WHO-Gesundheitsnotstand Kongo: Ebola-Helfer verlangen mehr Impfstoff und mehr Geld

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wird ein Ebola-Opfer auf einem muslimischen Friedhof im Kongo beigesetzt. Foto: Jerome Delay/AP/dpa

Behörden und Helfer bekommen den Ebola-Ausbruch im Kongo nicht unter Kontrolle. Jetzt hat die WHO einen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Hilfsorganisationen sagen, was ihrer Ansicht nach gebraucht wird.

Genf/Goma - Der Kampf gegen die Kongo wütende Seuche Ebola soll nach der Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verschärft werden.

Mehr Menschen müssten gegen das gefährliche Virus geimpft werden, verlangte die Präsidentin der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen", Joanna Liu.

Ein unabhängiger Expertenausschuss hatte der WHO im vierten Anlauf empfohlen, den Notstand zu erklären. Es handelt sich um eine Eskalationsstufe bei Ausbrüchen gefährlicher Krankheiten, die robustere Anstrengungen der Weltgemeinschaft zu Beendigung der Krise auslösen soll. Dreimal seit Beginn des Ebola-Ausbruchs vor einem Jahr hatte der Ausschuss sich dagegen entschieden. Den Experten ist es wichtig, keine Panik zu schüren, und die betroffenen Länder nicht durch Handelsbeschränkungen oder Flugunterbrechungen zu isolieren.

"Es muss unbedingt vermieden werden, dass die betroffenen Menschen durch Reise- oder Handelsbeschränkungen wirtschaftlich bestraft werden", betonte der Ausschuss. Es sei nicht nötig, Grenzen zu schließen. Der Ausschussvorsitzende Robert Steffen betonte, dass zur Zeit keine Gefahr für eine globale Ausweitung der Seuche bestehe. Vielmehr handele es sich um eine regionale Notlage.

Kongos Gesundheitsministerium akzeptierte die Entscheidung. Allerdings hoffe man, dass diese nicht unter Druck verschiedener Interessensgruppen getroffen wurde, die dadurch mehr finanzielle Mittel für humanitäre Akteure zu erhalten hofften, hieß es in einer Mitteilung.

Das Gesundheitsministerium erklärte den Ebola-Ausbruch am 1. August vergangenen Jahres zur Epidemie. Seitdem haben sich mindestens 2500 Menschen mit Ebola infiziert, mehr als 1600 kamen ums Leben. Nach der verheerenden Epidemie in Westafrika 2014/2015 mit mehr als 11.000 Todesopfern ist dies der bislang schlimmste Ebola-Ausbruch. Die Bekämpfung ist so schwierig, weil die Sicherheitslage in der Region im Osten des Kongo so prekär ist. Bewaffnete Rebellengruppen terrorisieren dort seit Jahren die Bevölkerung. Ebola-Helfer werden immer wieder angegriffen, manchmal getötet. Zudem herrscht in der Bevölkerung viel Misstrauen und Angst gegenüber der Krankheit und den Helfern.

Die WHO glaubt, dass nur 75 Prozent der Fälle entdeckt oder gemeldet werden. Manche Infizierte sterben, ohne dass die Familien sich bewusst sind, dass der Angehörige Ebola hatte. Deshalb empfiehlt die WHO unter anderem, die Aufklärung über die Seuche weiter zu verbessern und mehr Anstrengungen zu unternehmen, dass Verdachtsfälle sofort gemeldet und Betroffene in Behandlungszentren gebracht werden.

Die britische Organisation Wellcome Trust setzte sich dafür ein, einen zweiten bereits entwickelten Impfstoff schnell zur Behandlung zuzulassen, um mehr Menschen impfen zu können. Bislang beschränken sich Helfer darauf, Angehörige und Freunde von Betroffenen sowie deren Kontakte zu impfen. Dafür sei genug Impfstoff vorhanden, betont die Regierung. "Länder sollten nicht warten, bis Ebola sich über die Grenzen ausbreitet oder an ihrer Türschwelle ankommt, bevor sie etwas tun", meinte Josie Golding vom Wellcome Trust.

Auch die Hilfsorganisation World Vision forderte mehr Mittel, um die humanitären Bedürfnisse in der Ebola-Zone zu decken und die Akzeptanz der Präventionsarbeit und der Kontrollen in der Bevölkerung zu verbessern. "Die heutige Erklärung sollte ein Weckruf sein", teilte Moussa Sangara mit, der den Ebola-Einsatz für World Vision leitet.

 

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