Strompreisvergleich Automatisch günstigster Tarif? Das taugen Wechsel-Portale

Automatisch den günstigsten Tarif dank Tarifwechsel-Portal? Die Verbraucherzentrale Bayern sieht Potenzial, warnt aber auch vor schwarzen Schafen in der Branche. (Symbolbild) Foto: Jens Büttner/dpa

Was ist dran an den Tarifwechsel-Portalen, die versprechen, für Strom, Wasser, Gas und mehr immer den günstigsten Anbieter zu finden und auch den Papierkram zu erledigen?

Seit Jahren kennt der Strompreis nur eine Richtung: Aufwärts. Die Angebote der Energieversorger sind unübersichtlich und die Tarif-Pakete wechseln ständig. Umso verlockender das Versprechen einiger Internet-Portale wie Switchup.de, Esave.de oder Wechselfabrik.de, nicht nur den Preisvergleich, sondern direkt auch gleich den Anbieterwechsel im Namen des Stromkunden zu übernehmen. Doch was ist dran am Tarifwechsel auf Autopilot?

Das Magazin „Finanztest“ von Stiftung Warentest bewertete in der Ausgabe 4/19 der Mehrzahl der Dienstleister positiv: Von neun Anbietern bekamen sieben das Prädikat „empfehlenswert“, beziehungsweise „sehr empfehlenswert“. Mit Bestnoten schnitten in dem Test in der ersten Jahreshälfte 2019 Esave.de, Switchup.de, Wechselpilot.com und Wechselstrom-ac.de ab. Gute Bewertungen erhielten auch Cheapenergy24.de, Switchandsave.de und Wechselfabrik.de. In ihrer prinzipiellen Vorgehensweise gleichen sich demnach die Portale. Sie unterscheiden sich darin, wie einfach sie jeweils zu bedienen sind und wie transparent sie mit den Tarif- und Vertragskonditionen umgehen.

Die Verbraucherzentrale (VZ) Bayern bestätigt gegenüber idowa, dass im Grundsatz mit den seriösen Anbietern der Branche durchaus Einsparpotenziale zu heben sind: „Die empfehlenswerten Wechseldienste können durchaus eine Ersparnis von 20 bis 30 Prozent erzielen.“ Möglich sei das vor allem, weil „die Tarife doch erheblich divergieren“. Gerade für sogenannte „bequeme Kunden“, die sich nicht selbst um Preisvergleiche und die Wechselformalitäten kümmern wollen und normalerweise über Jahre beim gleichen Anbieter bleiben würden, können die Wechselhelfer Sinn machen.

„Größtes Einsparpotenzial durch die Wechselprämien“

Wie aber funktioniert das Geschäftsmodell? Letztlich muss bei den Wechsel-Anbietern mit der Ersparnis der Kunden Geld verdient werden: „Für die Arbeit verlangen die meisten Dienste eine Provision von 20 bis 30 Prozent der erzielten Ersparnis. Teilweise ist diese Provision vom Kunden, teilweise vom Stromversorger zu zahlen“, schreibt die VZ Bayern.

30 Prozent der Ersparnis nimmt auch das ostbayerische Startup „Wechselfabrik.de“ aus Mainburg. Geschäftsführer Christoph Hermann sagt im Gespräch mit idowa: „Hauptsächlich ist es der Neukundenbonus und andere Bonus-Zahlungen, über die die Anbieter versuchen, neue Kunden zu gewinnen. Genau da ist auch die größte Ersparnis zu holen. Man muss in jedem Jahr die Wechsel- und Neukunden-Prämien abholen. Natürlich gibt es auch Anbieter, die einfach günstiger sind, bei denen man dann auch mehrere Jahre bleiben kann. Leider ist unsere Erfahrung, dass bei 98 Prozent der Anbieter in den Folgejahren dann die Preiserhöhung kommt und man wieder wechseln muss.“

Leider gibt es natürlich auch schwarze Schafe in der Branche. Hier kommt die Abzocke meist durch die Hintertür. Wichtig ist laut den Experten der Verbraucherzentrale Bayern: das „Kleingedruckte“ auf der Seite lesen. „Behält sich ein Anbieter vor, Profile zu bilden oder die Daten an Dritte weiterzugeben, etwa zu Werbezwecken, sollte man Abstand nehmen.“ Wer hier nicht aufpasst, landet in den berüchtigten Datenbanken der Internet- und Telefon-Spammer – und zahlt für den vermeintlich günstigen Tarif unverhofft mit einem zugemüllten E-Mail-Postfach. Unklare Regelungen zum Datenschutz war einer der Gründe, weshalb eines der getesteten Portale bei Finanztest durchgefallen ist.

Energieversorger sind skeptisch

Die Energieversorger sehen das Geschäftsmodell der Stromwechsel-Portale naturgemäß kritischer. Doch die Begründung eines der Anbieter mutet überraschend an. Der Zeitgeist sei schon wieder ein anderer: „Wir stellen aktuell eine Tendenz fest, dass sich Kunden ganz bewusst für einen Energieanbieter entscheiden und bei der Wahl neben dem Preis verstärkt auch auf andere Faktoren wie Verlässlichkeit und Service achten“, schreibt Eon Energie Deutschland: „Dazu haben sicher auch die Insolvenzen in den vergangenen Jahren beigetragen, die viele Kunden verunsichert und ihren Blick auf Discounteranbieter geschärft haben.“ Für den Kunden sei der Preis nicht mehr alleinige Richtschnur des Handelns, „denn besonders günstige Tarife gehen nicht selten mit Einsparungen im Service oder sogar mit einer Preispolitik einher, die dem ausgeprägten Wettbewerb auf dem Strommarkt langfristig nicht standhalten kann.“

Vor Angeboten, die „zu günstig sind, um wahr zu sein“ ist auch Christoph Hermann von Wechselfabrik.de auf der Hut: „Zum einen informieren wir uns gut über die Anbieter. Wir beobachten die Veröffentlichungen des Verbraucherschutz Bayern, wir lesen Erfahrungsberichte. Wir schauen uns außerdem die AGB auf den Webseiten der Anbieter an und bewerten sie nach Aspekten, die unserer Erfahrung nach ausweisen, dass es seriöse Unternehmen sind. Die Kontaktdaten zum Beispiel. Wir bauen uns natürlich auch mit jeder Vermittlung einen Erfahrungsschatz auf.“ Anbieter, bei denen es wiederholt Probleme gibt, kämen auf eine Blacklist und werden nicht mehr vermittelt. Gleichzeitig kümmert sich das Unternehmen eigenen Angaben zu Folge um die Rückabwicklung: „Grundsätzlich ist das Problem dann nicht, dass man nicht mehr an seine Zahlungen käme – es ist aber unter Umständen sehr aufwändig. Es gibt Firmen, die zahlen pauschal die Bonuszahlungen nicht. Da muss man dann hinterher schreiben. Und wir bleiben halt einfach dran, bis alles stimmt. Das ist etwas, was man als Privatanwender selten macht, weil man nicht die Zeit dafür hat.“

Unterm Strich bewerten Finanztest und Verbraucherzentrale die Wechselhelfer als positiv, dennoch empfiehlt die Verbraucherzentrale Bayern „sich auf der Suche nach einem Anbieter ausreichend Zeit zu nehmen, die Angebote zu vergleichen und auf die Testergebnisse von neutralen Einrichtungen zurückzugreifen.“

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