In Zeiten der Corona-Pandemie boomt der Versandhandel. Ein ganz Großer in diesem Geschäft ist Amazon. Jetzt klopfen die freiberuflichen Kurierfahrer des Versandriesen auch an Türen in der Oberpfalz. In Straubing entsteht derzeit ebenfalls ein Logistikzentrum von Amazon, das Arbeit für 350 Kuriere bieten soll. Nicht alle freut das. Wegen der wachsenden Kundennachfrage will Amazon noch mehr Kapazitäten auf der letzten Meile aufbauen, auch in der Region. Was Amazon wo plant.

 

Was bisher geschah

Das neue Verteilzentrum des Tech-Riesen Amazon in Straubing wird mit Hoffnung und Spannung, von einigen auch mit Sorge erwartet. Während Vertreter der Lokalpolitik die Ansiedlung vor allem als Aufwertung für den Wirtschaftsstandort sehen, fürchten andere, dass die Unternehmenskultur des Branchenriesen eine Verschlechterung der Arbeitsstandards bringen könnte.

Als kurz vor Weihnachten 2020 bekannt wurde, dass der Tech-Riese Amazon ein Verteilzentrum am Hafen Straubing-Sand plane, wurden die Diskussionen um das Projekt schnell emotional. Zahlreiche Benutzer in den sozialen Netzwerken freuten sich darüber, dass die Wartezeit auf Pakete des Online-Warenhauses in Zukunft kürzer sein würde.

Als Partner für die Errichtung des Verteilzentrums hatte Amazon sich den Immobilieninvestor Goodman 2021 ausgesucht. Nach ersten Mitteilungen der beteiligten Unternehmen würde Amazon 130 Arbeitsplätze auf dem Hafengelände selbst schaffen. Hinzu sollten rund 350 Fahrerinnen und Fahrer kommen, die Lieferpartner von Amazon für die Auslieferung der Pakete einsetzen.

Kontroversen im Stadtrat

Erste Misstöne gab es im Straubinger Stadtrat, als unter anderem Feride Niedermeier von der Grünen Fraktion offen ihre Abscheu gegenüber dem Projekt zum Ausdruck brachte.

Damit allerdings gewann die Kontroverse um den Versandriesen, der vor den Toren Straubings seine Zelte aufschlagen sollte, erst an Fahrt. Was auch eine offenkundige Ambivalenz zutage treten ließ: Während viele sich in der Öffentlichkeit der Haltung der Stadtrats-Grünen anschlossen, lag der Landkreis Straubing-Bogen laut offiziellen Zahlen bundesweit auf Platz 8, was die Amazon-Pakete pro Kopf angeht.

Einzelhandel reagiert mit eigenem Paketservice

Anfang März begannen die Arbeiten für das neue Verteilzentrum. Der Straubinger Einzelhandel bereitete sich indes auf seine Weise auf die bevorstehende Paket-Invasion vor: Auf Vermittlung von Werbegemeinschaft und Stadtmarketing liefert das Unternehmen Gäubodentaxi Straubinger Ware nach Hause – der Anspruch des Bündnis: Schneller zu sein als Amazon.