Wegen Corona Kampf der Giganten: der Streit zwischen Streaming und Kino flammt wieder auf

 Foto: Disney

Ende 2019 sah es fast so aus, als ob es eine Art Waffenstillstand zwischen Streamingdiensten und Kinobetreibern geben würde.  In diesem Frühjahr hat sich das kräftig geändert.

Das Internet macht einfach alles kaputt! Zuerst waren es die Tonträger, dann mussten sich die Fernsehsender damit arrangieren und jetzt ist vielleicht das Kino dran. Das ist zumindest die große Gefahr, die Kinobetreiber am Horizont heraufziehen sehen.

Der Hintergrund

Seit einigen Jahren zehren nämlich Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime an den Einnahmen der Kinokassen. Verschärft hat sich die Lage noch einmal, seit auch Firmen wie Disney ins lukrative Streaminggeschäft eingestiegen sind. Die produzieren nämlich genau die Filme, die an den Kinokassen für das große Geld sorgen. Trotzdem schien es im vergangenen Jahr so etwas wie einen Waffenstillstand zu geben. Außerdem, so die Hoffnung der Kinobetreiber: Das Spektakel, das ein Film wie „The Avengers“ im Kino bietet, kann kein Abend vor dem heimischen Fernseher aufwiegen – mag der auch noch so groß sein. „Wir haben unser Angebot kräftig erweitert“, sagt Michael Wohlgemuth, der das Kinopolis-Kino in Landshut betreibt. Neben Blockbustern gebe es auch immer Platz für kleinere Produktionen. Außerdem zeige man Opernaufführungen und Theaterstücke, etwa von der Metropolitan Opera in New York, die immer für ein volles Haus sorgen.

Und Sandra Lehmann, Geschäftsführerin des Citydom-Kinos in Straubing, weiß, dass das Kino für Filmproduktionen die größte Marketingplattform ist. „Im Kino entstehen die Bilder, die um die Welt gehen und einen Film bekannt machen.“ Problematisch wird die Sache also nur, wenn die Kinosäle leer bleiben.

Kinokiller Corona?

Dafür sorgte im Frühjahr 2020 das Coronavirus. Kinos in der ganzen Welt mussten schließen und eine Filmproduktion nach der anderen wurde auf Eis gelegt. Zeitgleich stiegen die Umsätze der Streamingdienste und die Konflikte zwischen Kinobetreibern, Produktionsfirmen und Streamingdiensten brachen wieder aus.

Bestes Beispiel dafür ist der Film „Trolls World Tour“ der Firma Universal. Da dieser nur in wenigen Kinos laufen konnte, entschloss sich die Firma spontan, ihn gleichzeitig als Download und Stream anzubieten – für saftige 20 Dollar pro Abruf. Trotz des Preises wurde der Film ein Riesenerfolg für Universal. Was der Chef der Firma, Jeff Shell, mit der Aussage kommentierte, dass man sich durchaus vorstellen könnte, auch zukünftig Filme zeitgleich im Kino und als Download anzubieten. Eine Kampfansage für die Kinobetreiber, die von den 150 Millionen Dollar, die die Downloads machten, nichts zu sehen bekamen.

Dazu muss man wissen, dass Universal nicht irgendein Studio ist, sondern mit Sony, Warner Brothers und Disney zu den vier größten Filmstudios der Welt gehört. Und natürlich schauen die anderen großen Hersteller genau hin, was die Konkurrenz macht.

„Tenet“ gegen „Mulan“

Mehr noch als bei der Konkurrenz folgen die Filmveröffentlichungen des Walt Disney Studios einem ausgeklügelten Zeitplan. Der kam durch Corona gehörig durcheinander. Disneys Lösung: Mehrere Filme wanderten exklusiv auf den Streamingdienst Disney+. Wichtigster Film dabei war Mulan: Um den Film aktuell auf Disney+ zu sehen, müssen Abonnenten 20 Euro extra zahlen. Sandra Lehmann vom Citydom kommentiert diese Entscheidung diplomatisch. „Es ist verständlich, dass die Studios diese Zeit nutzen, um unterschiedliche Unternehmensstrategien auszutesten. Letztlich wird sich im Einspielergebnis zeigen, ob es eine gute Entscheidung war.“

Dafür machte Warner Brothers einen Schritt in die andere Richtung. Nach dem Wunsch von Regisseur Christopher Nolan sollte der Film „Tenet“ ins Kino kommen – egal, wie lang man dafür warten müsste. Warners Marketing-Abteilung reagierte prompt. „Tenet“ wurde zur Rettung des Kinos stilisiert. Und: Anstatt den Film weltweit am selben Tag zu veröffentlichen, startet er zu unterschiedlichen Zeiten, je nach Lockdown-Lage des entsprechenden Landes.

Rettung dank Warner Brothers?

Für die Kinos scheint sich diese Strategie auszuzahlen. Im Kinopolis in Landshut belegte der Film am Startwochenende acht Säle, im Citydom in Straubing ist er hinter „After Truth“ der zweiterfolgreichste Film seit Beginn der Corona-Krise. Für Michael Wohlgemuth und Sandra Lehmann ist „Tenet“ der perfekte Film für den Neustart. Nicht nur, weil seine Bilder tatsächlich nur im Kino am besten wirken, sondern auch, weil die Kinobesitzer mit dem Film zeigen können, dass sie für Corona gewappnet sind. Sicherheitsbeschränkungen und Lüftungsanlagen machen den Kinoabend zu einem sicheren Vergnügen. Jetzt warten alle Beteiligten darauf, wie die endgültigen Einspielergebnisse von „Tenet“ und „Mulan“ aussehen werden.

Michael Wohlgemuth freut sich vor allem auf „James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“, der die Säle – wie Corona es eben zulässt – füllen dürfte. Ansonsten will er sein Kino weiter so vielseitig betreiben wie bisher. Vor allem Produktionen aus Deutschland darf man laut Wohlgemuth nämlich nicht unterschätzen. „Gerade die Rita-Falk-Verfilmungen laufen bei uns hervorragend“, sagt er. Interessant wird deshalb auch, wie sich der Film „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ schlägt. Bei der Produktion sind unter anderem Michael Bully Herbig und Hape Kerkeling mit dabei.

Hier stellen wir die wichtigsten Filme vor, die in diesem Jahr noch an den Start gehen! 

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