Abendlieder, Wiegenlieder, Kinderlieder. "Ist das alles?", mag manch ein Hörer vielleicht gedacht haben, "hat mir nicht schon meine Mutter 'Die Blümelein, sie schlafen' oder 'Guten Abend, gute Nacht, mit Rosen bedacht' am Bett vor dem Einschlafen vorgesungen?" Von dieser Erinnerung mögen auch so bedeutende Komponisten wie Franz Schubert und Johannes Brahms inspiriert gewesen sein. Sie wussten: Große Kunst hat mit bloßer Virtuosität, spektakulärem Pathos nichts zu tun. Sie muss die Seele berühren.

Und genau das gelang den drei Künstlern des Abends: Romy Börner als Mezzo-Sopranistin, Veronika Miller-Wabra an der Harfe und dem Geiger Oliver Hien. Das dazu passende, heimelige Ambiente vermittelte den knapp 40 Hörern in zwei Abendvorführungen die Sankt-Anna-Kapelle. Die Gesangssolistin und Musikpädagogin Romy Börner, seit etwas mehr als einem Jahr auch Chorleiterin von TonArt (ehemals Liederkranz Viechtach) strebt mit ihrer schlanken, meist verhaltenen, Vibrato und Crescendo bewusst dosierenden Stimmführung die innere Wahrheit des Vorzutragenden an: Die Schlichtheit eines Liedes ist unantastbar, Steigerungen müssen plau- sibel sein, nur so entsteht Kunst. Besonders ergreifende Momente erzeugte Börner unter anderem bei "Marias Wiegenlied" von Max Reger (1873-1916) oder der russischen Volksweise "Baju,bajuschki, baju".