Wie die Saat, so die Ernte Neue Düngeverordnung wird zum Zankapfel

Gülle wird auf einem Feld verteilt. Damit gelangt Nitrat ins Grundwasser. Foto: Patrick Pleul, dpa

Seit 2. Juni 2017 ist die neue Düngeverordnung gültig. Sie regelt die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln. Ziel ist der Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen. Doch so richtig glücklich scheint niemand damit zu sein. Auf der einen Seite ächzen die Landwirte unter mehr Bürokratie und gestiegenen Kosten. Dem gegenüber stehen diverse Umweltverbände, denen die Verordnung nicht weit genug geht.

Es ist zweifelsfrei ein Thema, an dem sich die Geister scheiden: die neue Düngeverordnung. Verschiedene Lobbys, verschiedene Interessen. Dennoch bestellen am Ende alle das gleiche Feld. Es geht um eine nachhaltige Nutzung der ökologischen Ressourcen. Und die muss vernünftig geregelt werden. Dies versucht die neue Düngeverordnung, mit der die Landesregierungen verpflichtet werden, in Gebieten mit einer hohen Nitratbelastung des Grundwassers (sogenannte „rote Gebiete“) per Verordnung strenge Auflagen bei der Düngung zu erlassen. Betriebe in wenig belasteten Bereichen („grüne Gebiete“) können dagegen Erleichterungen erhalten.

Die Einteilung der roten und grünen Gebiete Bayerns ist in folgender Karte zu sehen:

Quelle: Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung

Doch bei so manchen Details gibt es Streit. Wie viel Sinn machen Erleichterungen in grünen Gebieten überhaupt? Führt dies das ursprüngliche Ansinnen einer beispielsweise nachhaltigen Landwirtschaft nicht ad absurdum? Dieser Überzeugung ist man zumindest in Reihen des Wasser-Info-Teams Bayern e.V. (WIT) mit Sitz in Aham (Kreis Landshut). Dort macht man sich seit Jahren für den Schutz der Wasser-Ressourcen stark. „Die zumindest in der Düngeverordnung noch eindeutigen Regelungen werden durch die Landesverordnung dahingehend ergänzt, dass eine behördliche Überwachung in der Praxis aufgrund der Vielzahl der Befreiungsregelungen nahezu nicht mehr durchführbar ist“, sagt WIT-Vorsitzender Josef Pellkofer gegenüber idowa. Seiner Einschätzung nach werde eine praxisnahe Umsetzung der angestrebten Nitrat-Reduzierung durch diverse Sonderregelungen zusätzlich erschwert. Dazu würden unter anderem auch die jährlich unterschiedlichen Kernsperrfristen zählen, die bestimmen, zu welcher Zeit Gülle ausgefahren werden darf und wann nicht.

„Effektiver Grund- und Naturschutz sieht anders aus!“

Pellkofer fordert: „Ein Einsatz von Düngemitteln sollte grundsätzlich nur bedarfs- und zeitgerecht erfolgen.“ Die hohen Nitratgehalte in den Grundwässern würden jedoch einen „weit über den jeweiligen Pflanzenbedarf hinausgehenden Einsatz“ belegen. „Effektiver Grund- und Naturschutz sieht anders aus“, so Pellkofer weiter, der darüber hinaus auch in wirtschaftlicher Hinsicht schwerwiegende Folgen befürchtet: „Aufgrund der äußerst zögerlichen Politik bei der erforderlichen Novellierung der Düngerechte werden voraussichtlich Strafzahlungen von mehreren Milliarden Euro an die EU fällig, die letztendlich alle Steuerzahler begleichen müssen. Das Verursacherprinzip bleibt dabei außen vor.“

Wie der Bayerische Bauernverband zur neuen Düngeverordnung steht, lesen Sie auf der nächsten Seite.

 
 

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