Wirtschaft in Bayern Corona-Crash: So hart trifft es die Selbstständigen

Die Corona-Maßnahmen treffen die Selbstständigen besonders hart. Fast 40 Prozent mehr Selbstständige als im Vergleichszeitraum 2019 sind zwischen April und Juli vom Unternehmerdasein nach Hartz IV abgestürzt. Der Bund der Selbstständigen (BDS) warnt, dass dieser Trend sich wohl weiter fortsetzen wird.

Als Folge der Corona-Maßnahmen herrscht in vielen Branchen eine Auftrags- und Umsatzflaute. Hunderttausende Bayern sind in Kurzarbeit, die fürs Erste ein leidliches Auskommen sichert. Für die Solo-Selbstständigen und Kleinunternehmer ist kein solches Netz gespannt. Ihr Absturz endet nicht selten in der Sozialhilfe. Karin Pecher vom Bund der Selbstständigen (BDS) in Niederbayern warnt: „Niemanden trifft die Corona-Pandemie so hart wie die Gruppe der Selbständigen, die wirtschaftlichen Auswirkungen zeigen sich in vielen Bereichen nochmals deutlich stärker als dies in der Wirtschaftskrise 2008/09 der Fall war.“

Zwischen April und Juli 2020 haben in Bayern 5.724 ehemalige Selbstständige bei Bundesagentur für Arbeit Arbeitslosengeld beantragt. Wie die Agentur auf idowa-Nachfrage bestätigte, sind das 39,8 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Für Selbstständige heißt das in der Regel: Arbeitslosengeld II, sprich Hartz IV – sofern nicht noch Rücklagen aufgezehrt werden können. Beiträge in die Arbeitslosenversicherung zahlen Unternehmer üblicherweise nicht. Sie müssen ab dem ersten Tag ihrer Arbeitslosigkeit an die eigene finanzielle Substanz gehen.

Jeden Monat mehr als 1.000 neue Anträge

Die meisten neuen Anträge auf Grundsicherung hat es nach Angaben der Agentur im April dieses Jahres gegeben – 2.315 Selbstständige hatten sich neu erwerbslos gemeldet. Seitdem liegen die Zahlen Monat für Monat deutlich über 1.000. Die Selbstständigen sind statistisch viel häufiger von einer Corona-Pleite betroffen als die Menschen, die ihr Geld zuvor als Angestellte oder Arbeiter verdient haben: Der Neuzugang in die Sozialsysteme aus dieser Gruppe lag zwischen April und Juli um 28,2 Prozent höher als im gleichen Zeitraum 2019.

Gleichzeitig scheint es angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Lage wenig Gründergeist in der Bevölkerung zu geben: Die Zahl der Menschen, die sich vom Amt abgemeldet haben, um einer Selbstständigkeit nachzugehen, ist um 8,2 Prozent geringer als zwischen April und Juli 2019.

Soloselbstständige profitieren kaum von Fördermaßnahmen

Der Trend werde sich weiter fortsetzen, wenn nicht weitere Unterstützungsmaßnahmen seitens der Politik beschlossen werden, sagt BDS-Sprecherin Karin Pecher: „Positiv war und ist auch die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie, die muss dringend über den 30. Juni 2021 hinaus bestehen bleiben.“ Allerdings: „Leider haben sich die Maßnahmen nicht auf alle Selbständigen anwenden lassen, Soloselbständige und Künstler fallen immer noch durch das Raster. Es wird also weitere Hilfen brauchen, um auch den Branchen das Überleben zu sichern, die immer noch nicht wieder durchstarten können.“

Gefährlich werde es vor allem im Herbst noch einmal, wenn die den Unternehmern bislang gestundeten Ausgaben fällig werden, erklärt der BDS. „Aber Selbständige haben auch ein sehr großes Durchhaltevermögen und zeigen sich oft erfinderisch, viele haben ihre Betriebe ‚neu erfunden‘.“

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