Wallersdorf Entscheidung Fachmarktzentrum: Alles oder nichts

Deutlich spürbarer ist eine andere Veränderung: Mit einem Mal ist Wallersdorf für Investoren interessant. Einer hat beispielsweise Großes mit dem freien Grundstück im Gewerbepark Nord vor, sagt Bürgermeister Hirschbichler. „Der Investor hat gesagt: ,Ich mache Euch ein Paket mit Tankstelle, auch für Elektrofahrzeuge. Ein Aldi, ein Drogeriemarkt und ein Fast-Fooder sollen außerdem dabei sein. Aber das mach ich Euch halt nur im Paket.’“ Begründung: Es solle sich ja rechnen. „Die erhoffen sich natürlich Frequenzen aus der BMW, beispielsweise beim Schichtwechsel.“

Heißt aber auch: Der Marktgemeinderat kann zu diesem Vorschlag nur „Ja“ oder „Nein“ sagen – entweder so oder gar nicht. Wann diese Entscheidung fällt, konnte Hirschbichler idowa gegenüber nicht sagen. Auch darüber, ob mögliche andere Bewerber für die Erweiterung des Gewerbeparks Nord in Betracht kommen, wollte Hirschbichler keine Angaben machen. Aus den vergangenen Besprechungs- und Beratungsterminen drangen zuweilen widersprüchliche Informationen nach draußen. Fest steht wohl: Aus dem langgehegten Wunsch der Gemeinde nach einem Drogeriemarkt ist unvermittelt ein ganzes Fachmarktzentrum geworden. Eins auf der grünen Wiese, abgekoppelt vom Ortskern, vom Typ, wie er bereits in zahlreichen ostbayerischen Gemeinden zu finden ist.

Gegen das Projekt gab es vor allem aus den Reihen des Wallersdorfer Gewerbevereins Gegenwind. „Ein Gewerbegebiet so weit außerhalb des Dorfes zu machen, halten wir für sehr bedenklich“, sagt Gerhard Nachtmann, der Vorsitzende des Gewerbevereins im Interview mit idowa. Rund ein Drittel der Mitglieder lehne das Fachmarktzentrum ab: „Es gibt Ängste, dass der Ortskern verödet. Nach dem Brand bei Füessl letztes Jahr ist ein wichtiger Besuchermagnet in Wallersdorf weggefallen. Auf der anderen Seite soll draußen vor dem Ort eine Art Subzentrum geschaffen werden, das womöglich dann in Konkurrenz zum Ortskern tritt.“

Die Gefahr, dass Wallersdorf verödet, hatte auch der Bürgermeister gesehen. Allerdings für den Fall, dass die Neuansiedlung im Gewerbepark Nord nicht die Zustimmung des Marktrates bekommt: „Wenn wir uns dagegen entscheiden, ist die große Gefahr, dass wir dann halt gar nichts kriegen und dass wir ausbluten wie alle anderen Märkte. Die Leute fahren dann zum Einkaufen weiterhin nach Plattling und nach Landau und wir haben dann halt nichts. Das Problem haben alle Kommunen: Wenn überhaupt, dann siedeln sich die Vollsortimenter am Ortsrand an.“

Über die Entscheidung im Marktgemeinderat wollte Ottmar Hirschbichler im Vorfeld nicht spekulieren: „Die Stimmung in der Bevölkerung ist aber ziemlich eindeutig. Ich habe bei Marktrundfahrten, wenn der Bus an dem Gelände vorbeikam, immer gefragt: ‚Wer wäre dafür, dass wir das hier ansiedeln?’ Da gab es immer 95 Prozent Zustimmung und die Aussage: ‚Schau, dass Du das herbringst.’“

Wallersdorf steht vor einer Weichenstellung – vor der Entscheidung, was die Marktgemeinde in Zukunft sein und darstellen will. Gilt es, einen malerischen Ortskern zu erhalten oder das Spiel der Großen mitzuspielen? Zu verlieren gibt es bei beiden Varianten genug.

 
 

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