Wettbewerb Bestpreisklauseln für Hotels bei Buchungsportalen unzulässig

Auf einem Smartphone ist die App des Reiseportals Booking.com zu sehen. Foto: Fabian Sommer/dpa/dpa
Auf einem Smartphone ist die App des Reiseportals Booking.com zu sehen. Foto: Fabian Sommer/dpa/dpa

Tausende Hotels im Überblick, mit Fotos und Gäste-Bewertungen - das bieten Internet-Plattformen wie Booking.com. Was nicht allen Nutzern klar sein dürfte: Diesen Service zahlen sie beim Zimmerpreis mit.

Hotels, die sich auf Buchungsportalen wie Booking.com präsentieren, können ihre Zimmer auf der eigenen Internetseite ungestraft günstiger anbieten. Der Kartellsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) entschied am Dienstag in Karlsruhe, dass die Plattformen dies nicht über sogenannte Bestpreisklauseln in ihren Verträgen unterbinden dürfen. Damit gehören solche Klauseln auf dem deutschen Hotelmarkt endgültig der Vergangenheit an. 

Auf Portalen wie Booking.com, HRS und Expedia können Nutzer eine Vielzahl an Hotels und anderen Unterkünften vergleichen und auch direkt buchen. Für jede erfolgreiche Vermittlung über die Seite kassiert der Betreiber vom Hotel eine Provision. Beim Zimmerpreis wird das mit einkalkuliert - der Nutzer zahlt also indirekt. Bei Buchungen direkt beim Hotel schlägt so eine Provision naturgemäß nicht zu Buche. Hier könnten die Zimmer billiger sein.

Portale wie Booking und HRS hatten ihren Partnerhotels ursprünglich ganz untersagt, ihre Zimmer irgendwo anders günstiger anzubieten. Solche "weiten" Bestpreisklauseln sind bereits seit 2015 rechtskräftig verboten. Booking hatte daraufhin auf eine "enge" Klausel umgestellt, die sich nur auf die hoteleigene Seite bezog. Auf konkurrierenden Portalen oder im Offline-Vertrieb - also zum Beispiel am Telefon oder an der Rezeption - durften die Hotels günstigere Preise anbieten. Es war aber verboten, dafür im Internet zu werben.

Das Bundeskartellamt hatte Booking Ende 2015 auch diese "enge" Klausel für den deutschen Markt untersagt. Aber das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf kippte diese Verfügung 2019. Die Richter dort hielten die Klausel für notwendig: Ohne sie würden die Hotels die Breitenwirkung von Booking.com nur nutzen, um Interessenten von dort auf ihre Seite zu locken - und sich die Provision sparen.

Mit dem Urteil des BGH ist das Verbot nun wiederhergestellt. Faktisch ändert sich damit erst einmal nichts, denn Booking hatte auch nach der Düsseldorfer Entscheidung weiter auf die Klausel verzichtet, weil das Verfahren noch lief. Nun ist aber klar, dass sie nicht wiedereingeführt werden darf, auch nicht von anderen Portalen.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse: