umzug in der Behörde. Die freien Stellen wurden durch Arbeitskräfte aus der Region Tirschenreuth ersetzt.

Auch bei anderen vom Ifo-Institut untersuchten Behördenverlagerungen in strukturschwache Gebiete wohnten in einigen Fällen Beschäftigte der Behörden in nahegelegenen Großstädten oder pendelten von den alten Standorten aus. "In diesem Fall bleiben die erhofften wirtschaftlichen Impulse in den Zielregionen aus", stellten die Forscher fest.

Die Rekrutierung hochqualifizierter Beschäftigter sei in strukturschwachen Regionen schwierig. Für Ortsfremde seien diese Regionen oft unattraktiv, Partner fänden oft keine passende Stelle, das lokale Arbeitskräfteangebot sei geringer als in Ballungszentren. "Soll eine Behördenansiedlung erfolgreich sein, muss man die "weichen" Standortfaktoren verbessern", sagte Ragnitz. Dazu gehörten Beschäftigungsmöglichkeiten für Familienangehörige, eine gute Verkehrs- und Breitband-Anbindungen, gute Bildungseinrichtungen, vielfältige Freizeitmöglichkeiten und ein passendes Wohnungsangebot.

Der bayerische Heimatminister Albert Füracker (CSU) hingegen betonte: "Die positive Wirkung lässt sich nicht allein in Zahlen bemessen: Zukunftsfähige, heimatnahe Arbeitsplätze bieten Sicherheit, schaffen Zufriedenheit und Perspektive. Sie erleichtern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, entlasten Ballungszentren, stärken und beleben die Wirtschaft ländlicher Regionen und ermöglichen jungen Menschen, ihr Leben nach den eigenen Wünschen zu gestalten."

Schon jetzt zeigten die Behördenverlagerungen zusammen mit anderen Maßnahmen Wirkung: "Es zeigt sich eine positive Bevölkerungsentwicklung im ländlichen Raum, der Abwanderungstrend wurde gestoppt", so Füracker. Auch Bauminister Christian Bernreiter (CSU) sagte, seine Erfahrungen mit Behördenverlagerungen in den ländlichen Raum seien durchweg positiv. Viele Menschen müssten vom Land in die Ballungsgebiete pendeln. "Wenn diese in ihrer Heimat im ländlichen Raum interessante Alternativen haben, entlasten wir damit auch den Verkehr und die Wohnungssituation in den Städten."

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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