Vermisst auf der Donau bei Straubing Was geschah an der Schlossbrücke? Ein Augenzeugenbericht

Bis zum Abend und noch am darauffolgenden Tag suchten Wasserwacht und weitere Einsatzkräfte die Stelle an der Donau ab, an der der Mann unterging. Foto: Sonja Esmailzadeh

Ein Badeunfall auf der Donau an der Gstütt-Insel beschäftigt seit Montag viele Straubinger. Peter Meinhardt vom Straubinger Kanuclub hat den Vorfall miterlebt – und ist schockiert, was teils darüber verbreitet wird.

Als einfacher Ausflug an die Donau hatte am Montag begonnen, was sich zu einem tragischen Unfall entwickelte: Zwei Männer, Arbeitskollegen, gehen ins Wasser, bei der Sandbank an der Gstütt-Insel. Einer von ihnen, 26 Jahre alt, wird von der Strömung erfasst, geht unter. Sein Arbeitskollege versucht noch, ihn zurück ans Ufer zu ziehen. Trotz eines Großeinsatzes von Wasserwacht, Feuerwehr, Polizei und mehreren Hubschraubern, die gemeinsam die Donau absuchten, bleibt der Mann bis jetzt verschwunden.

Einer der Menschen, die tatsächlich dabei waren, ist Peter Meinhardt. Der 59-Jährige ist Kursleiter beim Straubinger Kanuclub. Er ist mit vier Schülern auf der Donau unterwegs, als vom gegenüberliegenden Ufer plötzlich die Schreie zu hören sind. Einige Sekunden dauert es, bis die Kanuten die Situation erkennen: „Gerade um die Zeit sind an dem Ufer oft Grüppchen von Menschen unterwegs, es wird gelacht, gescherzt, auch herumgegrölt“, sagt Meinhardt.

Keine Chance, in der schlammtrüben Donau einen Körper auszumachen

Doch es ist keine Party, die dort stattfindet. Die Schreie klingen nach Verzweiflung. Unweit des anderen Ufers kämpft ein Mann gegen die Strömung der Donau an. Ein Zweiter, der gerade noch um Hilfe geschrien hat, springt ins Wasser, bekommt seinen Bekannten zu fassen. Doch der Arbeitskollege schafft es nicht. Er muss seinen Rettungsversuch aufgeben.

Zu diesem Zeitpunkt sind Meinhardts Kanuten gerade dabei, die Donau zu überqueren – einer nach dem anderen, wie sie es bei den Kursen für gewöhnlich tun. Der erste in der Reihe ist schon etwa in der Mitte des Flusses und erkennt die Gefahr. Er steuert geistesgegenwärtig um – auf die Stelle zu, wo der verzweifelte Mann im Wasser untergeht. „Er hat noch nicht viel Erfahrung, aber er ist unheimlich talentiert“, erzählt Peter Meinhardt: „Er hat die Stelle schnurgerade anvisiert.“ Die nächsten Sekunden erleben alle wie in Zeitlupe. Nur Augenblicke, bevor die Länge des Kanu-Paddels ausgereicht hätte, dem Mann einen Halt zu geben, verschlingt ihn eine Welle. Die Wasseroberfläche ist sofort wieder nahezu glatt – und das Wasser viel zu trüb, um etwas zu sehen. „Wir hatten durch die Regenfälle in den vergangenen Tagen leichtes Hochwasser, die Donau ist immer noch sehr aufgewühlt“, sagt Peter Meinhardt. Keine Chance, in der schlammtrüben Donau einen Körper auszumachen.

Grenzwertige Kommentare in Sozialen Netzwerken

Meinhardt und seine Schüler steuern das Donauufer an. Eine Schülerin, deren erste Kanu-Stunde es ist, wählt den Notruf. Die anderen suchen. Vergebens. Während die Rettungskette anläuft, Wasserwacht, Polizei, Feuerwehr und ein Hubschrauber an der Donau eintreffen, bricht der Arbeitskollege in Tränen aus, schreit, schlägt mit seinen Fäusten immer wieder auf das Wasser. Ein Notfall-Psychologe muss sich um ihn kümmern.

„Es wäre wirklich tragisch“, sagt Peter Meinhardt am Dienstag im Gespräch mit idowa, und meint damit, was wäre, wenn die schlimmsten Vermutungen sich bestätigten. Ihn und seine Schüler beschäftige der Vorfall seitdem. Bestürzend war für ihn außerdem, dass Badegäste an der Donau die Szene zwar verfolgt, sogar mit ihren Handys gefilmt hätten – aber kaum einer etwas unternahm. Gaffen statt helfen – das Phänomen, von dem Rettungskräfte immer wieder berichten. „Stattdessen kommen dann auf Facebook Kommentare darüber, wie man in der Situation sich hätte verhalten sollen – oder wie man es hätte besser machen können.“ Einige der Kommentare sind daneben, andere gehen schlichtweg schon in den Bereich von Anschuldigungen. Peter Meinhardt überlegt nun, ob er wegen einiger der Kommentare Anzeige erstatten soll – „denn was uns da vorgeworfen wird, kann den Kanuclub in Verruf bringen.“

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