„Wie eine große Zirkusfamilie“ Fleiß und Ehrgeiz sind nötig bei der Straubinger Showtanz- und Akrobatikgruppe Flip Flops

Mit ihrer Gauklershow - hier bei Schlaflos in Straubing - treten die Flip Flops auch bei den Agnes-Bernauer-Festspielen auf. (Fotos: Karin Hahn) Quelle: Unbekannt

Hintern anspannen, Spannung halten und durchstrecken - diese drei Vorgaben halten die Mädchen und Jungs der Akrobatik- und Showtanzgruppe Flip Flops oben auf den Menschenpyramiden oder -türmen. Die Mittelalterakrobatik-Gruppe trainiert derzeit zweimal die Woche für ihren Gauklerauftritt bei den Straubinger Agnes-Bernauer-Festspielen.

Dabei füllen die Flip Flops nicht nur die Pause, sondern stehen auch während der Vorstellung auf der Bühne im Straubinger Herzogsschloss. "Das ist für uns etwas Neues. Da müssen wir auch ein wenig schauspielern. Wir sind in einer Marktszene dabei. Da waren früher ja auch viele Gaukler unterwegs", sagt Trixi Berg. Sie trainiert die Flip Flops. Zweimal die Woche üben die akrobatikbegeisterten Mitglieder ihre Hebefiguren. Die Besonderheit: Erfahrene Mitglieder üben zusammen mit Anfängern, Groß hilft Klein.

"Wir sind wie eine große Zirkusfamilie. Jeder geht auf jeden zu", ist auch Theresa Beringer aus Straubing begeistert. Die 16-Jährige ist seit zweieinhalb Jahren bei den Flip Flops. Sie kam vom Turnen zu der Gruppe. Spagat, Handstand und Co. sind aber keine Voraussetzungen, um bei den Flip Flops mitzumachen. "Jeder, der es probieren möchte, kann gerne kommen", ermutigt Trixi Berg. "Wichtig sind nur Ehrgeiz und ein gutes Körpergefühl. Die Muskeln, die wir brauchen, lassen sich schon anzüchten. Aber nach fünf Minuten aufgeben und hinsetzen, gibt's bei mir nicht." Dass aber nicht alles beim ersten Mal klappt, mussten einige erst lernen. Auch der siebenjährige Marcel Christiani hat sich anfangs geärgert, dass er nicht gleich alles kann. "Aber die anderen können es auch nicht aufs erste Mal. Das ist nicht schlimm. Ich übe halt so lange, bis ich es kann und keine Angst mehr dabei habe. Das ist ein tolles Gefühl, dann habe ich ein Problem weniger", scherzt der quirlige Siebenjährige. "Ich übe grad den Handstand. So ganz klappt es noch nicht, aber ich will da immer besser werden."


Begeistert wuselt er zwischen den verschiedenen Übungsstationen hin und her und stellt sich für den Schulterstand und einige Wurfübungen bei seinen größeren Kollegen an. Noch arbeitet Marcel eher mit den Männern, damit er Vertrauen aufbaut. "Aber je länger er dabei ist, umso mehr wird er auch mit den größeren Mädels arbeiten. Die halten ihn genauso gut", sagt Trixi Berg. Sie stellt die Übungen für Auftritte zusammen, gibt im Training den Ton an und bestimmt, wer oben und wer unten steht. "Mir ist aber auch wichtig, dass sich alle selbst einschätzen können und beim freien Üben selbst herausfinden, wie sie sich am besten stellen sollen", erklärt die Trainerin. Dieses Mitdenken fördert die Gruppe ebenso wie die Koordination.

Für ihren Auftritt bei den Agnes-Bernauer-Festspielen proben die Flip Flops verschiedene Figuren: Hercules, kleine und große Brücke oder der mehrstöckige Eiffelturm sind einige Beispiele. Dazu tanzen und jonglieren die Jugendlichen.

Nicht nur Plätze oben wichtig

Wer sich weniger in die Luft traut, kann auch dauerhaft einen Platz am Boden einnehmen. Höhenangst ist also kein Problem bei den Flip Flops. Berührungsängste aber darf man nicht haben. Für die Figuren wird gekraxelt, in die Hände des anderen gelegt und sich miteinander verknotet. Beim Training der Flip Flops geht es sehr diszipliniert zu. Währen der Musikpausen ist es auffällig still in der Halle. "Das ist auch wichtig. Disziplin ist das A und O bei der Akrobatik", erklärt Trixi Berg. "Akrobatik ist eine gefährliche Sportart. Alle müssen sich konzentrieren, die Spannung halten und auf den anderen achten. Da gibt's nichts zu blödeln."

Während des Trainings achtet die Expertin auch darauf, dass ihre Schützlinge genug getrunken und gegessen haben, bevor sie üben. Auch ausreichend Schlaf ist wichtig. "Nur so sind wir leistungsfähig und konzentriert. Ansonsten gefährdet man sich selbst und seinen Partner", warnt Trixi Berg.

Wie wichtig das ist, hat Theresa selbst schon erfahren. Bei einem Spagatheber war sie zu müde, um die Spannung zu halten und ist gestürzt. "Zum Glück war es nicht so hoch. Wir waren bei der Figur nur zu zweit. So ist mir nichts passiert", erzählt die 16-Jährige. Angst hat sie deshalb keine. Sie passt nun besser auf und achtet auf ihren Körper. Ihre Lieblingsübung geht sogar noch höher: Sie macht einen Handstand. In der Luft. Auf den ausgestreckten Händen ihres Partners. "Es ist ein tolles Gefühl", schwärmt sie. "Ich denke manchmal, ich fliege."

 

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