Kommentar Das Aus für den Technologie-Campus ist ein Sieg der Vernunft

Eine Außenstelle der Technischen Hochschule Deggendorf wird es in Viechtach nicht geben. Foto: Redaktion Deggendorf

Seit Jahren, nicht nur seit der Amtszeit von Bürgermeister Franz Wittmann, zieht sich eine Forderung durch sämtliche Haushaltsreden aller Fraktionen: "Wir müssen sparen!" Nur Pflicht im Ausgabenbereich, keine Kür! Eine eigene Sparkommission wird gebildet, jede kleinste Haushaltsstelle auf Einsparpotenzial abgeklopft.

Auch die umstrittenen Parkscheinautomaten sollen Geld in die klamme Stadtkasse spülen und dann taucht plötzlich ein "Geschenk" des Ministerpräsidenten auf, mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass es die Stadt mindestens 6,5 Millionen Euro kosten wird. Die Rede ist - Sie ahnen es - vom Technologiecampus. Eine freiwillige Leistung der Stadt wohlgemerkt. Schon von Beginn an findet diese Idee nicht nur lauthals Zustimmung. Mit einer knappen 9:8 Entscheidung - und die schon "unter Vorbehalt der Finanzierbarkeit" - stimmt der Stadtrat dem Campusbau zu. Nun sollte in der Sondersitzung am Montag diese Finanzierbarkeit in einem Nachtragshaushalt dargestellt werden.

Mit einigen Kröten, die die Stadtratsmehrheit nicht schlucken wollte: dem Verkauf der ziemlich einzigen rentierlichen Immobilie der Stadt - dem Gewerbepark, noch dazu Arbeitsplatz für über 300 Menschen - und dem Aufschub von Maßnahmen. Darunter die dringend nötige Freibadsanierung, wo täglich tausende Liter Wasser aus dem Becken versickern oder die Sanierung der Mittelschulturnhalle, die von hunderten Schülern und Freizeitsportlern genutzt wird. Dafür gäbe es dann eine Hochschulaußenstelle mit bestenfalls um die 30 Forschenden.

Das Landratsamt hatte den Nachtragshaushalt zwar grundsätzlich genehmigt, aber auf knapp zwei Seiten auch Bedenken dazu angemeldet. Und auch beim eigenen Vorbericht des Kämmerers Matthias Wittmann waren die Bauchschmerzen schon beinah herauszuhören: "Die dauernde Leistungsfähigkeit der Stadt Viechtach wird weiterhin gefährdet", schreibt er mit Blick auf die Entwicklung der Schulden. Der Campus mag vielleicht eine vertane Chance sein, aber angesichts der Fakten gilt auch hier wie in vielen anderen Bereichen: "Das Leben ist kein Wunschkonzert."

 
 

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