Vier Fragen an… Alois Rainer zu Sars-CoV2-Fällen bei Wiesenhof in Bogen

Verwahrt sich vor Pauschal-Kritik an der Fleischindustrie: Der Haibacher Bundestagsabgeordnete Alois Rainer. Foto: Tobias Koch

Die Nachricht von bestätigten Corona-Infektionen am Bogener Standort von Wiesenhof hat in der Region Verunsicherung ausgelöst. Wie beurteilt der Bundestagsabgeordnete Alois Rainer aus Haibach die Situation?

Die Frage, die sich für viele stellt: Würde die riesige Testreihe mit immerhin 1.000 Mitarbeitern die Infektionszahlen so steigen lassen, dass ein neuer Corona-Lockdown kommt? Zur gleichen Zeit flammt Kritik am Wirtschaftsmodell mancher Großschlachtereien auf – die dort üblichen Arbeiter-WGs könnten in Zeiten einer Epidemie zu Brutstätten eines Erregers werden.

Herr Rainer, viele hatten beim Bekanntwerden der Fälle Angst vor einem neuen Lockdown für den Landkreis Straubing-Bogen. Zurecht?

Alois Rainer: Die letzte Entscheidung diesbezüglich obliegt den Gesundheitsbehörden vor Ort. Die wissen am besten, wo die Betroffenen untergebracht sind, wer von denen wiederum schon in Quarantäne ist, wer die Kontaktpersonen sind. Bei einem lokalisierten Infektionsgeschehen kann man das Beschränkungskonzept ausschließlich auf den Betrieb anwenden. Es heißt nicht automatisch, dass der gesamte Landkreis wieder in den Lockdown müsste. Wenn man es lokalisieren kann, wird es nur die Firma Wiesenhof betreffen. Wenn es sich aber als verteiltes Geschehen mit unklaren Infektionsketten herausstellt, dann müssen regional auch wieder Beschränkungen eingeführt werden.

Einige stellen aufgrund der Ereignisse von Niedersachsen und jetzt Bogen die industrielle Fleischproduktion an sich in Frage, auch wegen der sozialen Verhältnisse der Arbeitnehmer. Sie auch?

Rainer: Ich finde, man muss auseinanderhalten: das Handwerk und die Industrie. Das wird immer gerne in einen Topf geschmissen, obwohl man es nicht vergleichen kann. Den handwerklichen Metzger, den es bei uns in der Region noch gibt und die Fleischindustrie, die in einigen Bereichen geballt auftritt. Man sollte auf jeden Fall nicht die komplette Fleischindustrie an die Wand nageln, sondern die schwarzen Schafe benennen und mit aller Härte der Gesetze dagegen vorgehen. Solche Verhältnisse, wie dort zu beobachten, gehen gar nicht.

Welchen Eindruck haben Sie von Betrieben wie dem in Bogen?

Rainer: Wiesenhof möchte ich aus der Diskussion ausnehmen, weil ich darüber zu wenig weiß. Ich weiß nicht, wie die Arbeiter untergebracht sind. Ich kenne nur die Arbeitsbedingungen von einer Betriebsbesichtigung. In dieser Beziehung ist Wiesenhof auf einem top Standard. Mein Eindruck war damals sehr positiv. Richtig ist aber auch, dass es in der Fleischindustrie präkere Beschäftigungsverhältnisse gibt und Unterkunftsbedingungen, die nicht gerade die besten sind. Was Covid-19 anbelangt, geht natürlich eine Gefahr von solcher Unterbringung aus. Die Bilder werden in Kürze über die Medien laufen, wie schlimm die Unterkünfte sind. Mag sein, ich habe sie noch nicht gesehen. Wenn Menschen auf engstem Raum zusammenleben müssen, dann ist das natürlich eine Brutstätte. Sowas darf einfach nicht sein.

Wieso ist es dennoch so?

Rainer: Es gibt Gesetze, mit denen dem beizukommen ist. Das muss man genau untersuchen. Es ist meines Erachtens wohl eher eine Frage der Kontrollen und der Kontrollkapazität. Bei der Arbeitnehmerüberlassung ist es oft so, dass der Arbeitgeber Wohnungen anmietet. Diese Wohnungen sind nicht per se schlecht, aber ich denke, man muss jetzt genau hinschauen, wo und wie die Arbeiter untergebracht sind.

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