Ultima ratio oder Überreaktion? Gewehre gegen Gefieder – Taubenjagd an Echinger Schule

Legitime Schädlingsbekämpfung oder Überreaktion? Tierschützer werfen dem Freisinger Landratsamt vor, zu schnell zur härtesten Maßnahme gegriffen zu haben. (Symbolbild) Foto: Christophe Gateau/dpa

Was das Landratsamt Freising als Maßnahme zur Schädlingsbekämpfung genehmigt hat, sorgt bei Tierschützern für Protest. An einer Echinger Schule waren Tauben in den vergangenen Tagen buchstäblich vogelfrei – ein Jäger schoss in regelmäßigen Abständen mit seinem Gewehr auf die Vögel.

Der vermeintliche Feind waren verwilderte Haustauben, die sich anscheinend auf dem Grundstück der Schule eingerichtet und dort vermehrt hatten. Angeblich zum Leidwesen von Schülern und Lehrern, auf jeden Fall aber zum Leidwesen der Gebäudefassade: Wie der Antrag des Schulleiters laut Landratsamtssprecher besagt haben soll, sei der Kot der Tiere überall gewesen.

Aber ist diese Maßnahme nicht buchstäblich mit Kanonen auf – na ja, Tauben geschossen? Wie Robert Stangl, der Pressesprecher des Freisinger Landratsamts, auf idowa-Anfrage mitteilte, hätten alle anderen möglichen Abwehrtaktiken versagt: „Die Abschussgenehmigung ist die ultima ratio“, erklärt Stangl, „zuvor wird versucht, die Tiere zu vergrämen oder einzufangen.“

Laut Landratsamt half weder Einfangen noch Vergrämen. In Abstimmung mit den zuständigen Fachstellen – unter anderem habe das Veterinäramt am Freisinger Landratsamt die Maßnahme tierschutzrechtlich beurteilt und zugestimmt – wurde die Abschussfreigabe für die Tauben erteilt. Diese gelte nur für das Grundstück der Schule selbst.

Vor zwei Wochen ging ein Jäger in Stellung. Wie Vertreter von Tierschutzorganisationen, die nicht namentlich genannt werden wollen, idowa gegenüber erläuterten, hätten erschossene und angeschossene Tiere auf dem Schulgelände und in der unmittelbaren Umgebung gelegen. Nachdem sie mehrere Tiere dort gefunden hatten, verlangten die Tierschützer eigenen Angaben zufolge beim Landratsamt Einsicht in die zugehörigen Akten – diese sei bisher verweigert worden. Es sei auch unverantwortlich, Kindern den Anblick der angeschossenen Tiere zuzumuten, erklärten die Tierschützer weiter.

Während sich in den Kreisen der Tierschützer ein Sturm der Entrüstung zusammenbraut, hält das Landratsamt die Sache für „schon erledigt“. Die „Schädlingsbekämpfung“ habe funktioniert – bereits zum Ende der vergangenen Woche hatte sich die Situation verbessert, sagt Pressesprecher Robert Stangl: „Soweit wir wissen sind die Verschmutzungen bereits weniger geworden. Der Jäger schießt derzeit keine Tauben mehr.“

Allerdings – und das stößt den Tierschützern sauer auf – läuft die Abschussgenehmigung noch knapp zwei Wochen weiter. In dieser Zeit darf im Bereich der Schule weiter auf Tauben geschossen werden. Eine solche Genehmigung vorzeitig außer Kraft zu setzen, ist laut Angaben des Landratsamts „nicht üblich“. Ob die Taubenbekämpfung in dieser Form notwendig war, darüber gehen die Meinungen von Tierschützern, Schule und Behörde ohnehin auseinander.

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