Universitäten in Bayern Auch die Uni Regensburg jagt Plagiate digital

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) wurde Anfang 2019 Schummelei bei ihrer Promotionsarbeit vorgeworfen. Eine Entscheidung ihrer Hochschule steht noch aus. Foto: Britta Pedersen/dpa

Der wohl bekannteste Fall hatte an der Uni Bayreuth promoviert: Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg musste 2011 einräumen, dass er bei seiner Doktorarbeit geschummelt hatte – sein Doktortitel wurde ihm aberkannt. Seitdem machen immer wieder Meldungen über Arbeiten von bekannten Persönlichkeiten die Runde, die möglicherweise fehlerhaft sein könnten. Bayerns Universitäten setzen bei der Überprüfung zunehmend auf digitale Unterstützung.

Einige Hochschulen verwenden mittlerweile eine Plagiatssoftware, andere gleichen Textpassagen über Suchmaschinen im Internet ab - und manche setzen nach wie vor fast ausschließlich auf die Aufmerksamkeit der Prüfer. Das zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den großen Universitäten in Bayern.

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Wie viele Studenten und Doktoranden bei ihren wissenschaftlichen Arbeiten Plagiate abgeben und so im Wortsinn zum "Dieb geistigen Eigentums" werden, lässt sich nicht für ganz Bayern beziffern. Denn einige Unis - darunter Augsburg, Passau, Eichstätt und die LMU München - führen keine Statistik über die Plagiatsfälle. "Es gibt bislang weder bundes- noch landesweit eine Rechtspflicht zur Erhebung relevanter Anfragen oder Fälle", sagt eine Sprecherin der Universität Bayreuth.

Uni Regensburg erkennt fünf Titel in 20 Jahren ab

An der Technischen Universität München gab es nach Angaben eines Sprechers seit 2012 drei Plagiatsfälle von angehenden Doktoren - sie schummelten demnach im Promotionsverfahren. Fünfmal hat die Universität Regensburg in den vergangenen 20 Jahren einen zuerkannten Titel wieder aberkannt. In Bamberg hat seit dem Jahr 2000 nachweislich nur ein Doktorand bei der Abschlussarbeit abgeschrieben.

An der Universität Würzburg, schätzt ein Sprecher, wird etwa fünfmal im Jahr entdeckt, dass bei einer Abschlussarbeit - auch im Bachelor- und Masterbereich - geschummelt wurde. Erkannt werden die abgeschriebenen Texte unter anderem mit einer Plagiatssoftware. Das Programm überprüft den Fließtext der Arbeit, vergleicht ihn mit veröffentlichten wissenschaftlichen Schriften und mit Internetquellen.

Auch Google kann helfen

Eingesetzt wird diese Möglichkeit mittlerweile bei den meisten Unis. In Regensburg beispielsweise wird laut Sprecherin mit Plagiatssoftware und mit Suchmaschinen im Internet gearbeitet - beispielsweise mit der Google-Freitext-Suche.

Auf wenig Gegenliebe stößt eine derartige Software bisher allerdings in Bamberg: "Die Universität Bamberg bietet ihren Lehrenden derzeit keine zentrale und flächendeckende Unterstützung zum Einsatz von Plagiatssoftware und empfiehlt auch den einzelnen Fächern, den Einsatz solcher Software nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn alle datenschutzrechtlichen Fragen geklärt sind", betont eine Sprecherin. "Die Software muss die Schutzrechte der Verfasserinnen und Verfasser einhalten; das ist derzeit bei vielen Lösungen noch nicht hinreichend gegeben."

In Bamberg und Eichstätt setzt man auf Erfahrung

Zudem kämen die softwaregestützten Überprüfungen ohnehin sehr schnell an ihre Grenzen: "Eine mit der Schreibmaschine auf Durchschlagpapier eingereichte und in wenigen Bibliotheken archivierte Arbeit wird niemals digitalisiert und ist damit nicht auffindbar", sagt die Sprecherin. Vielmehr vertraue die Uni verstärkt auf die fachliche Kompetenz des Prüfers und seine langjährige Erfahrung. Auch die Universität Eichstätt setzt verstärkt auf ein gutes Betreuungsverhältnis zwischen Dozent und Studierenden. "Eine Diskrepanz zwischen der Leistung in den Lehrveranstaltungen und denen in einer Abschlussarbeit würde somit schnell zu Tage treten", sagt eine Sprecherin.

Wird ein Betrug nachgewiesen, handeln die Unis im Prinzip gleich: "Wenn ein Plagiat bei Abschluss- und Seminararbeiten entdeckt wird, wird die entsprechende Arbeit als "nicht bestanden" beziehungsweise "nicht ausreichend" bewertet", erklärt ein Sprecher der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Einzelfälle müssen betrachtet werden

Seine Kollegin an der Uni Passau betont aber, dass es ein sehr breites Spektrum von Fällen gebe: "Vom unbeabsichtigt schlampigen Zitat bis hin zu bewusst wörtlich abgeschriebenen Passagen." Hier müsse jeder Einzelfall betrachtet werden. In schwerwiegenden oder wiederholten Fällen kann ein Plagiat letztlich zur Exmatrikulation führen. "Bei Promotionen wird das Promotionsverfahren eingestellt, beziehungsweise der Doktorgrad entzogen", sagt der LMU-Sprecher und verweist wie auch viele andere Sprecherkollegen auf den "Verfahrensleitfaden zur guten wissenschaftlichen Praxis", den die Deutsche Forschungsgemeinschaft veröffentlicht hat, um den Hochschulen beim Umgang mit Verdachtsfällen zu helfen.

Internet senkt das Unrechtsbewusstsein

Das Internet und die Suchmöglichkeiten nach ähnlichen Textpassagen sehen die meisten Unis durchaus als Gewinn im Kampf gegen Plagiate. "In Zeiten des Internets ist es zweifellos einfacher geworden, Plagiate aufzudecken", sagt ein Sprecher der Augsburger Universität.

Allerdings habe sich das Problem durch die Verfügbarkeit von Inhalten im Internet aber auch verschärft, erklärt seine Kollegin von der Uni Würzburg. "Sicherlich spielt hier auch ein fehlendes Unrechtsbewusstsein mit." Die Internetgeneration sei es mittlerweile schlicht und ergreifend gewohnt, Informationen aus dem Internet zu entnehmen.

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