Idowa-Adventskalender (20) Frauenpower gegen die „vermannte“ Feuerwehr

Lena Schlehuber hat kürzlich den Lehrgang zur "Gruppenführerin" erfolgreich abgelegt. Dass beim Outfit noch das "-in" fehlt, nimmt die 25-Jährige ganz gelassen: "Das ist mir egal." Foto: Daniel Königsberger

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Frauen und Feuerwehr - das will in Bayern nicht recht zusammenpassen. Johanna Ludewig, Sprecherin vom Landesfeuerwehrverband (LFV), hat die Zahlen zur Misere: "Aktuell haben wir bei den Freiwilligen Feuerwehren einen Frauenanteil von zehn Prozent." Lena Schlehuber nennt das Phänomen scherzhaft die "vermannte Feuerwehr". Die 25-Jährige lässt sich vom Männerüberschuss nicht schrecken, wie unser Autor Dominic Casdorf in seinem Artikel aufzeigt. Im Video erzählt er von der Recherche.

Seit 2013 bereits ist Schlehuber bei der Freiwilligen Feuerwehr Eitlbrunn (Landkreis Regensburg) aktiv und ein Paradebeispiel, dass sich Mädchen und Frauen durchaus für die Feuerwehr begeistern - und ebendort Karriere machen können.

"Es ist toll, wenn man anderen helfen kann", beschreibt Schlehuber ihre Motivation. Um im Notfall professionell agieren, Notlagen meistern und Leben retten zu können, hat sie in den letzten Jahren nicht nur Erfahrung, sondern auch reichlich "Know-how" angehäuft. Erst die Ausbildung zur Jugendwartin, später zur Atemschutzträgerin, dann zur Maschinistin. In diesem Sommer nun packte sie an der Staatlichen Feuerwehrschule Regensburg noch den erfolgreichen Abschluss im Lehrgang zur "Gruppenführerin" drauf.

"Feuerwehr ist kein Ehrenamt nur für Männer"

Ihre Feuertaufe in neuer Rolle hat Lena Schlehuber bestanden. Nur wenige Tage nach Lehrgangsende war die frischgebackene Gruppenführerin schon gefordert. Wegen eines Zimmerbrands waren die Eitlbrunner Retter in den Nachbarort Steinsberg gerufen worden. Natürlich habe sie bei der Premiere als Verantwortliche Nervosität verspürt, gesteht Lena. Doch die Koordination ihres Einsatzteams, die Organisation mit Anfahrt im TSF (Tragkraftspritzenfahrzeug) zum Unglücksort klappten an jenem Morgen reibungslos. Die Abläufe bei einer Alarmierung sind halt in Fleisch und Blut übergegangen. "Man funktioniert einfach", erklärt sie. Am Rande sei erwähnt: Die Premiere als Verantwortliche endete unspektakulär: Der vermeintliche Zimmerbrand entpuppte sich nämlich nur als verkohltes Essen, das Team aus Eitlbrunn wurde an jenem Morgen nicht für Löscharbeiten benötigt. Dennoch, nach der insgesamt geglückten Premiere war für die neue Führungskraft der obligatorische Einstand fällig. "Ich habe einen Kasten Bier gezahlt", schmunzelt sie.

Hauptberuflich arbeitet die 25-Jährige als Kinderpflegerin, im Privaten spielt die Feuerwehr die Hauptrolle. Da passt es ziemlich gut, dass ihr Freund Fabian (19) ebenfalls bei den Floriansjüngern engagiert ist. In der Hierarchie ihrer Heimatfeuerwehr ist Lena Schlehuber aufgerückt, das Missverhältnis der Geschlechter ist aber auch hier offensichtlich: 32 aktiven Feuerwehrmännern stehen aktuell nur drei Frauen gegenüber. Akzeptanzprobleme resultieren daraus aber keineswegs."Dass ich eine Frau bin, war nie ein Problem", betont sie. Wichtig sei vielmehr, "dass man Ahnung hat, was man tut. Es geht um Leistung."

Gleichwohl würde sie sich wünschen, dass künftig mehr Mädchen und Frauen den Weg zur Feuerwehr finden. LFV-Sprecherin Johanna Ludewig erklärt den Frauenmangel bei den Freistaat-Feuerwehren: "Das hat verschiedenste Gründe. Viele Frauen trauen sich vielleicht gar nicht einer Freiwilligen Feuerwehr beizutreten, weil das Bewusstsein noch nicht soweit da ist, dass Frauen auch in diesem Ehrenamt gut aufgehoben sind. Es sind aber auch oft örtliche Probleme, wie etwa, dass ein Feuerwehrhaus über keine entsprechenden Wasch- und Umkleideräume verfüg." Des Weiteren sei das Thema Kinder ein Faktor. Ludewig: "Viele Frauen, die bei der Freiwilligen Feuerwehr waren und Kinder bekommen haben, sehen aufgrund der hohen zeitlichen Belastung keine Möglichkeit mehr, das Ehrenamt weiter auszuführen."

2015 hat der Landesfeuerwehrverband Bayern die Kampagne "Frauen zur Feuerwehr" gestartet. Zarte Erfolge gibt es seitdem zu vermelden. Laut jüngster Zahlen, konnte der Frauenanteil im aktiven Dienst bayernweit von acht auf zehn Prozent (31.408 Feuerwehrfrauen) gesteigert werden. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Mehr allerdings (noch) nicht. Ludewig bestätigt: "Es ist noch Luft nach oben, aber wenn sich die Zahlen so weiterentwickeln, sind wir sehr zufrieden. Wir freuen uns über jede Frau, die einer Freiwilligen Feuerwehr beitritt und zeigt, dass Feuerwehr kein Ehrenamt nur für Männer ist."

Lena Schlehuber will in Sachen Qualifikation weiter nachlegen. Den Lehrgang "Chemikalienschutzanzug" (CSA) hat sie als nächtes in den Blick genommen. Wenn sie ihn mit Erfolg absolviert, kann sie zum Beispiel bei einem ABC-Alarm, beim Austritt von giftigen Dämpfen oder gefährlichen Gasen, eingesetzt werden.

Und wie sieht es mit den weiteren Aufstiegschancen aus? Die aktuelle Position als Gruppenführerin ist für die 25-Jährige vermutlich nicht das Ende der Fahnenstange. Bei der FFW Eitlbrunn stehen demnächst Neuwahlen an, Führungspositionen werden vergeben. Ob sie gar eines Tages in die Fußstapfen ihres Onkels tritt, der als Feuerwehrkommandantin Eitlbrunn seit gut einem Vierteljahrhundert das Zepter schwingt, daran mag die Feuerwehrfrau Lena Schlehuber nicht denken. "Dafür", sagt sie, "ist es viel zu früh."

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