Vermittungsstopp auch in Ostbayern Tierheim-Tiere: Keine Gefährten nur für die Lockdown-Wochen

Lieber noch warten bis nach den Feiertagen: Der Vermittlungsstopp sei gerade im Corona-Jahr sinnvoll und wichtig, sagen die Verantwortlichen vom Deutschen Tierschutzbund. (Symbolbild) Foto: Monika Bergbauer

Zu Weihnachten verhängen viele Tierheime einen Vermittlungsstopp. Auch der Landesverband Bayern des Deutschen Tierschutzbundes empfiehlt seinen Mitgliedern, über die Feiertage keine Tiere zu vermitteln – denn gerade in den Lockdown-Wochen könnten Menschen sich Tiere aus den falschen Gründen ins Haus holen.

Der Vermittlungsstopp hat in vielen Einrichtungen bereits Tradition. Damit zu Weihnachten Katze, Hund und Co. nicht nur aus einer Laune heraus gekauft und verschenkt werden, machten Tierheime vielerorts diesen Schritt, sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Die Entscheidung fälle jede Einrichtung autonom. „Viele Tierheime verweisen auf das neue Jahr.“

Auch Ilona Wojahn, Präsidentin des Landesverbands Bayern des Deutschen Tierschutzbundes,, empfiehlt ihren Einrichtungen, die Vermittlungen über die Weihnachtstage auszusetzen: „Damit wollen wir verhindern, dass die Tiere wieder im Tierheim landen, sobald die Feiertage vorbei sind und der Alltag wieder losgeht. Wir haben einen Vermittlungsstopp vom 20. Dezember bis zum 6. Januar“, sagt Wojahn im Gespräch mit idowa.

Lockdown die falsche Motivation für Tier-Anschaffung

In diesem Jahr komme neben dem Wunsch nach einem knuffigen Geschenk unterm Weihnachtsbaum auch der Lockdown als Faktor und gleichzeitig Fehlanreiz hinzu, sagt Ilona Wojahn: „Die Überlegung bei vielen ist: ‚Jetzt gerade hab ich Zeit für ein Tier, jetzt kann ich mich intensiv darum kümmern‘.“ Leider sei der erwartbare Effekt derselbe wie bei den Geschenk-Tieren: „Irgendwann wird der Lockdown vorbei sein, dann muss man wieder zur Arbeit, die Kinder müssen wieder in die Schule. Dann ist auf einmal die Betreuung nicht mehr gesichert. Langeweile und der Umstand, dass man grad Zeit hat sind auf jeden Fall die falsche Motivation für die Anschaffung eines Tieres.“

Interessierte können sich aber laut Angaben des Bundesverbands jetzt schon zu Einzelterminen anmelden im neuen Jahr anmelden. Sie hätten dann Gelegenheit, das gewünschte Tier kennenzulernen, um es - erst nach reiflicher Überlegung - später auch anzuschaffen, erläutert eine Sprecherin. Wegen der Pandemie seien Besuche derzeit nur nach Anmeldung möglich. Das habe den positiven Effekt, dass es damit verbindlicher zugehe und ein „ernsthaftes Interesse“ erkennbar sei.

400 bis 600 Tiere landen jedes Jahr in bayerischen Tierheimen

Nach Einschätzung der Bayern-Präsidentin des Tierschutzbunds, Ilona Wojahn ist das Phänomen der Geschenk-Tiere vor allen Dingen in Großstädten verbreitet – dort füllen sich nach den Feiertagen regelmäßig die Tierheime: „Auf dem Land sind es in der Regel Einzelfälle. Wobei uns die Leute nicht immer sagen, dass es Geschenk-Tiere waren. Oftmals überlegen sich die Leute eine andere Geschichte über eine Allergie oder einen Umzug. Deswegen können die Zahlen da auch täuschen“, sagt Wojahn. 

Auf die Zahl der in Bayern abgegebenen Tiere habe das Corona-Jahr bislang keine Auswirkungen gehabt – „Das Tieraufkommen ist relativ konstant zwischen 400 und 600 Tiere pro Jahr. Womit die Tierheime generell mehr Probleme haben, sind die krassen Fälle von Animal Hoarding. Hier stehen wir oft vor der Herausforderung, dass auf einen Schlag sehr viele Tiere unterzubringen sind.“

Insgesamt sei die Tiervermittlung im Corona-Jahr gut verlaufen, erklärt Lea Schmitz vom Bundesverband auf Nachfrage der Deutschen Presseagentur (dpa). Die Nachfrage nach Hunden und Katzen sei sehr hoch gewesen. Dass es coronabedingt zu Einschränkungen im Besuchsverkehr kam, hat sich laut Tierschutzbund auf die Tiere ausgewirkt. „Sie sind ruhiger, entspannter“, schilderte Schmitz. Zahlreiche Einrichtungen wollten die Einzeltermin-Regelung auch langfristig beibehalten.

Sorge bereitet den Tierheimen ein Rückgang an Spenden. Da Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür, Feste oder Flohmärkte nicht stattfinden konnten, sei „ein Großteil der Einnahmen weggebrochen“.

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