Umfrage der Woche So sehen unsere Leser eine mögliche AKW-Laufzeitverlängerung

Atomkraftwerke: Heilsbringer in der Energiekrise oder nach wie vor zu gefährlich? Vergangene Woche wollten wir genau das von unseren Lesern wissen – mit eindeutigem Ergebnis. (Symbolbild) Foto: Francois Mori/AP/dpa

Um die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine auf die deutsche Energieversorgung abzufedern, wird aktuell auch wieder darüber diskutiert, die Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern, anstatt sie wie geplant abzuschalten. "Atomkraft, ja bitte!" also? Unsere Leser haben zumindest eine klare Tendenz.

In der Debatte hatte sich unter anderem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zu Wort gemeldet und eine Laufzeitverlängerung "um drei bis fünf Jahre" gefordert. Dies sei technisch möglich, sagte er – ob es politisch gewollt sei, sei ein anderes Thema. Auch Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) stellte die generelle Absage des Bundes zur Laufzeitverlängerung in Frage. Wirtschafts- und Umweltministerium in Berlin hatten die Machbarkeit zuvor geprüft und erklärt, die Maßnahme sei vom Tisch. Längere Laufzeiten seien weder sinnvoll noch vertretbar, sagte Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne): "Einem kleinen Beitrag zur Energieversorgung stünden große wirtschaftliche, rechtliche und sicherheitstechnische Risiken entgegen."

Glauber hingegen betonte: "Der Krieg in der Ukraine hat alles verändert." Jetzt müsse mit ganzer Kraft der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangebracht werden, damit weniger Rohstoffe nach Deutschland importiert werden müssten – eine vorübergehende Weiternutzung der Kernkraft sei aber auch denkbar. "Die Entscheidung über eine Laufzeitverlängerung trifft der Bund. Fakt ist: Die Vorbereitungen für das endgültige Aus der Atomkraft in Bayern sind in vollem Gang", sagte Glauber. Der Bund müsse sich zügig positionieren.

Befürworter der Laufzeitverlängerung klar in der Überzahl

Eindeutig positioniert haben sich 2.428 Leser in unserer Umfrage zum Thema. Mehr als die Hälfte von ihnen, 1.414 Leser, halten die Laufzeitverlängerung für eine gute Idee und finden, dass die Bundesregierung hier ihren Kurs korrigieren sollte. 712 können sich die Weiternutzung der Atomkraft zumindest als Übergangslösung für wenige Jahre vorstellen, lediglich 300 Leser halten Atomkraft insgesamt für zu riskant und sprechen sich dafür aus, die Werke wie geplant vom Netz zu nehmen.

Unter unserem Facebook-Post zur Umfrage wurde wesentlich kontroverser diskutiert, wenngleich auch hier die Befürworter der Laufzeitverlängerung in der Überzahl sind. "Es gibt die nächsten Jahre keine Alternative, um den CO2-Ausstoß zu senken und unsere Stromversorgung einigermaßen zu sichern", schreibt jemand und mehrere Nutzer weisen darauf hin, dass die deutschen Atomkraftwerke immer noch zu den sichersten gehören würden. Viele Kommentierende sind sich einig: "Dazu gibt es keine Alternative!"

Bedenken wegen Lagerung und Sicherheitsrisiken

Manche Nutzer haben aber auch Bedenken – weil sie nahe an Atomkraftwerken wohnen oder sich Sorgen um die Endlagerung von Brennstäben machen. "Wie unsicher diese Kraftwerke sind, sieht man ja gerade in der Ukraine", schreibt jemand und ein anderer Nutzer gibt zu bedenken: "Ein Spinner genügt da und Europa ist auf 10.000 Jahre unbewohnbar – Atomkraft, nein!" Einige User weisen aber auch darauf hin, dass etwa das tschechische Kraftwerk Temelin ohnehin näher an vielen Menschen in Ostbayern liege als Isar 2 bei Landshut – und eine Abschaltung deutscher Kraftwerke aus Sicherheitsgründen daher sinnlos wäre.

Momentan hält die Bundesregierung noch an ihrem "Nein" zur Laufzeitverlängerung fest – allerdings haben die letzten Wochen gezeigt, wie schnell der Ukraine-Krieg scheinbare Gewissheiten ins Wanken bringen kann. Diese Diskussion dürfte wohl noch eine Zeit lang weitergehen.

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