Videolivestream für Pädagogen Digitaler Lehrermedientag 2020: Gestärkt durch den Schulalltag

Zum ersten Mal fand der Lehrermedientag der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung virtuell statt und wurde für alle Teilnehmer als Livestream auf YouTube übertragen. Der Screenshot zeigt Referenten und Organisatoren (von links oben im Uhrzeigersinn): Daniel Wolff, Digitaltrainer und Medienpädagoge, Sonja Ettengruber, Leiterin der Redaktion Freistunde, Privatdozentin Dr. Katharina Schmid, Pathologin und Autorin, sowie Ulrich Holzapfel, Leiter der Volkshochschule Straubing. Foto: YouTube/Freistunde

Beim Lehrermedientag bekamen Lehrkräfte Tipps, wie sie den Unterricht trotz der Krise motiviert meistern – und einen spannenden Einblick in die digitale Lebenswelt der Schüler.

Die Pandemie hat den Schulalltag auf den Kopf gestellt. Abstandsregeln, Maskenpflicht und Quarantänemaßnahmen erfordern von Lehrkräften eine völlig andere Art des Unterrichtens. Dazu kommt die ständige Angst vor einer Ansteckung durch das Coronavirus. Wie gehen Lehrkräfte mit dieser großen Herausforderung um? Das war ein Themenschwerpunkt beim mittlerweile vierten Lehrermedientag, der von der Redaktion Freistunde der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung veranstaltet wurde.

Darüber hinaus bekamen die Teilnehmer beim „Social Media Update“ einen spannenden Einblick in die digitale Lebenswelt der Schüler: „Kinder verbringen weitaus mehr Zeit im Internet als in der Schule“, wurde dabei offensichtlich. Erstmals fand die Fortbildungsveranstaltung für Lehrkräfte digital statt. Über 120 Lehrkräfte aus der Region nutzten dieses Angebot am Buß- und Bettag, das von Sonja Ettengruber, Leiterin der Redaktion Freistunde, moderiert wurde.

TikTok, WhatsApp und Fortnite rund um die Uhr

Tausende von Nachrichten pro Nacht in einem Klassen-WhatsApp-Chat? Was für Erwachsene im Bereich des Unvorstellbaren liegt, ist für Kinder Alltag, machte Referent Daniel Wolff, Digitaltrainer und Medienpädagoge, in seinem Vortrag deutlich. Schon daran sei erkennbar, wie unterschiedlich Kinder und Erwachsene digitale Angebote nutzten: „Kinder wollen vor allem Spaß haben, Erwachsenen geht es um Informationen.“

Wolff stellte in seinem Vortrag WhatsApp, TikTok und Fortnite in den Mittelpunkt – Plattformen, auf denen sich Kinder und Jugendliche quasi rund um die Uhr bewegen. Mit drastischen Beispielen führte Wolff vor Augen, wie wichtig es sei, sich in WhatsApp-Chatgruppen an Regeln zu halten. Sonst bestehe die Gefahr, dass sich Inhalte wie Hitler-Witze, übelste Beleidigungen oder Pornografie unkontrolliert verbreiteten. Er empfahl, Kindern nicht zu erlauben, das Smartphone mit ins Bett zu nehmen. Außerdem sollten sich mehrere Eltern bereit erklären, den Klassenchat zu begleiten: „Und zwar ausdrücklich nicht zur Kontrolle, sondern zum Schutz der Kinder.“

Äußerst beliebt, vor allem bei Mädchen, ist das Netzwerk TikTok. Dadurch, dass Kinder immer eher Smartphones besitzen würden, würden teilweise schon Achtjährige Videos bei TikTok hochladen, erläuterte Wolff. Er wies auf die enorme Betreuungslücke hin, die dadurch entstehe. Oft wüssten die Eltern gar nicht, was ihre Kinder hochladen und welche Reaktionen dies hervorrufe. Er warnte dabei ausdrücklich vor pädophilen Nutzern, die sich auf TikTok bewegten.

Das Spiel Fortnite interessiere vor allem Jungs. Der Digitaltrainer gab zu bedenken, dass eine große Suchtgefahr von diesem Spiel ausgehe, in dem Gewalt die einzige Lösung sei.

Der abschließende Appell von Wolff lautete, dass Schüler, Eltern und Lehrer in einen ständigen Dialog auf Augenhöhe treten sollten, um sich in der virtuellen Welt sicher und mit Freude zu bewegen – und auch die Chancen zu erkennen.

Die positive Wirkung von Gedanken

Wie Lehrkräfte gestärkt durch die Corona-Krise kommen können, verdeutlichte Privatdozentin Dr. Katharina Schmid, Pathologin und Autorin aus Straubing. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Resilienz und der positiven Wirkung von Gedanken. In ihrem Vortrag „Freudvolle Perspektiven in der Krise finden“ erläuterte sie zunächst die Funktionen des Gehirns, um dann die Kenntnis um die eigenen Kraft-Ressourcen in den Mittelpunkt zu stellen – sowohl äußere als auch innere.

Konkret empfahl sie den Lehrkräften, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, schwierige Situationen als Herausforderung zu sehen, eigene Schwächen lachend einzugestehen, mit gutem Beispiel voranzugehen, aus der Situation zu lernen und so über sich hinauszuwachsen. Um den Schülern Motivation, Rückhalt und Freude zu vermitteln, würden sich beispielsweise Anerkennungs- und Dankbarkeitsspiele, Achtsamkeitsübungen, kleine Meditationen oder einfache Körperübungen eignen. Ihre Botschaft an die Lehrkräfte: „Ohne Krisen sind keine Veränderungen möglich.“

 

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