Straubing "Bairische Sprachwurzel" für Richard Loibl

Dr. Richard Loibl, Preisträger der Sprachwurzel 2019 (links) und Sepp Obermeier, Vorsitzender des Bunds Bairische Sprache Foto: as

Dr. Richard Loibl ist Preisträger der „Bairischen Sprachwurzel 2019“. Der Wissenschaftler und Museumsexperte überzeugte die Verantwortlichen des Bunds Bairische Sprache mit seinem Einsatz für die bayerischen Regionen – und mit seinem Dialekt.

Dr. Richard Loibl bekam am Sonntag im Straubinger Theater am Hagen die begehrte Kristallskulptur überreicht, mit der er als Preisträger der "Bairischen Sprachwurzel" 2019 ausgezeichnet wurde.

Die Preisverleihung eröffnete Sepp Obermeier, der Vorsitzende des Bunds Bairische Sprache, mit viel Charm, Witz und humoriger Hintergründigkeit.  Er betonte, dass nur diejenigen den Preis bekämen, die eines durch und im Dialekt schaffen: "A'ecken!". Richard Loibl habe das Preisvergabekriterium „Prominente Tabubrecher, die bei offiziellen Anlässen Bairisch reden“ seit Jahren in vielen Radio- und Fernsehinterviews, nicht nur in bayerischen Sendern, sondern sogar im Mitteldeutschen Rundfunk, übererfüllt. Spitzen setzte Obermeier gegen die Eventisierung der Sprache, etwa gegen Volkshochschulkurse, bei denen man unter Anleitung eines Kabarettisten quasi ein Bayern-Diplom ablege – Weißwurstsezieren inbegriffen. Er sprach sich für einen natürlichen Gebrauch des Dialekts gerade in der Öffentlichkeit aus. "Fotzenspangler" statt "Zahnarzt"? Ja, wieso nicht. So heiße es nun mal auf bayerisch.

Löwen und Erntekronen

Der Straubinger Oberbürgermeisters Markus Pannermayr sagte in seiner Begrüßung, dass der Dialekt zum Leben hier gehöre, wie die Musik, das Essen, das Volksfest. Authentisch zu sein, auch in der Sprache, bedeute, von Dauer zu sein. Pannermayr kam unter anderem auf die Verdienste Loibls um das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg zu sprechen. Nur über eines sei er nicht ganz glücklich: den Löwenbräu-Löwen im Foyer des Museums. Wenn wieder einmal aufgeräumt werde im Museum, dann könne da ja vielleicht die Straubinger Erntekrone hinkommen.  Applaus und allseits Lachen im Publikum.

Professor Hans-Georg Hermann, der Bürgerliches Recht und Bayerische Rechtsgeschichte an der Ludwig-Maximillians-Universität (LMU) in München lehrt, ging in seiner Laudatio, die er weitgehend im Dialekt hielt, auf den integrativen Aspekt der Funktion von Loibl ein. Als Leiter des Hauses der Bayerischen Geschichte in Augsburg müsse er den unterschiedlichen bayerischen Landschaften und Regionalidentitäten gleichermaßen Rechnung tragen. "Sie leisten kulturelle Integrationsarbeit mit dem Kilometerzähler." Er skizzierte den bisherigen Lebensweg des gebürtigen Straubingers Loibl – ausgehend von seinem Elternhaus, einem Metzgershaushalt, über das Studium an der LMU, seinem Wechsel ans Oberhausmuseum in Passau nach dem Abschluss, bis zur Leitung des Hauses der Bayerischen Geschichte und seiner entscheidenden Rolle bei der Umsetzung des Museums der Bayerischen Geschichte in Regensburg. 

Nur weil der bayerisch red’

Hervorzuheben sei, dass der Geehrte in seinen öffentlichen Beiträgen häufig auf die große historische Bedeutung Niederbayerns hinweise. Nicht zuletzt werde positiv aufgenommen, dass er öffentlich seine Hengersberger Mundart verwende – ein Dialekt, der sich vom neumünchnerischen Sprachgebrauch erkennbar abhebe. Hermann: „Historische Wahrhaftigkeit trifft sich bei ihm mit Sprachwahrhaftigkeit, die er weithin sichtbar als Multiplikator befördert.“

Der 54-jährige Loibl sagte in seiner Dankesrede, dass er zunächst nicht gewusst habe, wieso er einen Preis bekomme nur dafür, dass er in seinem Dialekt spreche. Dann habe er sich gedacht: "Wenn der Papst den Preis auch bekommen hat, dann wird das schon in Ordnung sein." Dass es aber nach wie vor in der Öffentlichkeit und der Arbeitswelt in Bayern nicht allerorts opportun ist, sich im Dialekt auszudrücken, daran erinnerte er mit einer Anekdote. In einer Gesprächsrunde mit Experten aus ganz Bayern und dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer legte er seine Positionen in Zusammenhang mit dem Museum der Bayerischen Geschichte dar – und zwar im Dialekt. Dann hätten ihn die Teilnehmer ungläubig angeschaut. Es habe dann den Ministerpräsidenten gebraucht, um klarzustellen: "Nur weil der bayerisch red’, ist der fei kein Depp. Er hat 2.000.000 Menschen mit seinen Ausstellungen auf die Beine gebracht."

Zum Abschluss bendankte sich Loibl ebenso ehrlich wie humorig für den Preis: "Das ist mei’ liebster und mei’ erster Preis. Aber auch wenn es nicht mei’ erster wär, würd’ ich mich sehr freuen. Vergelt’s Gott!"

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Dr. Richard Loibl war an der LMU tätig, bevor er ans Oberhausmuseum in Passau wechselte, das er später leitete. Seit 2007 ist Richard Loibl Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte. Daneben hat er einen Lehrauftrag am Lehrstuhl für vergleichende mittelalterliche Geschichte der LMU und sitzt in zahlreichen Gremien. Er war entscheidend an der Umsetzung des Museums der Bayerischen Geschichte in Regensburg beteiligt.

Lesen Sie zum Thema auch: Des is wirklich ebbs - Bayerische Sprachwurzel geht in diesem Jahr an Dr. Richard Loibl.

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