Straubing

Grüne wollen zweite Eisfläche voranbringen


Feride Niedermeier mit ihren Stadtrats-Fraktionskollegen Wolfgang Steinbach und Erhard Grundl (rechts) im EHC-Stadion.

Feride Niedermeier mit ihren Stadtrats-Fraktionskollegen Wolfgang Steinbach und Erhard Grundl (rechts) im EHC-Stadion.

Von Redaktion idowa

Bringt der Aufwind für die Grünen in Straubing eine zweite Eisfläche? Anscheinend will die Partei das Thema für die Kommunalwahl in Stellung bringen. Die Stadt verweist in Bezug auf die Eisfläche auf alte Beschlüsse und aktuelle Projekte - bleibt mit konkreten Zusagen aber sparsam.

In einer Pressemitteilung erklärt Grünen-Fraktionschefin Feride Niedermeier, dass der Straubinger Stadtrat bereits 2016 entschieden habe, die zweite Eisfläche zu bauen. Es fehle aber "der Mut zur Umsetzung". Auf Nachfrage von idowa konkretisiert sie: "Es scheitert am Engagement der aktuellen Gestaltungsmehrheit im Stadtrat für das Thema", Der Eishockey-Standort Straubing und der EHC-Nachwuchs bräuchten eine zweite Eisfläche. Der Straubinger Eishockey habe eine "unvergleichbare integrative Kraft" und verbinde Menschen jeden Alters, Geschlechts und sozialen Hintergrunds.

Grüne priorisieren Integration und Teilhabe

Bereits vor der Stadtrats-Entscheidung vom 9. Mai 2016 hatte es Bedenken gegeben: Die Eisfläche müsste in einem Teil des Alfred-Dick-Parks entstehen, der unter Naturschutz steht. Eine sehr 'un-grüne' Forderung also? Niedermeier hierzu: "Stimmt, es ist seltsam, dass anscheinend nur wir Grünen uns so für den Sport und seine Förderung in Straubing einsetzen." Gerade im Sportbereich müsse man aber zwischen Umweltschutz-Interessen und solchen der Integration und gesellschaftlichen Teilhabe abwägen - zweiteres würden die Straubinger Grünen in diesem Fall priorisieren. "Grundsätzlich muss am Energieverbrauch natürlich gearbeitet werden", so die Fraktionsvorsitzende weiter. Das komme aber mit der energetischen Sanierung, die derzeit läuft.

Stadt Straubing investiert Fördermittel des Bundes

Johannes Burgmayer, Pressesprecher der Stadt Straubing, verweist auf idowa-Anfrage zunächst auf den Beschluss des Stadtrats von 2016 und widerspricht Niedermeiers Darstellung: Es sei mitnichten der 'Bau der zweiten Eisfläche' beschlossen worden. "Beschlossen wurde nur, dass sich die Stadt mit 250.000 Euro jährlich über einen Zeitraum von 20 Jahren an der Finanzierung der Eisfläche beteiligen würde - und dass ein Bau theoretisch umsetzbar wäre", so Burgmayer. Mit dem Beschluss sei aber auch klargestellt worden, "dass die Realisierung eines solchen Projekts nur unter Beteiligung mehrerer Partner vorstellbar ist."

Aktuell führe die Stadt Straubing eine energetische Sanierung des Eisstadions durch, die voraussichtlich noch 2020 abgeschlossen sein werde. "Anschließend wird mit dem Anbau eines Kabinentrakts begonnen, der insbesondere der Nachwuchsförderung zugutekommt." Die Planungen hierfür sollen dieses Jahr starten. Im Frühjahr 2021 will man mit dem Bau beginnen, im Herbst 2022 soll der Kabinentrakt stehen.

Keine Sponsoren in Sicht

Für diese beiden Projekte seien Anträge für Fördermittel des Bundes in Höhe von 4,7 Millionen Euro bewilligt worden. Auch für die zweite Eisfläche? Burgmayer hierzu: "Die Planungen sind so angelegt, dass sie die Möglichkeit für weitere Entwicklungen bieten." Eine tragfähige Lösung für die Finanzierung der Eisfläche sei momentan allerdings nicht in Sicht, man habe bisher keinen Partner oder Sponsor gefunden.

Zur Frage der Finanzierung der Eisfläche sagt Feride Niedermeier gegenüber idowa, das jahrelange Warten habe die Kosten für Baugrund, Material und Sponsoren natürlich in die Höhe getrieben. Bei einem klaren Bau-Beschluss samt Zeitplan werde man sich jedoch gemeinsam mit den anderen Parteien im Stadtrat dafür einsetzen, auch für die zweite Eisfläche staatliche Zuschüsse zu bekommen. Aber, so die Grünen-Chefin weiter: "Wenn sie es nicht wollen, dann sollen sie es sagen."

Das Thema "Zweite Eisfläche" stand seit 2016 immer wieder auf der Agenda der Straubinger Lokalpolitik, wie ein Blick ins idowa-Archiv zeigt. Eine Chronik:

  • 4. Mai 2016, fünf Tage vor der Abstimmung im Stadtrat: Josef Unterholzner berichtet im Straubinger Tagblatt, die Chancen für ein "Ja" stünden gut. Burgmayer, damals noch Kulturamtsleiter, weist darauf hin, dass die Pläne "ein großer Eingriff in ein naturschutzrechtlich bedeutendes Gebiet" seien. Die Zustimmung der Stadt erfolge nur deshalb, weil die Förderung des Breiten- und Nachwuchssports von hohem öffentlichen Interesse sei. Laut Beschlussvorschlag heißt es, man wolle einem möglichen Investor und Betreiber der zweiten Eisfläche für die Dauer von 20 Jahren einen jährlichen Betrag von 250.000 Euro zur Deckung der Investitions- und Betriebskosten zur Verfügung zu stellen. OB Pannermayr (CSU) bezeichnete die Entscheidung als "nicht leicht, aber überfällig". Man wolle einen "soliden Investor" finden, "der nicht eines Tages pleite ist", so dass der Bau dann doch bei der Stadt lande. Erhard Grundl (Grüne) macht die Mitglieder des Hauptausschusses auf die Möglichkeit einer "Synthetischen Eisfläche" aufmerksam, welche ohne Kältetechnik, ohne Strom und ohne Wasser auskäme.
  • 7. Mai 2016, zwei Tage vor der Abstimmung: Wolfgang Engel kommentiert im Straubinger Tagblatt die bevorstehende Entscheidung: "Im Grunde also alles ganz einfach, und zwar schon seit 2012. Und weil alles so einfach ist, kommt schon nach vier kurzen Jahren voller bewegtem Garnichts endlich etwas ins Spiel: ein erster Schritt nämlich."
  • 9. Mai 2016: Ein Donau-TV-Bericht gibt das Abstimmungsergebnis bekannt: 28 zu 11 Stimmen für den Bau der zweiten Eisfläche. Auch die Grünen Stimmen mit "Ja", SPD und ÖDP votieren dagegen und nennen den finanziellen Aufwand sowie den ökologischen Schaden als Gründe. OB Pannermayr sagt, jetzt sei der Landkreis an der Reihe, zu sagen, wie eine Kooperation aussehen könnte. Die Rede ist von einem "langen Weg", der noch zu gehen sei.
  • 10. Mai 2016: Jakob Dreher schreibt im Straubinger Tagblatt, Landrat Josef Laumer fühle sich durch die Entscheidung des Stadtrats "unter Druck gesetzt". Zum einen gehe es im Kreistag - wie im Stadtrat - nach der Mehrheit, zum anderen liege noch nicht einmal ein Antrag der Stadt oder der Investorengruppe für eine Mitfinanzierung vor. Grundsätzlich aber wäre diese Investition eine freiwillige Leistung des Landkreises und keine Pflichtaufgabe. Warum er mit einer Investitionssumme von einer Million Euro in Verbindung gebracht wurde, konnte er sich laut Artikel nicht erklären.
  • 7. September 2016: Laut einem Bericht von Donau-TV gilt es mittlerweile als sicher, dass Stadt und Landkreis den Bau der zweiten Eisfläche finanziell nicht werden stemmen können. Die Eishockey-Saison beginnt, die Tigers-Halle ist überlastet und der Bedarf nach einer Ausweich-Fläche wird deutlich. Die Tigers und die Stadt Straubing erklären, dass ein Investor für die zweite Eisfläche gefunden sei, der die Finanzierung möglich machen soll. Genaueres ist zunächst nicht bekannt, die Rede ist von "starken Unternehmen aus der Region, die dem Eishockey-Sport nahe stehen".
  • 16. November 2017: Sport-Verwaltungsrat Peter Ries (CSU) erklärt in einem Interview mit dem Straubinger Tagblatt, die zweite Eisfläche sei "immer noch Thema". Jedoch sei die "Beteiligung des Landkreises" dafür Voraussetzung.
  • 4. August 2018: In einem Interview mit idowa-Sportredakteur Fabian Roßmann sagt Thomas Groß, Sportlicher Beirat beim EHC Straubing, man könne durch eine große Anzahl an Trainern "das Fehlen einer zweiten Eisfläche mit Doppelbelegungen kompensieren." Ein Problem sei aber nach wie vor die Infrastruktur im Eisstadion am Pulverturm: Neben der zweiten Eisfläche mangle es auch an Kabinen.
  • 19. November 2018: DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke sagt im Interview mit Bastian Häns auf idowa.de: "Über kurz oder lang braucht man eine zweite Eisfläche, um eine gute Nachwuchsarbeit zu machen. Von nichts kommt nichts."
  • 30. Oktober 2019: Ein Tigers-Eisstadion der "Miniatur-Wunderwelt" im Maßstab 1 zu 87 wird in einem Artikel des Straubinger Tagblatts von Christoph Urban scherzhaft als "Zweite Eisfläche" bezeichnet.