Umfrage der Woche Kein Billigfleisch mehr bei Aldi und Co. – eine gute Idee?

Aldi sieht sich mit der Ankündigung als Vorreiter. Andere Discounter wie etwa Lidl haben bereits angekündigt, nachziehen zu wollen. (Symbolbild) Foto: glomex

Der Discounter Aldi hat Ende Juni angekündigt, bis 2030 Fleisch aus seinem Sortiment verbannen zu wollen, das in reiner Stallhaltung produziert wird – umgangssprachlich auch "Billigfleisch" genannt. Andere Supermarkt-Ketten wollen nachziehen, von Tierschützern gibt es Lob. Wie finden Sie die Entscheidung von Aldi? Machen Sie mit bei unserer Umfrage!

Aldi kündigte am 26. Juni an, bis 2030 den Verkauf von Fleisch einzustellen, das produziert wird, ohne dass die Tiere jemals an der Luft sind und Sonne sehen. Schon 2025 wollen Aldi Nord und Süd kein Fleisch mehr anbieten, bei dem die Tierhaltung nur die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllt. Tierschützer und Politiker begrüßten die Ankündigung, der Bauernverband forderte, den Worten Taten folgen zu lassen.

Fleisch dürfe keine Ramschware sein, kommentierte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Ankündigung von Aldi. "Entscheidend ist, dass die jetzige Zusage kein PR-Gag ist, sondern am Ende die besseren Preise auch bei den Landwirten ankommen, die mehr fürs Tierwohl tun", forderte die CDU-Politikerin. Zudem müssten auch die verarbeiteten Produkte in den Blick genommen werden.

Aldi und andere große Lebensmittelhändler hatten 2019 ein vierstufiges System der Haltungskennzeichnung eingeführt. Stufe 1 "Stallhaltung" entspricht lediglich den gesetzlichen Anforderungen, in Stufe 2 "Stallhaltung Plus" gibt es etwas mehr Platz. Mehr Raum sowie Frischluft-Kontakt haben die Tiere bei Stufe 3 "Außenklima". Bei Stufe 4 "Premium" haben sie außerdem Auslaufmöglichkeiten im Freien. Auch Biofleisch wird in diese Stufe eingeordnet.

Aldi will bis 2025 vollständig auf Fleisch von Rind, Schwein, Hähnchen und Pute aus der Haltungsform 1 verzichten. Ein Jahr später soll dann ein Drittel des Frischfleisch-Umsatzes aus den Stufen 3 und 4 kommen, derzeit sind es 12 bis 13 Prozent. Ab 2030 will Aldi kein Fleisch der beiden unteren Haltungsstufen mehr verkaufen. Mit diesem Zeitplan gebe Aldi "Landwirten und Verarbeitern über Jahre hinaus Planungssicherheit", sagte Aldi-Nord-Manager Tobias Heinbockel. Aldi Nord und Süd haben nach eigenen Angaben einen Marktanteil von rund 24 Prozent am SB-Fleisch.

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Der Deutsche Bauernverband reagierte zunächst zurückhaltend auf die Ankündigung von Aldi. "Die Haltungsstufen 3 und 4 sind aktuell eine absolute Marktnische", sagte Präsident Joachim Ruckwied. Aber offensichtlich sei der Lebensmitteleinzelhandel nun bereit, "im Einkauf erhebliche Summen aufzuwenden, um mehr Tierwohl angemessen zu honorieren". Lob erhielt der Discounter von Umwelt- und Tierschützern. "Aldis Ankündigung ist ein Meilenstein, der der ganzen Branche zeigt, wo es hingehen muss", kommentierte Stephanie Töwe, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace. "Aldi zeigt der Politik, wohin die Reise gehen sollte", sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder.

Andere Discounter wollen nachziehen

Aldi sieht sich mit der Entscheidung als Vorreiter bei der Umstellung der Haltungsformen. In einer Reaktion auf die Aldi-Ankündigung teilte die Handelskette Rewe mit, sie strebe an, in den Supermärkten und bei der Discount-Tochter Penny bis Ende 2030 "im gesamten Eigenmarken-Frischfleischsortiment (Schwein, Rind und Geflügel) ausschließlich Haltungsformstufe 3 und 4 anzubieten". Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka plant, "kurzfristig auf die Haltungsstufe 1 und längerfristig auf die Haltungsstufe 2 bei Frischfleisch zu verzichten". Die konkreten Ziele will Edeka "aus Wettbewerbsgründen aktuell noch nicht nennen".

Die Handelskette Kaufland zog nach und kündigte Anfang Juli an, "ab sofort" kein frisches Schweinefleisch mehr anzubieten, bei dem die Tierhaltung nur die gesetzlichen Mindestanforderungen erfülle. Das verkaufte Fleisch soll künftig mindestens aus der Stufe 2 "Stallhaltung Plus" stammen, die den Tieren etwas mehr Platz garantiert. Ausgenommen seien allerdings Schweinefilets, die zum Teil importiert werden. Der Discounter Lidl gab zeitgleich bekannt, er wolle ebenfalls bis Ende des Jahres nahezu sein gesamtes Schweinefrischfleischsortiment auf die Haltungsformstufe 2 umstellen.

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