Vortrag beim "Lehrermedientag 2020": "Social Media Update 2020/2021"

Digitaltrainer und Medienpädagoge Daniel Wolff Foto: Daniel Wolff

Daniel Wolff ist Referent beim digitalen Lehrermedientag am 18. November. Der Titel seines Vortrags lautet "Social Media Update 2020/21". Er möchte Lehrkräften damit einen Einblick in die digitalen Lebenswelten ihrer Schüler geben. Daniel Wolff war IT-Journalist für ein Computermagazin und US-Korrespondent im Silicon Valley/Kalifornien, bevor er sich als Gymnasiallehrer und Uni-Dozent an der LMU München vor allem für die Medienbildung einsetzte.  Heute arbeitet er als Digitaltrainer und Medienpädagoge an Grund- und weiterführenden Schulen in Bayern.

Wir haben ihm in einem Kurz-Interview drei Fragen gestellt: 

Worum geht es in ihrem Vortrag „Social Media Update 2020/2021“?

Daniel Wolff: TikTok, YouTube und Fortnite rund um die Uhr: Es geht vor allem darum, wie stark die private Internetnutzung heute die Lebenswelt fast aller Schülerinnen und Schüler beeinflusst. Viele Kinder und Jugendliche verbringen heute täglich mehr Zeit im Internet als in der Schule – und das Coronavirus hat diese Entwicklung sogar noch beschleunigt. Das bedeutet auch, dass das Internet inzwischen viele Kinder stärker beeinflusst als die Schule! Aber wir Erwachsenen (egal ob Lehrer oder Eltern) haben in diese Welt oft viel zu wenig Einblick, so dass wir unsere Kinder hier weder sinnvoll vorbereiten geschweige denn kompetent begleiten können. Ich möchte deshalb die Tür für beide Seiten öffnen und Kinder und Erwachsene in den Dialog bringen – ohne Angst, aber mit viel Humor! :)

Warum sollten sich Lehrer mit den digitalen Lebenswelten ihrer Schüler auseinandersetzen?

Daniel Wolff: Die sozialen Medien haben das Miteinander in allen Schulen in den letzten Jahren völlig verändert: Sie haben heute einen 24-Stunden-Schultag, unterteilt in sechs Stunden in der Schule – und 18 Stunden auf Whatsapp! Allein schon weil über die Hälfte der Schüler an weiterführenden Schulen ihr Smartphone mit ins Bett nehmen darf (und es dort auch gerne nutzt….), bekommen viele Kinder und Jugendliche zu wenig Schlaf, um sich am nächsten Tag zum Beispiel auf Polynomdivisionen konzentrieren zu können. Und wenn dann im Klassen-Chat einer 6. Klasse erst einmal Hitler-Witze, Horror-Videos oder gar Kinderpornos auftauchen, sollten Lehrer am besten schon vorher wissen, wie man darauf angemessen reagieren kann – auch und gerade im Dialog mit den Eltern. Andersherum betrachtet können wir auch die enormen Vorteile und Chancen der Digitalisierung nur dann nutzen, wenn wir sie (er)kennen….

Wie schafft man es als Lehrer in Sachen Internet „up to date“ zu bleiben?

Daniel Wolff: Lehrkräfte haben Glück, denn sie haben täglich die beste Quelle dazu direkt vor sich: Die Schüler! Wenn diese das Gefühl haben, dass ihnen die Lehrkräfte freundlich und aufgeschlossen gegenübertreten, so dass man ihnen vertrauen kann, erzählen sie gerne alles aus ihrem digitalen Leben! Leider bleibt für digitale Medienbildung im heutigen Schulalltag (und bei den aktuellen Lehrplänen) oft viel zu wenig Zeit, weswegen ich ganz vehement für ein neues Schulfach namens „Digitalität“ oder „Digitalkunde“ plädiere – welches man im Übrigen auch digital unterrichten sollte, denn Google und Facebook agieren viel zu schnell für gedruckte Schulbücher. Aber bis es hoffentlich eines Tages soweit ist, würde ich mich freuen, wenn sich mehr Lehrkräfte aus der Deckung trauen und digitale Medienbildung als wichtiges, spannendes und ungemein lohnenswertes Thema erkennen. Packen wir’s an!

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