Vereinssport in Balbersdorf/Cham Über der Heimat: Anica Hellers Hobby ist das Segelfliegen

Diese Aussicht genießt Anica bei einer Platzrunde in Cham-Janahof. Ein solcher Blick auf die Welt ist ein Grund, warum die 18-Jährige so gerne fliegt. Foto: Lisa Wagemann

Anica Heller aus Balbersdorf im Landkreis Cham sieht die Welt gerne von oben. In der kommenden Saison will die 18-Jährige ihren Segelflugschein voranbringen.

Zurzeit haben sie einmal in der Woche einen digitalen Vereinsabend über Zoom. Sie reden über Wettbewerbe, Ziele für die nächste Saison oder wie man Flugzeuge repariert. Die Theoriestunden fallen aus. Fliegen ginge jetzt im Winter sowieso nicht, da fehlt die Thermik (mehr Infos gibt es unten auf Seite zwei "Die Thermik"). Und die ist für Segelflieger essenziell, um in der Luft bleiben zu können.

Anica Heller ist Mitglied im Segelflugverein Cham. Im April startet wieder die Segelflugsaison. Normalerweise. Wie es heuer wird? Abwarten. Denn auch das steht nicht fest. Wie alle Vereinssportarten ist das Segelfliegen gerade nicht erlaubt.

Die Prüfung nach dem Abi

Die 18-Jährige ist trotzdem fest davon überzeugt, in der kommenden Saison ihren ersten Alleinflug und vielleicht auch noch den für die Praxis-Prüfung nötigen 50-Kilometer-Flug zu absolvieren. Auf jeden Fall will sie die theoretische Prüfung für den Segelflugschein ablegen.

Die ist nicht ganz ohne: Neben Meteorologie muss sie sich mit dem Funken und der Navigation sowie im Flugrecht auskennen. „Gelernt hätte ich schon“, sagt sie. Anica wollte die Prüfung eigentlich schon im vergangenen Oktober schreiben. Das hat corona-bedingt nicht geklappt. In diesem Jahr, ein paar Wochen nach dem Abitur, will sie es angehen.

Ein Teamsport

Wie kommt man eigentlich zum Fliegen? „Der Papa meiner besten Freundin fliegt schon länger. Mit ihm haben wir dann mal reingeschnuppert“, sagt Anica. Das war 2018, da war sie 15 Jahre alt. Aus dem Schnuppertag wurden ein Schnuppermonat und schließlich eine feste Mitgliedschaft im Segelflugverein.

Seitdem versucht sie, jeden Samstag auf dem Flugplatz in Cham-Janahof zu sein. Allein ist sie da nie. „Wenn ich fliegen will, müssen wir mindestens sechs Leute sein. Das ist eher ein Teamsport, damit man so einen Flieger in die Luft bekommt.“

15 Stunden in der Luft

Da der Doppelsitzer ASK13, mit dem Anica das Fliegen lernt, keinen Motor hat, muss das Flugzeug in die Luft geschleppt werden. Das sieht ungefähr so aus: Auf der einen Seite des Platzes steht das Flugzeug, am anderen Ende ein LKW, der einen Kilometer Seil auf einer Winde geladen hat.

Dieses Seil wird am Segelflieger eingehängt. Beim Start des Fliegers wird das Seil wieder schnell eingezogen, so gewinnt der Segler rasant an Geschwindigkeit und hebt ab. „Da wirst du wie in der Achterbahn richtig schnell beschleunigt“. Ist der Flieger in der Luft, löst sich das Seil selbst vom Flugzeug.

Anfangs war sie vor jedem Start sehr nervös: „Es gibt so viele Dinge, auf die du gleichzeitig achten musst: Wie steige ich? Wie schnell bin ich? Wie schnell werde ich angezogen?“ Doch mittlerweile, nach insgesamt 15 Flugstunden in der Luft, weiß sie, was zu tun ist. Auch nach der Winterpause. „Es ist wie Radfahren. Kann man es einmal, muss man nur wieder reinkommen.“ Ist sie dann um die 500 Meter in der Luft, muss Anica Thermik finden, um möglichst lange und gut oben zu bleiben.

Ihr längster Flug ging bisher über eine Stunde und 20 Minuten. Ansonsten fliegt sie Platzrunden. Die dauern je nach Wind etwa fünf Minuten. Das ist nicht viel, aber Ziel dabei ist es, das Starten und Landen zu üben. „Das mache ich dann drei- oder viermal, dann ist der Nächste dran.“

Segelfliegen statt reiten

Gerade sind es um die 20 Jugendflugschüler in Cham. Mit der Ausbildung beginnen kann man bereits mit 13 Jahren. Mit 14 darf man frühestens das erste Mal alleine fliegen und mit 16 Jahren dann die Prüfungen ablegen. „Als ich angefangen habe, hat der Verein Nachwuchs gesucht, jetzt sind wir einige und sogar mehr Mädels als Jungs. Das finde ich toll“, sagt Anica.

Im Verein sind ein paar Leute, die miteinander verwandt sind. „Weil der Vater und der Opa auch schon geflogen sind, macht der Sohn das nun auch.“ Das sei nicht so wie beim Fußball, dass man einfach mal zum Training geht. Hier fliegt über mehrere Generationen derselbe Kreis an Leuten. Von außen kommen nicht so oft neue Leute dazu. Das findet Anica schade.

Weniger Höhenangst

Auch dass der Sport als etwas gesehen wird, das nur wohlhabende Leute machen können, ist aus ihrer Sicht falsch. „So viele Leute gehen Reiten, da könnten sie genau so gut Segelfliegen gehen.“ Der Verein stellt die Flugzeuge, die Fluglehrer arbeiten ehrenamtlich. Die Prüfungen kosten in etwa so viel wie der Autoführerschein. Und Mitgliedsbeiträge werden fällig, aber das ist auch bei jedem anderen Verein der Fall. Wirklich teurer als andere Hobbys ist Segelfliegen also nicht.

Fliegen ist für Anica echte Entspannung. „Da kann ich abschalten, denke an nichts anderes“. Auch ihre Höhenangst ist weniger geworden. Die spürt sie vor allem, wenn sie an einer Aussichtsplattform steht und in die Tiefe schauen muss. Zudem hat sie durch die vielseitigen Aufgaben am Flugplatz einiges über den Umgang mit Maschinen und Werkzeug gelernt.

Selbstbewusster sei sie durch ihr Hobby ebenso geworden. „Man ist stolz auf sich, wenn man beim Flug merkt, dass der Lehrer immer weniger eingreift. Oder wenn man das erste Mal ohne Hilfe landet“, sagt Anica. Auf die Frage, wie es nun sei, zu fliegen, antwortet die 18-Jährige: „Es ist mit nichts zu vergleichen und gerade das macht es so wunderbar.“

 

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