Usbekistan Usbekistan lockt mit Prachtbauten und orientalischem Flair

Abendstimmung in Samarkand Registan, dem "sandigen Platz". Foto: Rainer Hamberger

Eigentlich ist es um diese Zeit dunkel. Doch zahlreiche Straßenlaternen beleuchten auch zu später Stunde die Marktstände: kalte Getränke, Eis, Seidenschals und dazwischen kurven Kinder in Mini-Elektro-Autos.

Der Weg zum berühmten Registan-Platz führt genau hier vorbei. Wer hofft da nicht noch ein paar tausend Soms der einheimischen Währung zu verdienen. Viele Besucher verteilen sich auf Treppen und der Aussichtsplattform mit Stativen und Kameras vor den Palästen. Der "sandige Platz" - was Registan bedeutet - ist in Scheinwerfer-Licht getaucht. Flankiert von drei Medresen, den Koranschulen, ist er ein Wahrzeichen Samarkands in Usbekistan. Intensive Renovierungsarbeiten verhindern den Zerfall der bereits beschädigten Anlage. Zu den ältesten dieser Bauwerke in Samarkand gehört die nach dem berühmten Astronomen Ulugh-Beg genannte. Durch das gewaltige Eingangstor, den Iwan, gelangen Besucher in einen Innenhof, wo allerlei Kunsthandwerk feilgeboten wird.

Mobiltelefone und goldbedeckte Zähne

In der Gräberstadt Schah-i Sinda in Samarkand herrscht reges Leben. Viele Usbeken sind hier unterwegs auf Pilgerreise als Ersatz für Mekka. Angeblich ist an diesem Ort die Zufluchtsstätte und das Grab eines Cousins von Prophet Mohammed. Die mit blauen Fliesen geschmückten Mausoleen - Beispiel timuridischer Baukunst aus dem 14. Jahrhundert - glänzen fast unwirklich in der Sonne. Der Reiseführer hat nicht zu viel versprochen.

Genauso farbenprächtig ist die traditionelle Kleidung usbekischer Frauen, die aus allen Teilen des Landes unterwegs sind. In dem ungefähr 450.000 Quadratkilometer großen zentralasiatischen Land leben rund 31 Millionen Menschen. Davon sind 80 Prozent Usbeken. Die übrige Bevölkerung besteht unter anderem aus Russen, Tadschiken und Kasachen. Fast 90 Prozent sind muslimisch, wobei der Staat ein Auge auf das Geschehen in den Moscheen hat. Extremistische Auswüchse würden das zarte Pflänzchen Tourismus schnell zunichte machen, zumal eine wachsende Zahl europäischer Besucher inzwischen diesen kulturell interessanten Teil Asiens als Reiseziel entdeckt hat. Seit Jahresbeginn ist die Visumpflicht abgeschafft und Tourismus verspricht dringend benötigte Deviseneinnahmen.

"Where are you from?" Die schüchtern gestellte Frage kommt von einem Schüler, der mit seiner Klasse in den Mausoleen unterwegs ist. Wahrscheinlich können sie sich nicht vorstellen, wo genau dieses "Germany" liegt. Doch schon kommen Handys aus der Tasche und die Begegnung wird fotografisch festgehalten.

Dies hat Neugierige angelockt. Auch sie wollen von und mit den "Fremden" abgelichtet werden. Stolz zeigen Frauen ihre mit Gold bedeckten Zähne, Statussymbol für gewissen Wohlstand. Meistens jedoch das Todesurteil für die darunter befindlichen Originale. Die offene Freundlichkeit der Bevölkerung und überall zufriedene und glückliche Kinder trotz widriger Lebensumstände erstaunen immer wieder. Durch Usbekistan führte einst auch die legendäre Seidenstraße. Über den wichtigen Handelsweg zwischen China und Persien (bzw. Europa) wurden bereits im Zweiten Jahrhundert v. Chr. über verschiedene Routen Waren ausgetauscht. Besonders begehrt bei den Römern war Seide, die zeitweise in Gold aufgewogen wurde.

Auf den Straßen wird gefeilscht und gehandelt

Für Europäer nicht ganz nachvollziehbar ist die Verehrung des Volkshelden Amir Timur, der von 1336 bis 1405 lebte. Einst ein dörflicher Söldner, eroberte er mit ungeheuerlicher Machtgier und anscheinend genialer, sprich grausamster Kriegskunst, Landesteile weit über die Grenzen des heutigen Usbekistans hinaus. Für seine mächtigen Bauvorhaben nahm er Architekten und Künstler auf seinen Raubzügen gefangen. Jedoch behandelte er die am Bau Beschäftigten gut, indem er ihnen sogar Fleischbrocken zuwarf, um sie bei Kräften zu halten.

"Sie kommen, sie kommen!" Es herrscht Aufregung auf den Straßen in Buchara. Alle lassen sich von der Festivalstimmung mitreißen, die den beiden einst wichtigsten Handelsgütern der Seidenstraße gewidmet ist: Seide und eine Vielzahl an Gewürzen. Mit schrillem Getröte melden Herolde auf edlen Pferden den Beginn des Umzugs.

"Dort in dem roten Kleid, das ist meine Tochter, ist sie nicht wunderschön?", übersetzt der örtliche Reiseleiter die Ausrufe einer Einheimischen. Der Landessprache nicht mächtig, gelingt es mit einem Lächeln und Nicken die Begeisterung der fremden Nachbarin zu teilen. Nicht nur die Bewohner der ganzen Stadt präsentieren sich in farbenfrohen Kleidern. Von überall her sind sie angereist, um an diesem Fest teilzunehmen.

Im modernen Teil der Veranstaltung lassen sich Jugendliche von verrückten Karussells durcheinanderwirbeln. Spontan wird getanzt, Jung und Alt gibt sich mit Begeisterung den Rhythmen hin. Stände mit Seidenstoffe säumen die Straße. Von dem Angebot wird reger Gebrauch gemacht. Es wird heftig gefeilscht und gehandelt. Farbige Gewürze mit intensivem Duft locken Käufer an. Kaum jemand kann den getrockneten Früchten und Süßigkeiten widerstehen. Und in vielen Geschäften werden wertvolle Teppiche angeboten, für die diese Stadt schließlich so bekannt ist.

Weitere Informationen

Usbekistan liegt zwischen Iran, Kasachstan und China in Zentralasien. Es wird von Frankfurt aus täglich angeflogen. Ein Visum ist nicht erforderlich. Beste Reisezeit sind die Monate April/Mai oder im Herbst. Wikinger Reisen veranstaltet verschiedene Wanderstudienreisen in die Region. Näheres unter www.wikinger-reisen.de

Übrigens: Die Einzelausgabe des ePapers, in dem dieser Artikel erscheint, ist ab 16. Juli 2019 verfügbar. Klicken Sie auf ePaper und geben Ihren Suchbegriff ein. Es werden Ihnen dann alle Ausgaben angezeigt, in denen sich der Artikel befindet.

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