Wespen, Fliegen, Mücken Insektenplage? Diese Tipps helfen wirklich

In diesem Sommer gibt es vielerorts weniger Wespen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Insekten und Spinnentiere sind unverzichtbar für unser Ökosystem und rufen gleichzeitig bei vielen Menschen Abscheu hervor – über die Bewertung entscheidet meist nur die räumliche Nähe. Kommt das große Krabbeln und Summen in die eigenen vier Wände, fragen viele nach Abwehrmaßnahmen.

Radikale Lösungen sind meist nicht nötig, um die Insekten auf Distanz zu halten. Welche Strategien wirklich helfen, weiß Prof. Dr. Joachim Ruther vom Lehrstuhl für Chemische Ökologie an der Universität Regensburg.

Tipp 1: Der Fruchtfliegen Herr werden – Balsamico hilft

Ganz klar: Fruchtfliegen können auf die Nerven gehen. Hier gibt selbst der Biologie guten Gewissens Tipps zur Abwehr: Im Frühjahr und Sommer, wenn die fertig entwickelten Fliegen bereits schwärmen, hilft eine Flasche weißer Balsamico, die aufgeschraubt in der Küche steht: „Dieser Essig ist unwiderstehlich für die Schmeißfliegen“, sagt Joachim Ruther. Die Insekten krabbeln in die Flasche und schaffen es nur ganz selten wieder heraus. „Man sollte allerdings einen Zettel für die Mitbewohner dran machen, damit der Essig nicht aus Versehen verwendet wird. Nach einiger Zeit sieht das Ganze nämlich wie eine Flasche Kräuteressig aus – wegen der vielen kleinen Kadaver.“

Tipp 2: Schmeißfliegen – Keine Fleischabfälle in der Küche

Um das Problem der Schmeißfliegen gleichsam an der Wurzel, oder besser, an der Larve zu packen, ist vor allem der richtige Umgang mit Fleischabfällen entscheidend. Was nach einem Grillabend auf den Tellern bleibt, sollte nicht lange im Mülleimer herumliegen, sondern möglichst bald aus der Wohnung gebracht werden: „Diese Fliegenarten brauchen als Maden Aaß – das kann jede Art von sich zersetzendem Fleisch sein“, erklärt Ruther. Es kann also schon helfen, auf kleinere Müllbeutel umzusteigen, die dann öfter rausgebracht werden müssen. Ebenfalls wirksam: Die Fleischabfälle in der Tiefkühltruhe aufbewahren, bis der Müll voll ist und entsorgt wird.

Tipp 3: Wespen – besser als ihr Ruf

Schon die gelb-schwarzen Signalfarben lösen bei vielen Menschen Angst aus. Bei den meisten allerdings zu Unrecht. Wer keine Allergien gegen das Gift der Wespen hat, sollte versuchen, mit den Tieren zu leben, empfiehlt Joachim Ruther: „Wenn eine Allergie vorliegt, hilft es natürlich nichts, dann muss das Nest umgesetzt werden. Da sollten dann aber Fachkräfte in Aktion treten, die die Tiere einfangen und das Nest mitsamt Wespenvolk an einen anderen Ort bringen.“

Buchsbaumfreunde sollten ihr Verhältnis zu den manchmal nervigen Besuchern am Kaffeetisch aber zweimal überdenken, bevor sie Gegenmaßnahmen ergreifen: Denn die Larven des Buchsbaumzünslers und viele andere Pflanzenschädlinge sind Leibspeisen der Wespen. Gut möglich, dass die gelegentlichen Tortenräuber auch ganz unbemerkt die Lieblingspflanze retten. Außerdem jagen die Wespen mit Vorliebe andere Insekten – ein Wespenvolk fängt im Lauf eines Sommers mehrere Kilo an Fliegen, Mücken und anderem unerwünschten Getier.

Übrigens: Die meisten Wespenarten sind überraschend friedfertig und stechen nur, wenn sie ihr Nest verteidigen – oder sich jemand auf sie setzt.

Tipp 4: Gegen Mücken – Das Kein-Gießkannenprinzip

Die Chemiekeule, egal ob auf dem eigenen Körper oder auf anderen Oberflächen, führt selten zum Erfolg. Die kleinen Blutsauger sind hart im Nehmen und sie ertragen einiges, um an das begehrte Blut zu kommen. Die beste Gegenmaßnahme betrifft die Kinderstuben: Mücken legen ihre Brut in Feuchtgebieten ab. Das kann auch eine Gießkanne oder eine Regenrinne sein, oder der Untersetzer von Blumentöpfen. Behältnisse mit Wasser sollten, wenn nicht in Gebrauch, nach Möglichkeit trockengelegt werden.

Tipp 5: Gegen Ameisen – Umleitung per Duftspur

Eine unangenehme Vorstellung für viele Menschen: Die Ameistenstraße durch das heimische Wohnzimmer. Mittel der Abwehr gibt es kaum, da kein Haus wirklich komplett abgedichtet ist. Hat sich ein Ameistenvolk erst mal eingenistet, müssen in vielen Fällen die Spezialisten ran.

Nisten die Tiere außerhalb und durchqueren den eigenen Wohnbereich nur, beispielsweise über die Terrasse, können starke Düfte helfen, die Ameisenstraße umzuleiten. Nelkenpulver ist hier eine sanfte Maßnahme. Im Übrigen gilt das Gleiche wie bei Fliegen: Ameisen steuern einen Ort nur dann dauerhaft an, „wenn dort eine ergiebige Futterquelle in Aussicht steht“. Also: Kein Essen länger rumstehen lassen, dann kommen die Ameisen auch nicht auf den Geschmack.

Tipp 6: Licht aus gegen Spinnen

Eigentlich spricht nach Ansicht des Biologen nichts dagegen, sich die eigenen vier Wände mit einer Spinne zu teilen – außer vielleicht bei einer Spinnenphobie. Etwa 35 Prozent der Bevölkerung in Mitteleuropa leidet laut diversen Publikationen unter Arachnophobie, der Angst vor den achtbeinigen Krabbeltieren. So harmlos die Tiere, so groß der Schrecken, den sie verbreiten.

Da die Spinnen, die in unseren Breiten vorkommen, weder giftig noch angriffslustig sind, sollten die Tiere sanft vor die Tür gesetzt werden – oft ist ein angstfreier Mitbewohner oder Lebenspartner zur Hand, der das erledigen kann. Um zu verhindern, dass Spinnen die Wohnung als neues Zuhause auswählen, hilft es, unnötige Beleuchtung auszuschalten. Spinnen bauen ihre Netze idealerweise in den Flugbahnen von Insekten – und viele von ihnen werden vom Licht angezogen.

Tipp 7: Im Zweifel lieber biologisch

Von Chemiekeulen hält der Insektenexperte nichts. Bei einem starken Schädlingsbefall kann als letztes Mittel der biologische Gegenangriff gestartet werden – in Form von Bacillus thuringiensis und anderen Mikroben, die natürliche Gifte, sogenannte Insektizide, gegen bestimmte Insekten bilden. Auch hier aber gelte: Alles mit Maß und Ziel und unter professioneller Anleitung.

Tipp 8: Garten und Balkon im Gleichgewicht

Der aus Sicht des Insektenforschers wichtigste Tipp: Nicht bekämpfen, sondern unterstützen. „Die Natur hat unter den Insekten eine natürliche Konkurrenzsituation geschaffen“, erklärt Joachim Ruther. Wenig diverse Biotope, etwa Steingärten und andere Monokulturen, neigen eher dazu, die vermeintliche Insektenplage zu erzeugen. „Blattläuse zum Beispiel müssen eigentlich selten bekämpft werden. Unter normalen Umständen kommen schon sehr bald Marienkäfer, die den Bestand dezimieren und die Pflanze überlebt den Befall.“ Der ideale Garten und Balkon hat laut Joachim Ruther viele heimische Pflanzenarten – „dann hält sich vieles von selbst im Gleichgewicht. Denn auch, wenn es vielen anders vorkommt: Eigentlich haben wir es noch immer mit einem dramatischen Rückzug der Insektenwelt zu tun. Auch, wenn der erste Reflex ein anderer ist: Eigentlich sollte man sich über alles, was da krabbelt und summt, freuen – einen Moment länger hinschauen und sich vielleicht auch faszinieren lassen.“

Ähnlich sieht das auch Prof. Dr. Erhard Strohm vom Institut für Zoologie an der Uni Regensburg: „Meine Erfahrung ist, dass heutzutage viele Leute keinerlei Toleranz gegenüber Insekten in der Wohnung oder im Garten haben, trotz der Diskussion um Insektensterben. Es ist also eher die Einstellung, die sich meines Erachtens ändern müsste.“

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