Artenvielfalt "Die Landwirte nicht als die Buhmänner darstellen"

Eine wichtige Rolle spiele der Dünger auf den Feldern: „Der Einsatz von Stickstoff führt dazu, dass wenige konkurrenzstarke Arten dominieren. Man kann auch nicht wegdiskutieren, dass Insektizide eben nicht nur einen bestimmten Schädling im Acker betreffen, sondern viele Insekten. Eine Vielzahl von Faktoren, die zum Rückgang der Artenvielfalt bei Insekten und in der Konsequenz auch Vögeln führen, liegt im intensiven Landbau begründet.“

Dem pflichtet Rainer Pasta, Bienen- und Hornissenbeauftragter im Landkreis Straubing-Bogen, bei: „Der Artenrückgang, angefangen mit den Insekten und Vögeln, wird sich in der Nahrungskette weiter durchschlagen und das Thema wird immer akuter. Als erstes trifft es immer die Spezialisten – zum Beispiel feldbrütende Vögel wie Lerche und Kibitz.“ Pasta sieht einen zweiten Grund, warum das Volksbegehren die Landwirtschaft besonders in den Fokus nimmt: „… weil hier viele Aspekte bisher ‚freiwillig‘ geregelt wurden.“ Das funktioniere in Einzelfällen, aber nicht in der Fläche.

"Weitgehend durchreguliert"

Tatsächlich gibt es im Bauwesen und der Industrie für alles Umweltverträglichkeitsprüfungen, die positiv ausfallen müssen, bevor etwas genehmigt wird. „Hier sind wir weitgehend ‚durchreguliert‘“, erklärt Pasta, „was nicht heißt, dass auch hier noch Luft nach oben wäre.“

Genau diese Freiwilligkeit will der Bayerische Bauernverband um jeden Preis erhalten. „Jeder zweite Landwirt auf jeder dritten Fläche nutzt bereits eines der Ökologieprogramme“, erklärt Gerhard Stadler. „Es gibt das Kulturlandschaftsprogramm, das Vertragsnaturschutzprogramm und vieles mehr. Alles auf der Schiene: Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht – das muss unser Weg sein!“

Ob die freiwilligen Maßnahmen wirklich ausreichen, darüber sind die Interessenvertreter also unterschiedlicher Ansicht. Es gebe durchaus Erfolge, stellt Dr. Steffan-Dewenter fest: „Integrierter Pflanzenschutz mit reduziertem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die Anlage von Blühstreifen und Saumstrukturen, die auch schon gefördert wird – das wird in Bayern schon sehr gut umgesetzt.“

 

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