Fast 100 Konzerte, das erste Album und Auftritte auf vielen Festivals - das Jahr 2014 war für die Band "Heisskalt" sehr ereignisreich. Am Wochenende waren sie in München zu Gast und haben mit Freistunde über Live-Auftritte, das aktuelle Album und Wünsche fürs neue Jahr gesprochen.

Hallo "Heisskalt"! Ihr habt heute euren 89. Auftritt in diesem Jahr. Wie würdet ihr euer Jahr 2014 beschreiben?

Mathias: Es war auf jeden Fall mega verrückt. Wir haben knapp 100 Konzerte in einem Jahr gespielt. Dementsprechend haben wir einfach wahnsinnig viel erlebt. Wir haben ein Album rausgebracht. Das fühlt sich so an, als wäre es schon drei Jahre her. Wir haben einen riesigen Festivalsommer hinter uns und total viele neue Sachen angefangen. Ich würde das Jahr als sehr ereignisreich beschreiben.

Was macht denn mehr Spaß - Konzerte oder Festivals?

Mathias: Beides! Das kann man nicht gegenüberstellen. Bei einer Show von uns kommen die Leute wegen uns. Das heißt, wir können mit einem anderen Gefühl auf die Bühne gehen. Bei einem Festival stehen wir auf der Bühne und denken: Okay, mal gucken, wer da jetzt zufällig steht, wer gerade nichts Besseres zu tun hat und wer richtig Bock hat. Dementsprechend ist das ein anderer Ansatz, um dann ein Konzert zu spielen. Aber es ist beides Hammer!

Ich habe euch beim Pfingst-Open-Air in Salching gesehen. Ihr seid live ein Highlight. Warum soll jeder euch unbedingt live sehen?

Mathias: Weil unsere Karten so billig sind (lacht).
Philipp: Ich glaube, dass man live eine ganz andere Facette mitkriegt. Wir waren schon immer eine Live-Band und das ist uns extrem wichtig. Deswegen geben wir live immer alles und das merken die Leute auch.
Marius: Wir mögen unsere CDs schon sehr gerne. Aber ich glaube wir haben live immer noch irgendwas, was wir bisher nicht auf CD bringen konnten.

Euer erstes Album "Vom Stehen und Fallen" ist in diesem Jahr erschienen. Was hat es mit dem Titel auf sich?

Mathias: Das ganze Album ist textlich gesehen eine Ansammlung von Unsicherheiten. Es geht darum, sich Gedanken über Sachen zu machen. Und der Titel "Vom Stehen und Fallen" hängt damit zusammen. Für viele Sachen ist es eine Lösung, es einfach auszuprobieren und zu gucken, ob man auf die Fresse fällt oder ob es funktioniert.

Auf dem Album finden sich abwechslungsreiche Lieder. "Das bleibt hier" ist so ein Song. Es gibt ruhige und rockige Passagen. Wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben?

Mathias: Genau so wie du es gerade gemacht hast. Wir mögen Gegensätze. Wir mögen, wenn es laut ist. Wir mögen, wenn es leise ist. Wir mögen, wenn es traurig ist. Wir mögen, wenn es wütend ist. Und all das steckt in unserer Musik.
Lucas: Es ist sehr emotional, was die Live-Konzerte angeht. Vielleicht ist es gerade das, was unsere Konzerte noch ein bisschen mehr ausmacht. Dann versteht man auch eher, was wir mit der Musik meinen.

Welches ist euer persönlicher Lieblingssong auf dem Album?

Philipp: Da hat jeder glaube ich andere.
Mathias: Ja, es wechselt auch.
Lucas: Wir haben uns doch mal geeinigt (lacht)!
Philipp: Haben wir uns nicht auf "Gipfelkreuz" geeinigt?
Mathias: Ja, der Einfachheit halber (lacht).
Lucas: Es ändert sich. Aber "Gipfelkreuz" war auf jeden Fall mal der Kompromiss.

In euren Liedern geht es vom "Fall Trojas" und "einem brennenden Rom" in "Das bleibt hier" bis zum "Aufwind des Endorphins" in "Alles gut". Was behandelt ihr in euren Songtexten?

Mathias: Das sind Bilder. Ich schreibe die ganze Zeit, immer wenn ich irgendwo bin und irgendwas passiert. Wenn ein Gefühl da ist, das ich interessant finde, dann schreibe ich das auf und irgendwann landet es in einem Text.

Wir von der Zeitung sind ja bei der Rechtschreibung sehr pingelig - wisst ihr eigentlich, das in eurem Bandnamen ein Rechtschreibfehler ist? "Heiß" schreibt man mit scharfem s! Wie könnt ihr das vor dem jungen Publikum verantworten?

Mathias: Das Dumme ist, dass das Internet das scharfe s nicht so richtig geil findet. Da unser Publikum mehr im Internet, haben wir uns dann dafür entschieden, diese Seite zu wählen.
Marius: Es war besser, lieber ein Wort zu nehmen, das vielleicht falsch ist, als verschiedenste Varianten überall wiederzufinden. Denn wenn du einmal anfängst, im Internet den Namen mit doppeltem s zu schreiben, aber sonst im Logo mit scharfem s, weiß am Ende keiner mehr so richtig wie die Band heißt.

Wie seid ihr eigentlich zu eurem Bandnamen gekommen?

Philipp: Das war doch beim Wandern. Wir sind zu viert auf die Alpen gestiegen
und es war heiß. Wir sind übelst schnell hochgelaufen und oben war es super kalt. Wir sind so schnell gelaufen, dass es dann einfach "heisskalt" war. Und da kam ein Adler, der hat gerufen und ich habe so verstanden "Heiß!" und dann so "Kalt!" So ist das entstanden.
Mathias: Dann hat niemand was dagegen gesagt. Und den Adler haben wir jetzt als Backliner dabei.

Und wann habt ihr euch die Geschichte zum Bandnamen ausgedacht?

Mathias: Jetzt gerade (lacht). Der Name war irgendwann einfach da.

Was würdet ihr heute machen, wenn ihr nicht Musiker geworden wärt?

Mathias: Vielleicht irgendeinen Tisch schreinern oder Grabpflege betreiben. Da geht einem nämlich niemand auf den Sack. Das ist großartig (lacht).
Philipp: Ich würde, glaube ich, irgendwas mit Medien machen.
Lucas: Ich weiß, was Marius machen würde.
Marius: Was?
Lucas: Marius würde Filme schneiden. Irgendwas mit Filmen.
Philipp: Ich glaube, dass Marius Bands proben würde.
Lucas: Ja, das auch noch nebenbei.
Marius: Philipp würde skaten.
Philipp: Ja, ich war kurz davor, Skateprofi zu werden (lacht).
Mathias: Oder er würde Unterwäschemodel werden. Philipp ist jemand, der in allem gut aussieht. Das finde ich extrem unfair!
Philipp: Genau! Unterwäschemodel bei Hugo Boss.
Lucas: Ich würde vielleicht Webseiten machen.
Mathias: Das machst du ja jetzt eigentlich auch schon!
Lucas: Ja, ich mache die Merchandise-Sachen bei uns. Und wenn ich nicht in der Band wäre, würde ich das wahrscheinlich für andere Bands machen.

Was war euer erstes Instrument, das ihr gespielt habt?

Mathias: Ich hatte eine Hammerbank. Da muss man Holzstücke, die eine bestimmte Form haben, durch entsprechend passende Löcher, also Sterne, Kreise und Ecken, durch klopfen. Ich glaube, da war ich zwei oder so. Ich habe das dann gemacht und habe es langweilig gefunden und dann angefangen darauf herum zu klopfen. Meine Mutter hat sich sofort gehasst, dass sie mir das zu Weihnachten geschenkt hat. Ich würde das als Instrument bezeichnen.
Marius: Blockflöte.
Philipp: Bei mir war es glaube ich auch eine Blockflöte.
Lucas: Ja, bei mir auch. Oder vielleicht Glockenspiel.

Auf welchem Konzert wart ihr zuletzt?

Marius: Also wir gehen ja auf so unglaublich viele Konzerte einfach so. Ein Konzert der Band "Fjørt" war glaube ich das letzte, auf dem ich privat war.
Philipp: Ja, bei mir war es tatsächlich auch "Fjørt".
Mathias: Ich weiß gar nicht, was das letzte Konzert war, auf dem ich privat war.
Marius: Wir haben ja jetzt 89 Konzerte bald gespielt dieses Jahr, deswegen sind wir immer so unmotiviert noch irgendwo hinzugehen. Man hat auch oft die Möglichkeit irgendwo mit hinein zu schlupfen. Deswegen ist das letzte Konzert, wo ich mir eine Karte gekauft hab, schon ein Jahr her. Aber das sind dann eigentlich immer die schönsten. Weil darauf freut man sich dann, kauft sich die Karte, hängt sie ins Zimmer und zählt die Tage. Das ist echt das Coolste!

Welche Musikrichtung könnt ihr selbst gar nicht hören?

Marius: Minimal und Techno.
Lucas: Volksmusik natürlich und Schlager. So Pop-Musik. Am Schlimmsten sind Sachen, die aus Amerika kommen. Belanglosen Kram.
Philipp: Bei mir ist es einfach nur Dubstep.
Lucas: Muss man darüber überhaupt noch reden?
Philipp: Das hört man immer noch an allen Enden und Ecken! Und es ist übelst schrecklich.
Mathias: Bei mir ist es Rechts-Rock, wobei der musikalisch manchmal ganz witzig ist.

Das Jahr ist fast vorbei. Welche Wünsche habt ihr für 2015?

Marius: Wir wollen natürlich ein neues Album machen. Es soll richtig geil werden und ich glaube, dass schaffen wir auch.
Philipp: Ja, das ist eigentlich das Hauptziel fürs nächste Jahr - ein mega Album schreiben und einen coolen Festivalsommer spielen.