Werbebotschaften Alle glücklich? Verbraucherzentrale kritisiert Fleisch-Siegel

Ein Haltungskompass ist auf einer Fleischpackung aufgeklebt. Deutschlands Discounter informieren bei Fleischprodukten immer öfter über die Haltungsbedingungen der Tiere. Die Verbraucherzentralen kritisieren jedoch, dass diese Kennzeichnungen für den Kunden nicht immer verständlich und nachvollziehbar seien (Symbolbild). Foto: Marcel Kusch/dpa

Wer Fleisch mit hohen Tierhaltungsstandards kaufen möchte, muss sich mit vielen verschiedenen Siegeln im Handel auseinandersetzen – eine Sisyphos-Arbeit. In einer aktuellen bundesweiten Stichprobe der Verbraucherzentralen wurden nun die Angaben der Handelsunternehmen zur Tierhaltung bei gängigen Fleischprodukten überprüft. Das Ergebnis: Zu viele Werbebotschaften, zu wenig Klarheit darüber, was diese eigentlich bedeuten. idowa hat bei den Discountern Aldi, Edeka, Lidl, Real und Rewe nachgefragt.

Die Mengen sind riesig. Allein 2017 wurden in Deutschland laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) 8,81 Millionen Tonnen Schlachtfleisch erzeugt. Der größte Anteil entfällt demzufolge auf Schweinefleisch (62 Prozent), gefolgt von Rindfleisch (13 Prozent) und Hühnerfleisch (12 Prozent). Zunehmend wichtig ist es den Konsumenten, zu wissen, woher die geschlachteten Tiere kommen und wie sie gehalten wurden. Das ergab eine Umfrage der BMEL. Transparenz ist also das Gebot der Stunde. Die Verbraucherzentralen haben sich dem Thema in einer aktuellen Untersuchung angenommen.

Bei 17 Handelsketten haben die Zentralen eine Stichprobe genommen, im Speziellen ging es um Produkte von Schwein, Rind und Geflügel. Das Ergebnis der Bestandsaufnahme bei den konventionellen Fleischprodukten erscheint ernüchternd: Nur vereinzelt habe es verlässliche und nachvollziehbare Werbeaussagen in Bezug auf höhere Tierschutzstandards gegeben, wie die Verbraucherzentralen in einer aktuellen Pressemitteilung ausführen. 

Viele Regelungen nicht verpflichtend 

Die EU-Vermarktungsnormen für Geflügel definieren beispielsweise eindeutig unterschiedliche Formen der Tierhaltung. Unterschieden wird hier „Extensive Bodenhaltung“, „Freilandhaltung“, „Bäuerliche Freilandhaltung“ und „Bäuerliche Freilandhaltung – Unbegrenzter Auslauf". Will ein Produzent eine entsprechende Kennzeichnung seiner Produkte, dann muss er klare Vorgaben erfüllen. Vorgeschrieben ist jeweils, wie viel Platz die Tiere haben müssen, wie groß ihr Auslauf ist und wie sie gefüttert werden müssen. Damit bieten die Normen eine gute Orientierung für Verbraucher. Solche Angebote seien im Handel allerdings selten, wie die Verbraucherzentralen bemängeln. 

Daneben gibt es allerdings weitere Standards, so zum Beispiel die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Dort werden Mindeststandards für die Haltung einiger Tierarten und Tiergruppen konkretisiert. Allerdings liegen hier nicht für alle Tierarten Regelungen vor. Es fehlen zum Beispiel Vorgaben für Milchkühe, Mastrinder, Puten und Wassergeflügel. Die Verbraucherzentralen kritisieren an dieser Verordnung, dass die gesetzlichen Standards zum Teil so niedrig sind, dass sie Haltungsverfahren zulassen, die von Experten als nicht tiergerecht bemängelt werden. Für viele Bereiche fehlen eindeutige Regeln beispielsweise für das Platzangebot oder den Auslauf der Tiere. 

 

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