Umsatztief durch Corona So geht es Brauereien in Ostbayern

Der Hahn ist zu: Geschlossene Wirtshäuser und abgesagte Veranstaltungen machen den Brauereien am meisten zu schaffen. (Symbolbild) Foto: dpa

Die Corona-Krise hat den Bierabsatz in Deutschland auf ein historisch niedriges Maß gedrückt. Auch in der Region leiden kleine und große Brauereien gleichermaßen an geschlossenen Wirtshäusern und abgesagten Großveranstaltungen. Manche wissen sich kreativ zu helfen, andere müssen in der Krise drastische Maßnahmen ergreifen.

Die Brauereien in Deutschland setzten im von Covid-19 geprägten Jahr 2020 rund 8,7 Milliarden Liter Bier ab – 5,5 Prozent weniger als im Jahr 2019, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden berichtete. Es war der niedrigste Wert seit der Neufassung des Biersteuergesetzes im Jahr 1993, das die Grundlage der Statistik bildet. Den Brauern fehlten im Jahr 2020 vor allem die Feste und Großveranstaltungen, die zur Abwehr der Pandemie abgesagt worden waren. Auch die Schließungen von Gaststätten und Restaurants führten zu weniger Bierkonsum. 

Diese Entwicklung geht natürlich auch an den Brauereien in der Region nicht spurlos vorbei. Übereinstimmend berichten die Brauer, dass sie den bundesweiten Trend bestätigen könnten – denn sie erfahren ihn am eigenen Leib. Georg Siegl von der kleinen Brauerei Hintereder in Cham leidet primär unter der geschlossenen Gastronomie. "Die Leute sind natürlich zudem verängstigt und meiden private Treffen, bei denen Bier getrunken wird", sagt er. "Aber die sind momentan natürlich sowieso verboten." Für das Jahr 2021 wird Siegl seine Kühlwägen und Garniturenanhänger abmelden, weil er davon ausgeht, dass keine Vereinsfeste oder ähnliches stattfinden werden. "Außerdem kann ich weniger Biersude produzieren und brauche deshalb auch weniger Rohstoffe", erklärt der Braumeister. "Insgesamt erziele ich weniger Gewinn, was leider auch bedeutet, dass ich kurzfristig Personal in Kurzarbeit schicken oder sogar kündigen muss." Siegl wünscht sich beim Bier ein regionaleres Kaufverhalten, das in seinen Augen Manches abfedern würde.

"Bier und Geselligkeit, das gehört zusammen"

Auch die Privatbrauerei Stöttner aus Pfaffenberg im Landkreis Straubing-Bogen setzte 2020 ohne Fahenweihen, Vereins- und Volksfeste weniger Bier ab. Das Minus habe sich aber noch im Rahmen gehalten und sei nicht so drastisch wie der bundesweite Rückgang von 5,5 Prozent, sagte Brauereichef Andreas Stöttner. Während im ersten Lockdown das Wetter noch gut genug war, dass sich die Menschen zuhause mit einer Halbe Bier auf die Terrasse setzen konnten, brach der Absatz im zweiten Lockdown im Winter deutlich ein. „Sollte 2021 wieder alles ausfallen, wäre das schon ein schwerer Schlag, auch gesellschaftlich – Bier und Geselligkeit, das gehört zusammen," betont Stöttner. "Da haben wir schon Angst, dass das alles den Bach runter geht." 

Auffangen will man den rückläufigen Bierabsatz bei Stöttner mit Marketingaktionen: Unter anderem wird die Privatbrauerei in diesem Jahr „Biergeburtstag“ feiern: Ein Bier ist seit 65 Jahren im Sortiment, ein anderes wird 20 Jahre alt. Seit einem Jahr hat die Brauerei auch einen eigenen Getränkemarkt eröffnet. „Das war eine gute Idee, das hilft wirklich“, sagt Stöttner. „Es tut als Brauerei auch gut, wenn man etwas direkt vermarkten kann.“ Der Kauf von Bieren und Getränken aus der Region sei gerade in der Corona-Krise für die kleinen Brauereien überlebenswichtig, betont der Brauereichef.

"Es geht mehr verloren, als aufgeholt wird"

Josef Kell, Brauereidirektor bei Wittmann in Landshut, sieht den dortigen Umsatzrückgang ungefähr im bundesweiten Schnitt. "In den letzten Monaten war es sogar noch drastischer", sagt er. "Da reden wir eher von zehn Prozent Minus beim Umsatz – im Sommer war es dank der geöffneten Biergärten natürlich etwas besser." Bei der Brauerei Wittmann ist man dankbar für die Kurzarbeiter-Regelung, weil damit qualifiziertes Personal gehalten werden kann. "Wir brauchen die Leute ja, wenn sich die Lage mal wieder normalisiert", sagt Kell. "Insgeheim rechnen wir schon ein bisschen damit, dass wir ab Juni oderJuli  wieder normal arbeiten können, aber das hängt natürlich auch vom Vorankommen der Impfung und anderen Faktoren ab." Auch in Landshut hat man festgestellt, dass der Bierverkauf im Einzelhandel durch die Pandemie gestiegen ist. "Aber durch die abgesagten Feste geht uns unterm Strich mehr verloren, als dadurch aufgeholt wird." 

Konkrete Pläne hat man bei Wittmann für das Jahr 2021 nicht. "Wir fahren da komplett auf Sicht", sagt der Brauereidirektor. "Und wir nutzen die ansonsten verlorene Zeit, um neue EDV-Systeme zu installieren, organisatorische Probleme zu beheben und die Infrastruktur zu optimieren." Letztlich schöpft man in der Landshuter Brauerei Hoffnung aus der langen Tradition. "Uns gibt es jetzt schon seit mehr als 400 Jahren", sagt Direktor Josef Kell. "Wir haben zwei Weltkriege überstanden – da werden wir dieses Corona jetzt auch noch schaffen." 

Auch bei mehreren Brauereien im Landkreis Dingolfing-Landau sah es 2020 eher schlecht aus, wie Sie hier mit idowa.plus lesen können: Brauereien haben mit Absatzrückgang zu kämpfen.

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