Umfrage der Woche So stehen idowa-Leser zur 10H-Regel in Bayern

Laut der 10H-Regel darf ein Windrad nicht näher als seine zehnfache Höhe an einem Wohngebiet stehen – und viele unserer Leser finden das auch sehr gut so. (Symbolbild) Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Die Bundesregierung plant unter anderem auch eine Abschaffung der sogenannten "10H-Regel" für Windräder in Bayern, um den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben. Sollte dies umgesetzt werden, könnten Windräder künftig auch näher als ihre zehnfache Höhe an Wohngebieten stehen. Unsere Leser sind hier geteilter Meinung – aber es gibt eine Tendenz.

"Noch im ersten Halbjahr 2022 will die Bundesregierung gemeinsam mit Ländern und Kommunen alle notwendigen Maßnahmen anstoßen, um die Erneuerbaren schneller auszubauen und die dafür notwendigen Flächen zu organisieren", sagte von der bayerische Grünen-Chef Thomas von Sarnowski Ende Dezember 2021. Dazu gehören laut einer Sprecherin auch Planungen zu einem Ende von 10H. 

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) unterstützt den Vorschlag. "Wir müssen leider feststellen, dass die 10H-Regelung ein Fehlschlag war, also brauchen wir sie auch nicht mehr", sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt Mitte Januar diesen Jahres. Die CSU wiederum ist anderer Ansicht: Generalsekretär Markus Blume hatte zuvor betont, dass an der 10H-Regel nicht gerüttelt werden solle. 

Auch Bayerns Landräte würden die 10H-Regel gerne behalten. Der Deggendorfer Landrat und Landkreistagspräsident Christian Bernreiter (CSU) sagte am Freitag: "Der ländliche Raum ist nicht dazu da, den Energieversorger für den Verdichtungsraum zu spielen, solange Potenziale in den Städten, beispielsweise auf den Dächern, nicht umfassend genutzt werden." Seehofer hatte die 10H-Regel 2014 eingeführt, weil es in Teilen der Bürgerschaft großen Widerstand gegen die Anlagen gab und gibt. Seither muss der Abstand eines Windrads zur nächsten Siedlung im Regelfall das Zehnfache der Bauhöhe betragen – der Bau von Windrädern in Bayern ist seither nahezu zum Erliegen gekommen. 

Ist eine Abschaffung der umstrittenen Regel also dringend nötig, um den schwächelnden Ausbau der Windkraft in Bayern wieder in Schwung zu bringen, oder lediglich Schikane für die Menschen in Bayern, die dann möglicherweise deutlich näher an lauten Windrädern leben müssten? Dass diese Frage auch unsere Leser umtreibt, zeigen die 2.102 Antworten, die wir auf unsere letzte Umfrage der Woche erhalten haben.

Mehrheit der Leser befürwortet die 10H-Regel

Die Befürworter der 10H-Regel liegen dabei relativ deutlich vorne: 995 Abstimmende oder rund 47 Prozent finden, dass sie bleiben sollte, und erklären, sie würden nicht in unmittelbarer Nähe eines Windrads leben wollen. 677 Menschen (etwa 32 Prozent) finden hingegen, dass eine Abschaffung der Regel längst überfällig sei, und berufen sich auf die Vorteile für den Ausbau der Erneuerbaren. 430 oder etwa 20 Prozent der Abstimmenden gehen den Mittelweg und sprechen sich dafür aus, dass die Regel lediglich angepasst werden sollte – beispielsweise, indem der Mindestabstand verkürzt wird. 

Ein Blick in die Kommentarspalte unter unserem Facebook-Post zur Umfrage zeigt, dass dort die Gegner einer Abschaffung in der Mehrzahl sind. "Wer eine solche Frage stellt, wohnt definitiv nicht neben einem Windrad das unter der 10H Regel gebaut wurde", schreibt jemand, ein anderer Nutzer hat einen zynischen Vorschlag: "Hoffentlich ist in der Nähe von Herrn Habecks Haus Platz für ein solches Windrad, wäre mal gespannt, ob er dann auch noch so schlau reden würde."

Mehrere User führen auch die Bedeutung der 10H-Regel für bayerische Natur an. "Beim Natur- und Landschaftsschutz dürfen keine Kompromisse gemacht werden", schreibt einer und ein weiterer findet es fragwürdig, "dass zukünftig der Artenschutz bei Bedarf zu Gunsten des Klimaschutzes ausgehebelt werden kann. Soviel zu den Grünen und Umwelt-/Tierschutz!" Auch auf Facebook findet sich aber ein Argument für die Abschaffung: "Die depperte 10H-Regel muss fallen!", schreibt ein User und fügt an: "Was war das für eine Aufregung, als in Weihbüchl ein Windrad gebaut wurde – heute fällt es keinem Menschen mehr auf."

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