Verschwörungstheorien Was hat es mit QAnon auf sich?

Ein Mann mit Aluhut bei einer Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen. Kritiker befürchten, dass Verschwörungstheoretiker und Rechtspopulisten die Proteste vereinnahmen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Durch die Theorien zur Corona-Krise kam auch QAnon wieder auf. Was hat es damit auf sich – und warum ist das so gefährlich?

Was haben Xavier Naidoo, Detlef D. Soost und Til Schweiger gemeinsam? Sie sind Prominente, vielleicht sogar richtige Stars. Ihre Meinungen finden Gehör und sie glauben, dass in der Welt gerade nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Und damit sind sie nicht allein. Spätestens seit den ersten Demonstrationen zum Thema Corona-Lockerungen ist klar: Die Anzahl der Aluhut-Träger in Deutschland ist höher als gedacht.

Wer der Argumentationskette der meisten aktuellen Verschwörungstheorien folgt, wird dabei früher oder später bei einem ganz bestimmten Buchstaben landen: Q. Alternativ beim Begriff QAnon.

Der „tiefe Staat“

QAnon tauchte zum ersten Mal auf dem Internet-Forum 4chan auf. Dieses Forum – wie auch die Schwesterseite 8chan – erlaubt Nutzern, jeglichen Inhalt vergleichsweise anonym zu posten. Seit 2017 erscheinen in diesen Foren immer wieder Posts von einem Nutzer mit Namen „Q clearance Patriot“, in denen er kryptische Warnungen schreibt. Zum Beispiel, dass hochrangige Vertreter des US-Staats einen Putsch planen. Oder, dass prominente Politiker und Schauspieler in einen Kinderhändlerring verstrickt seien und die jüdische Familie Rothschild Anführer eines satanistischen Kults sei.

In seinen Nachrichten taucht immer wieder der Begriff „Deep State“ auf. Dieser „tiefe Staat“ sei von mächtigen Leuten geschaffen worden, die so die USA und die freie Welt kontrollieren. Patriotische Militärs hätten deshalb den politischen Außenseiter Donald Trump zum Präsidenten gemacht, damit er diesem Treiben ein Ende setzt und den „tiefen Staat“ zerschlägt. Wer die Aussagen mit etwas Recherche hinterfragt, stellt schnell fest, dass sie an den Haaren herbeigezogen sind. Trotzdem fand „Q clearance Patriot“ sehr schnell viele Anhänger, die sich selbst als „QAnons“ bezeichnen.

Alte Wurzeln

So neu die Theorien von QAnon wirken: Sie bedienen sich alter Verschwörungsmythen. Die Idee, dass sich ein geheimer Zirkel reicher und mächtiger Leute an Kindern vergeht, sie missbraucht oder Stoffe aus ihrem Blut abzapft, um den verjüngenden Stoff Adrenochrom herzustellen, ist seit dem späten Mittelalter im Umlauf. Damals wurden jüdische Bürger dafür verantwortlich gemacht, Brunnen zu vergiften und Kinder zu entführen, um ihr Blut zu trinken. Auch Qs Spekulationen um die Rothschild-Familie gehen auf seine antisemitische Verschwörungstheorie zurück, an der sich schon die Nazis bedienten.

Dass sich eine moderne Verschwörungstheorie alter Hetze gegen Juden und andere Minderheiten bedient, ist laut der gemeinnützigen Organisation „Der Goldene Aluhut“ leider nicht ungewöhnlich. Antisemitismus sei als Unterströmung bei den meisten modernen Verschwörungstheorien im Hintergrund nachweisbar, heißt es auf der Webseite der Initiative, die sich seit 2014 mit Verschwörungstheorien und ihren Folgen beschäftigt.

Reale Auswirkungen

Was nämlich gerade QAnon gefährlich macht: Ihre Theorien klingen gerade realistisch genug, dass man sie glauben könnte. Und das hatte schon fatale Auswirkungen in der echten Welt. Bis heute sorgen sie immer wieder dafür, dass Politiker, Anwälte und Journalisten bedroht und angegriffen werden. 2018 hätte ein Anhänger von Q um ein Haar eine Schießerei am Hoover-Damm angefangen.

Auch in Deutschland hat QAnon inzwischen Unterstützer. Ein trauriges Beispiel ist der 19 Jahre alte Tobias R., der in Hanau zehn Menschen ermordete. In seinem Bekennerschreiben verwies er unter anderem auf QAnon.

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