Vorschlag des BFV Wie geht es weiter im bayerischen Amateurfußball?

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Der Amateurfußball soll bis einschließlich August pausieren und ab September die aktuelle Saison zu Ende spielen. Diesen Vorschlag unterbreitet der BFV-Vorstand den Vereinen.

Wie geht es weiter im Amateurfußball? Kann die aktuell laufende Saison trotz der Coronakrise überhaupt noch zu Ende gespielt werden? Das sind die drängendsten Fragen, die sich viele Verantwortliche der bayerischen Amateurclubs zuletzt gestellt haben. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) versucht nun, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Der Vorstand des Verbandes unterbreitet den Vereinen einen Vorschlag, der in aller Kürze heißt: Der Spielbetrieb wird bis einschließlich August ausgesetzt, die aktuelle Saison soll dann – wenn möglich und vertretbar – ab September zu Ende gespielt werden. Die Regelung würde für den Erwachsenenbereich bei den Herren und Damen ab der Bayernliga abwärts gelten.

Für ihren Vorschlag warben Vertreter der Verbandes am Freitagmittag in einer virtuellen Presserunde. "Wir haben uns unterschiedlichste Meinungen angehört", führte BFV-Geschäftsführer Jürgen Igelspacher aus. Welche Meinung die einzelnen Vereine vertreten, "hängt oft vom aktuellen Tabellenbild ab." Für den Verband sei klar, dass man einen Weg einschlagen will, der "so fair wie möglich" ist. Verbandspräsident Dr. Rainer Koch meinte: "Wir wollen keine Entscheidungen am grünen Tisch, sondern einen fairen Wettbewerb auf dem Rasen." Diskutiert wurden dabei letztlich zwei Szenarien. Zum einen ein Abbruch und damit die Annulierung der Saison. Zum anderen die Fortführung der Spielzeit ab September.

Abwägungssache

Die BFV-Vertreter präsentierten ihre Überlegungen sowie ein Für und Wider zu den jeweiligen Szenarien (siehe unten). Mit der Quintessenz, dass für den Vorstand deutlich mehr für die Fortführung ab September spricht. "Bei einem Abbruch wären die sportlichen Fragen ungeklärt, Streit unter den Vereinen wäre vorhersehbar", sagte Igelspacher. Zudem befürchtet man beim Verband dann etliche Klagen. Für die Fortführung ab September sprechen zum Beispiel der Fairnessgedanke sowie die Flexibilität der Lösung, sollte die Corona-Pandemie zu einer längeren oder weiteren Unterbrechung führen. Würde die aktuelle Saison abgebrochen werden, sei keineswegs sicher, dass die Saison 2020/21 geplant stattfinden könne. "Im schlimmsten Fall zerschießt man sich zwei Spielzeiten", sagte Präsident Dr. Rainer Koch.

Der Verband hat sich nach Auskunft Kochs von verschiedenen Seiten beraten lassen. "Es gibt niemanden, der sagt, dass es schnell wieder möglich sein wird, Fußball zu spielen", so der Präsident. Entsprechend habe man es mit einer großen Unsicherheit zu tun. Die Vereine hätten aber den großen Wunsch nach Klarheit und Sicherheit. Das habe auch eine repräsentative Umfrage des BFV zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut SLC Management ergeben. Diese Klarheit strebt der Verband nun an.

Das Stimmungsbild bei der SLC-Umfrage habe zudem ergeben, dass knapp drei Viertel (74,3 Prozent) der Befragten die Gründe, die gegen einen Abbruch der aktuellen Saison sprechen, bekannt sind. Auf die Frage, ob man den Vorschlag, bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs die aktuelle Saison fortzuführen, unterstütze, antworteten demnach 67,2 Prozent mit "Ja".

Vorschlag bringt Flexibilität

Mit der favorisierten Lösung bekäme der Verband auch etwas Zeit und Flexibilität. Denn man kann laut Koch nicht gesichert davon ausgehen, dass man ab September wieder spielen kann. Sollte das nicht gehen, könnte man flexibel reagieren und den Start weiter hinauszögern. Je nachdem, wie die aktuelle Saison zu Ende gebracht werden könnte, würde man sich dann überlegen, wie es mit der Saison 2020/21 aussieht. "Wir wären aber in der Lage, eine Saison sportlich zu Ende zu bringen", sagte Koch. Sollte in diesem Jahr gar kein Amateurfußball mehr möglich sein, könne die Saison 2020/21 auch ausfallen. Und sollte schon vor September wieder gespielt werden können? Koch hält das nur für eine "theoretische Möglichkeit", der gegenüber die Planungssicherheit für die Vereine als wichtiger anzusehen sei.

Wie geht es nun weiter? Bis einschließlich Sonntagabend (18 Uhr) soll ein Meinungsbild unter den Vereinen zu dieser Idee eingeholt werden. Jeder Verein hat dabei eine Stimme. Wenn die Vereine mehrheitlich dafür sind, wird vermutlich am Mittwoch bei einer Vorstandssitzung eine Entscheidung getroffen. Und wenn sie den Vorschlag ablehnen? Dann wird es zu einem außerordentlichen Verbandstag kommen. Auch aus Haftungsgründen ist laut Koch "keiner bereit, eine Abbruchentscheidung zu treffen." Zudem sagte Koch: "Es gibt keine optimale Lösung, aber für uns ist das die beste."

Die Argumentation des BFV im Überblick:

Saisonabbruch und Annulierung:

PRO

  • rasch Klarheit zu Terminen

  • klare Regelung zu Vereinswechseln

  • Altersklassen-Übergang definiert

  • Lange Vorlaufphase zur neuen Saison

CONTRA

  • Sportliche Fragen ungeklärt

  • Aufstieg/Abstieg

  • Zufriedenheit der Vereine hängt von Tabelle ab

  • Streit der Vereine untereinander vorhersehbar

  • Übervolle Ligen bei nur Aufsteiger; mehr Termine in ungewisser Zeit

  • möglicherweise zwei Spielzeiten betroffen

  • unter Umsätnden Rückvergütung von Sponsorengeldern

  • Klagen sind zu erwarten; zum Teil angedroht

  • Dauer der gerichtlichen Eintscheidungen; unter Umständen unterschiedliche Urteile

  • Haftungsrisiko des Verbandes

Fortsetzung der aktuellen Saison ab September

PRO

  • Planungssicherheit über längeren Zeitraum

  • Sportliche Entscheidungen werden auf dem Spielfeld getroffen

  • Keine Streitigkeiten vor Gericht oder zwischen Vereinen

  • Flexible Lösung, falls wegen Pandemie nochmal unterbrochen wird

  • Keine Folgesaison mit erhöhten Mannschaftszahlen

  • Zumindest eine Saison wird sportlich beendet

  • Zuschauereinnahmen fließen

CONTRA

  • Saisonfinale im Herbst

  • Sommer traditionell viel Bewegung im Kader

  • Neue Regularien müssen in Kraft gesetzt werden/Saisonende,...

  • Vereinswechsel, Altersgruppen Junioren/Juniorinnen,...

  • Ungewissheit zum Ablauf Saison 2020/21

 

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