Artenvielfalt Keine Förderung für gesetzliche Vorgaben

Stichwort Förderung. Die fließt natürlich im Augenblick reichlich für diese freiwilligen Maßnahmen der Landwirte und stellt einen wirtschaftlichen Anreiz dar. „Kaum jemandem ist klar, dass es dann diese Entschädigungen nicht mehr gibt. Was gesetzlich vorgeschrieben ist, kann nicht entschädigt werden“, argumentiert der Niederbayerische Bauernpräsident Stadler. Natürlich nachvollziehbar. Es gibt ja auch keine Belohnung dafür, dass man sich an Gesetze oder die Straßenverkehrsordnung hält. „Und völlig außen vor“, erklärt Stadler, „sind alle anderen Bereiche. Auch dort könnte man viel machen, aber da könnte man vielleicht den Falschen auf die Füße treten. Das ist es, was uns so ärgert.“

Als etwas einseitig beurteilt auch der Insektenexperte von der Uni Würzburg, Dr. Steffan-Dewenter, den Forderungskatalog des Volksbegehrens: „Mir ist wichtig, dass man die objektiven Fakten berücksichtigt, dass man auf der anderen Seite nicht die Landwirtschaft als den Buhmann darstellt, der allein schuldig ist.“

Steffan-Dewenter sieht zum Beispiel auch einen Handlungsbedarf im persönlichen, privaten Bereich: „Gehen Sie in die Gärten und schauen Sie, was die Leute dort an Monokulturen haben. Obwohl Sie keinen wirtschaftlichen Druck haben, ermöglichen auch sie kaum Vielfalt an Blumen und Pflanzen und, in der Konsequenz, an Insekten. Insofern sind Landwirtschaft und Gesellschaft in gewisser Weise Abbilder voneinander. Viele Privatgärten könnten einen Beitrag leisten zu einer höheren Vielfalt – in jeglicher Hinsicht.“

Eine Frage der Verantwortung

Die Empfehlungen sind eigentlich bekannt: Zehn Prozent der Gartenfläche sollten der Wildnis überlassen bleiben. Dort sollten dann das Unkraut, die Pflanzen, die Gehölze, die anfliegen, auch wachsen dürfen. Auch den Tipp zu mehr „Unordnung“ im Garten hält der Biologe für wichtig: „Das ist viel mehr wert und besser für die Umwelt, als das wöchentliche Rasenmähen und die Koniferenhecke außenrum. So gesehen beginnt „Rettet die Bienen“ in jedem Garten, genau genommen sogar auf jedem Balkon.“

Allerdings: Während die Verpflichtung zum ökologischen Anbau im privaten Garten wohl doch zu weit gehen dürfte, kommt der Landwirtschaft eine größere gesellschaftliche Verantwortung zu – genauso wie allen  Wirtschaftsbereichen, die das Zeug haben, das Gesicht unserer Welt nachhaltig zu prägen.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading