"Wer Liebt Der Schiebt" Mit der Vespa auf Dolce-Vita-Tour durch den Gäuboden

Seit Juli gibt es in Parkstetten Vespa-Touren durch den Gäuboden. Mal allein, mal zu zweit oder auch in einer großen Gruppe. Foto: Niklas Schubert

Zirpende Zikaden, flirrende Sommerhitze und knatternde Vespas: Für Dolce Vita müssen Urlauber nicht unbedingt bis nach Italien fahren. Seit Juli gibt es in Parkstetten im Landkreis Straubing-Bogen einen Vespa-Verleih. Wir haben mit dem Besitzer, Raphael Knespel, über Entschleunigung, die Liebe für das Schieben und seine Leidenschaft für alte Fahrzeuge gesprochen.

"Wer Liebt Der Schiebt" - so heißt Raphael Knespels Webseite, über die man seit diesem Jahr Touren mit alten, restaurierten Vespas buchen kann. Der 29-Jährige ist schon seit über zehn Jahren Fan der italienischen Roller. Seine Begeisterung will er jetzt auch mit anderen aus der Region teilen.

Herr Knespel, woher kommt Ihre Leidenschaft für Vespas?

Raphael Knespel: Mit 16 Jahren will man ja immer raus aus dem Elternhaus, man will ja weg. Aber mit dem Fahrrad ist das immer anstrengend. Ich hatte damals viele Freunde in Straubing und wenn man sich dann mal im Freibad trifft und immer hinradeln muss, dauert das sehr lange. Ich dachte mir, ich brauche ein cooles Gefährt, das mich da hinbringt. Und die Form der Vespa hat mich von Anfang an angesprochen. Die Vespa ist für mich - verglichen mit vielen Plastik-Rollern von heute – einfach ein Kunstwerk.

Wie sah denn Ihre erste Vespa aus?

Das ist eine Vespa V50 aus dem Jahr 1966. Die war leider mit eine Sprühdose lila überlackiert, aber mir hat sie gefallen (lacht). So richtig metallic-lila. Über die Jahre habe ich sie dann aber restauriert. Jetzt ist sie orange und man kann sie auch bei mir ausleihen.

Seit Juli bieten Sie in Parkstetten Vespa-Touren im Gäuboden an. Wie kamen Sie auf die Idee?

Das hat eigentlich schon mit 16 angefangen. Meine erste Vespa war total im Eimer. Ich hab sie zwei Monate lang gefahren und dann ging sie schon wieder nicht. Da habe ich dann angefangen zu schieben. Die Webseite von mir heißt ja auch „Wer Liebt Der Schiebt“. Den Namen hat meine Frau erfunden, weil sie mich früher nur vom Schieben und Schrauben kannte. Das ist aber mittlerweile nicht mehr so. Aber da hat es angefangen. Ich hab mir für 25 Euro ein Büchlein gekauft und damit begonnen, die Vespas selbst zu restaurieren.

Wie ging es weiter?

Über die Jahre sind dann immer mehr Vespas dazu gekommen und irgendwann wurde der Keller meiner Eltern zu voll. Und dann kam letztes Jahr unsere Tochter auf die Welt und ich war in Elternzeit und dachte mir, du musst was machen mit den ganzen Rollern. Das sind jetzt insgesamt zehn Stück. Und die habe ich während der Elternzeit nebenbei repariert. Und dann kam der erste Mail und dann haben wir mit dem Schwiegervater, mit dem Schwager, mit meinem Dad und meinem Bruder mit den Vespas so eine Männertour gemacht. Das hat ihnen sehr gefallen und sie meinten, wieso verleihst du die denn nicht, du hast ja so viele. 

Welche Touren bieten Sie den Vespa-Fahrern an?

Ich rede immer mit den Leuten, was sie sich so vorstellen. Zum Beispiel kann man so eine Stadttour durch Straubing und Bogen mit einem kleinen Picknick an der Donau machen. Die Jungs, mit denen ich schon unterwegs war, wollten lieber an die Donau, ein paar Steine schmeißen, alkoholfreies Bier trinken und danach in den Biergarten. 

Ich habe auch eine kleine Route erstellt, die ich den Kunden mitgebe. Es gibt so viele kleine geteerte Feldwege an der Donau entlang oder nach Bogen auf ein Eis und dann fährst von Bogen weiter nach Straubing. Das ist auch schon ne tolle Tour. Aber nicht über die Bundesstraße, sondern über die Feldwege, wo du dann die Arme ein wenig ausbreiten kannst und dir denkst, es ist ein bisschen wie in der Toskana, wenn man die Zikaden hört, das Feld gerade gemäht wird und die Heuballen herumliegen.

Was ist das Besondere an den Touren?

Jetzt während Corona wollen die Leute oft nicht so weit weg und stattdessen hier im Gäuboden etwas verweilen. Das Wetter war ja eh Bombe. Ich war die letzten fünf Jahren in München und dort wird alles immer schneller und hektischer. Auf so einer alten Vespa fährst du halt maximal 50 km/h oder 40 km/h, wenn du zu zweit drauf sitzt. Und daher kommt dann auch der Spruch „Wer langsamer fohd, werd länger gseng“.

Braucht man viel Erfahrung für einen Ausflug mit der Vespa?

Ich hatte schon 16-Jährige, die mit den Vespas gefahren sind und das super gemacht haben. Aber auch schon jemanden im Alter von 60 und da lief es auch super. Am Anfang gibt es von mir immer eine Fahreinweisung. Erst wenn der Fahrer und ich uns sicher sind, dann dürfen sie alleine losfahren.

Vespa-Ausflüge sind ja auch wetterabhängig. Wie lange geht die Saison bei Ihnen?

Sobald Salz auf der Straße liegt, wird nicht mehr Vespa gefahren. Das ist nämlich der Tod für jede Vespa. Im Herbst vielleicht noch ein wenig. Sobald es regnet, fahr ich nicht, da wird die Tour dann verschoben. Das sind halt kleine Schubkarrenreifen und wenn man als Anfänger – und die meisten sind ja Anfänger – damit in eine Kurve fährt, kann es sein, dass man mal wegrutscht.

Wenn Sie nicht gerade auf der Vespa sitzen oder welche verleihen, was machen Sie dann?

Ich bin Sales Manager bei einem Online-Reiseportal und arbeite inzwischen im Home Office. Ich finde das wirklich praktisch. Wir sind jetzt auch wieder nach Parkstetten gezogen. Das Leben dort hat eine andere Qualität - vor allem mit Kind. Man kann einfach mal auf einen Spielplatz gehen und sie, also unsere Tochter, auch mal draußen im Garten laufen lassen. In München hatten wir eine 45 Quadratmeter-Wohnung und zu dritt ist das dann schon eng. 

Ein Fazit der bisherigen Saison?

Das ist jetzt das erste Jahr und es läuft echt recht gut. Die meisten Anfragen kommen tatsächlich über Instagram. Die meisten Interessenten sind so zwischen 25 und 35 Jahre alt. Meistens sind es auch Pärchen. Zweimal war es schon so, dass ein Mädel ihrem Mann eine Tour zum 30. Geburtstag geschenkt hat. So eine Vespa-Tour hat schon etwas Romantisches, wenn du das mit einem Picknick verbindest. Irgendwie ist das aber auch grotesk: Das Teil ist laut, es stinkt und es ist überhaupt nicht mehr zeitgemäß, aber trotzdem freuen sich die Leute, wenn sie eine Vespa sehen.

Die Vespa-Vermietung von Raphael Knespel findet in Parkstetten statt. Mehr Infos zu den Touren und Preisen gibt es auf der Webseite "Wer Liebt Der Schiebt".

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