Werkschließungen und Reiseverbote So reagieren ostbayerische Firmen auf das Coronavirus

Wegen des Coronavirus setzen viele ostbayerische Unternehmen Dienstreisen nach China erst einmal aus. (Symbolbild) Foto: Emily Wang/AP/dpa

Die Sorge um das Coronavirus hat den Freistaat fest im Griff. Seit der ersten Infektion des neuartigen Virus in Oberbayern wappnen sich auch ostbayerische Firmen. 

Wegen des Coronavirus setzen viele bayerische Unternehmen Dienstreisen nach China erst einmal aus. Weil in China gerade Neujahr gefeiert wird, stehen viele Werke deutscher Firmen ohnehin noch still. Die chinesische Regierung hat die Ferien wegen des Virus sogar noch einmal verlängert. Trotz weniger Dienstreisen werden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen – auch von Unternehmen aus Ostbayern.

Das Elektronikunternehmen Zollner aus Zandt (Kreis Cham) hat für die nächsten zwei Monate (Februar und März) alle Geschäftsreisen von Mitarbeitern nach China eingestellt, teilte die Firma in einer Pressemitteilung am Dienstag mit.

Das Unternehmen sei zudem von den Maßnahmen chinesischer Behörden zur Eindämmung des Virus betroffen. Das Werk in Taicang bleibe demnach bis mindestens 8. Februar geschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt gebe es keine Möglichkeit, das Werk zu betreten. Alle chinesischen Mitarbeiter mit VPN-Anschluss sind ab dem 31. Januar im Homeoffice tätig. Als Beitrag zum Schutz der Bevölkerung will Zollner Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel nach China liefern.

Das Bauunternehmen Max Bögl aus Neumarkt trifft ebenfalls Maßnahmen. Vorsorglich entsende die Firma keine weiteren Mitarbeiter nach China. Gleichzeitig wird geprüft, wie viele Mitarbeiter von dort vorzeitig zurückgeholt werden können. Aktuell seien aufgrund des chinesischen Neujahrsfests nur wenige Mitarbeiter der Firmengruppe in der Provinz Sichuan im Einsatz. Sichuan gehört derzeit nicht zu den akut vom Virus betroffenen Regionen. Von Wuhan ist die Provinz Sichuan über 1.000 Kilometer entfernt.

Krones-Mitarbeiter reisen in Flugzeugen mit Filter

Der Abfüllanlagenbauer Krones aus Neutraubling (Kreis Regensburg) hat bis Ende Februar alle Flüge nach China ausgesetzt, teilte eine Sprecherin mit. Nur „in ganz dringenden Fällen“ würden noch Mitarbeiter nach China geschickt, dann aber in enger Absprache mit dem Sicherheitsmanagement. Der Mitarbeiter müsse dann unter anderem mit Flugzeugen fliegen, die spezielle Filter verbaut haben.

Ein Sprecher des Werkzeugherstellers Einhell aus Landau, der einen Standort in Shanghai hat, teilte nach erneuter Nachfrage vonseiten unserer Mediengruppe mit, dass man sich an die Vorgaben der Behörden halten würde, um dem Virus vorzubeugen.

Auch der Automobilzulieferer Dräxlmaier aus Vilsbiburg (Kreis Landshut), der gleich sechs Standorte in China betreibt, reduziert die Reisen nach eigenem Bekunden auf ein Minimum.

Der Automobilzulieferer ZF aus Friedrichshafen hat zwei Werke in Passau und Thyrnau (Kreis Passau). „Mitarbeiter von Passau reisen regelmäßig nach China, allerdings nicht in die betroffene Region“, teilte ein Sprecher mit. Insgesamt hat ZF 40 Werke mit 14.000 Angestellten in China. Man verfolge die Situation aufmerksam und empfehle Kollegen, Reisen zu verschieben oder abzusagen, sagte der Sprecher.

Allianz stoppt Geschäftsreisen in den Pazifikraum

BMW, Audi und Siemens erklärten am Dienstag, dass nur noch zwingend notwendige Dienstreisen nach China angetreten werden. Die Allianz hat Geschäftsreisen aus Singapur, dem Sitz ihrer Holding für Asien und den Pazifikraum, nach China vorübergehend gestoppt. 

Nachdem bereits am Montagabend bekannt wurde, dass ein Mann in Bayern mit dem Virus infiziert wurde, wurde am Dienstagabend bestätigt, dass in Bayern drei weitere Menschen mit dem Coronavirus infiziert worden sind. Der erste bestätigte Coronavirus-Patient in Deutschland ist ein 33 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Landsberg. Er hat sich bei einem chinesischen Gast seines Arbeitsgebers, dem Automobilzulieferer Webasto, angesteckt.

Das oberbayerische Unternehmen schließt nun wegen der vier infizierten Mitarbeitern seinen Stammsitz in Gauting bis Sonntag. Bis dahin sollen Mitarbeiter der Firmenzentrale auch nicht an nationale und internationale Standorte reisen, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte.

Clemens Wendtner, Chefarzt im Klinikum, sagte, dem 33-Jährigen gehe es gut. "Er ist fieberfrei, hat auch derzeit keine Atemwegssymptomatik mehr." Die Inkubationszeit beträgt bei der Lungenkrankheit bis zu zwei Wochen. Allerdings sind Infizierte bereits ansteckend, noch bevor sie Symptome zeigen, was die Eindämmung des Virus besonders erschwert.

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