Über zehn Jahre, ein Verein Michael Hamberger: "Vilzing ist immer Dorfverein geblieben"

Michael Hamberger ging für die DJK Vilzing über zehn Jahre auf Torejagd. Foto: Fabian Roßmann

Über zehn Jahre in einem Verein - das kommt selbst im Amateurfußball immer seltener vor. Michael Hamberger hat das geschafft. Zehneinhalb Jahre spielte der Stürmer für die DJK Vilzing. Er erlebte schöne und weniger schöne Zeiten. Letztlich war er in einer Phase des Aufschwungs eines der prägenden Gesichter des Vereins. Nun, in diesem Winter, hat sich der 29-Jährige von den Huthgartenkickern verabschiedet. Weil er beruflich inzwischen in München tätig ist, kann er den Aufwand Bayernliga inklusive Pendeln nicht mehr leisten. Im idowa-Interview spricht Hamberger über seine Zeit in Vilzing, die Entwicklung von sich und dem Verein und seinen Wechsel.

Herr Hamberger, wie schwer ist es Ihnen gefallen, die DJK Vilzing nach zehneinhalb Jahren zu verlassen?
Michael Hamberger: Natürlich ist es mir schwer gefallen, den Verein nach den vielen tollen Jahren zu verlassen. Der Verein war bisher meine fußballerische Heimat, ich kannte jeden einzelnen Fan und meine Familie fiebert bei jedem Spiel mit. Aber auch jede noch so schöne Zeit muss einmal zu Ende gehen.

Was waren die Gründe für Ihre Entscheidung?
Hamberger: Ich arbeite seit Februar 2018 in München und bin somit ein Jahr zu den Trainingseinheiten gependelt. Auf Dauer wurde die Belastung zu groß und ich konnte mich nicht mehr hinreichend auf mein Hobby, den Bayernliga-Fußball, fokussieren. Daher war es für mich nur sinnvoll, nun auch in München Fußball zu spielen.

Wie hat denn im vergangenen Jahr Ihr Tagesablauf ausgesehen beziehungsweise wie waren Arbeit in München und Fußball in Vilzing miteinander zu verbinden?
Hamberger: Anfangs habe ich einmal pro Woche das Abschlusstraining in Vilzing absolviert. Zusätzlich trainierte ich noch einmal in München. Schnell wurde klar, dass dies für das Bayernliga-Niveau nicht ausreicht. Daher habe ich umgehend versucht, sooft es ging zweimal pro Woche bei der DJK mit zu trainieren. An Trainingstagen habe ich mich bemüht, so früh wie möglich in der Arbeit zu sein, um dann gegen 16 Uhr Richtung Vilzing aufzubrechen und pünktlich um halb sieben auf dem Trainingsplatz zu stehen. Nachts gegen 23/24 Uhr war ich dann zurück in München.

"Ich musste durch eine harte Schule gehen"

Sie sind vor zehneinhalb Jahren nach Vilzing gewechselt. Was sind Ihre ersten Erinnerungen an die DJK und Ihre Anfänge im Verein?
Hamberger: Ich bin von Bad Kötzting nach Vilzing in die "alte" Landesliga gewechselt, die vom Niveau her fast mit der heutigen Bayernliga vergleichbar ist. Das erste halbe Jahr war nicht leicht für mich. Wir hatten seinerzeit viele tschechische und ungarische Ex-Profis im Team und ich musste durch eine harte Schule gehen. In meinem zweiten Halbjahr bei der DJK kam ich dann regelmäßig unter Trainer Franz Koller zum Einsatz.

Sie haben mit Vilzing innerhalb kurzer Zeit den Abstieg aus der Landesliga, die Rückkehr in die Landesliga und den Aufstieg in die Bayernliga mitgemacht. Wie haben Sie diese Zeit beziehungsweise dieses Auf und Ab in Erinnerung?
Hamberger: Im Fußball gibt es Höhen und Tiefen. Wie bereits erwähnt, setzte der Verein früher sehr viel auf ausländische Ex-Profis, die aber nicht mehr die letzten paar Prozent Motivation hatten. Der Abstieg in die Oberliga war im Nachhinein ein Glücksfall, denn damals wurde die Personalpolitik komplett umgekrempelt und die neue sportliche Leitung um Roland Dachauer baute eine junge, hungrige Mannschaft auf, die über Jahre im Kern zusammenblieb und auch außerhalb des Platzes harmonierte und somit schließlich die Aufstiege ermöglichte.

Wie hat sich der Verein in den vergangenen Jahren aus Ihrer Sicht entwickelt?
Hamberger: Der Verein hat sich meiner Meinung nach sehr gut entwickelt. Das Stadion ist ein Schmuckstück, die physiotherapeutische Betreuung von Ed und Sabine Van der Weerd ist hervorragend und sucht ihresgleichen. Die Organisation um Karl Wanninger und Roland Dachauer hat in den letzten Jahren viele Dinge in die richtige Richtung angeschoben. Somit kann Vilzing mittlerweile als gestandener Bayernligist bezeichnet werden.

Parallele Entwicklung

Kann man sagen, der Verein und Sie haben sich parallel nach oben entwickelt?
Hamberger: Als Spieler wächst man mit seinen Herausforderungen. Das Niveau in der Bayernliga ist deutlich höher als in der heutigen Landesliga. Ich war über Jahre Stammspieler und Leistungsträger, deshalb traue ich mir zu zu sagen, dass meine Entwicklung parallel mit dem Verein nach oben ging.

Wie würden Sie denn Ihre Entwicklung in den vergangenen Jahren beschreiben, sowohl sportlich als auch menschlich?
Hamberger:Sportlich konnte ich durch die steigenden Herausforderungen stetig mitwachsen. Menschlich muss man ganz klar sagen, dass ich mich aus meiner anfänglich jugendlichen, überschwänglichen Art über die Jahre zu einem verantwortungsbewussten, ruhigeren und gelassenen Typen entwickelt habe. Das Vereinsleben sowie die Emotionen der letzten Jahre prägten mich. Nun werden für mich auch Themen außerhalb des Fußballplatzes immer wichtiger.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht die DJK aus? Was sorgt für das besondere Flair des Clubs?
Hamberger: Vilzing spielt zwar in der zweithöchsten Amateurliga, hat aber nie den Charakter des Dorfvereins verloren. Nach dem Spiel ist das Vereinsheim bis auf dem letzten Platz gefüllt und es kommt schon mal vor, dass der eine oder andere Spieler auf dem Stammtisch mit den Fans versackt. Außerdem sind die Familien und Freunde stark in das Vereinsleben mit eingebunden. Daher würde ich sagen, man kann Hobby und Familie in dem Verein Vilzing sehr gut vereinen. Vilzing ist eine Familie, das zeichnet das Flair aus.

Vilzing spielt aktuell die fünfte Saison am Stück in der Bayernliga. Was war aus Ihrer Sicht entscheidend, damit sich der Verein hier etablieren konnte?
Hamberger: Der Verein hat mit Manfred Zollner einen bemerkenswerten Sponsor, der seit Jahrzehnten den Verein sehr großzügig unterstützt. Zudem gibt es viele weitere Gönner. Ohne diesen finanziellen Rückhalt könnte man nicht in der Bayernliga bestehen. Zusätzlich ist das Management eines Vereins essentiell für dessen Erfolg. Unsere sportliche Leitung leistet seit Jahren gute Arbeit und hat mit Karl Wanninger und Roland Dachauer wichtige Größen, die viel Zeit und Herzblut investieren, um den Laden am Laufen zuhalten sowie die Weiterentwicklung des Vereins anzukurbeln.

Regionalliga? "Wäre dem Landkreis Cham nur zu wünschen"

Was trauen Sie der DJK in Zukunft zu? Sehen Sie das Potenzial für die Regionalliga?
Hamberger: Ich glaube es wäre vermessen, in der aktuellen Tabellensituation von der Regionalliga zu sprechen. Es fehlen noch einige Punkte für den Klassenerhalt und im Fußball darf man sich nie zu sicher sein. Ich glaube allerdings nicht, dass die Verantwortlichen auf Biegen und Brechen in die Regionalliga wollen. Aber wenn die Mannschaft das irgendwann sportlich schaffen sollte, wird ihr das bestimmt nicht verwehrt werden. Es wäre dem Landkreis Cham nur zu wünschen.

In zehneinhalb Jahren haben Sie auch einige Trainer erlebt. Welcher hat Sie besonders geprägt und warum?
Hamberger: Ich hatte bei der DJK Vilzing eigentlich nur gute Trainer, die allesamt ihre Qualitäten haben. Als junger Spieler musste ich durch die harte Schule von Franz Koller, der mir sehr viel abverlangt hat, mir aber auch die Chance gab, in der Landesliga Fuß zu fassen. Sepp Beller hat eine unglaublich gute Ansprache, ist ein besonderer Motivator und eine absolute Respektsperson, unter der ich zum Leistungsträger gereift bin. Uli Karmann ist ein fachlich herausragender Trainer, der jeden einzelnen Spieler weiterentwickelt und das fußballerische Niveau in Vilzing auf eine neue Stufe gehoben hat. Deshalb würde ich sagen, dass dieser Zeitraum mich fußball-technisch am meisten geprägt hat. Eine hohe Meinung habe ich auch von Thomas Seidl, der nach dem Abschied von Uli Karmann seine Sache wirklich gut gemacht hat und dem ich es vergönnt hätte, wenn er längerfristig Coach geblieben wäre. Leider waren zu diesem Zeitpunkt viele Leistungsträger außer Form oder verletzt. Mit Christian Stadler hab ich leider nicht lange zusammengearbeitet, dennoch kann ich sagen, dass Christian sehr authentisch ist und er einer Mannschaft Selbstvertrauen einimpfen kann. Ich wünsche ihm und der Mannschaft den Klassenerhalt.

Was war das Highlight Ihrer Zeit in Vilzing?
Hamberger: Das absolute Highlight war der Aufstieg in die Bayernliga. Der damalige Meisterschaftskampf mit Bad Kötzting war an Spannung nicht zu überbieten. Auf der Zielgerade haben wir uns den Titel noch nehmen lassen und hatten dann vor den Relegationsspielen zig Verletzte. Im entscheidenden Spiel in Affing mussten wir auf mehr als ein halbes Dutzend Stammspieler verzichten und auf der Bank musste DJK-Legende Michal Hoffmann Platz nehmen. Beim Aufwärmen zerrte sich dann auch noch Sebastian Niebauer, der aber dennoch auf die Zähne biss. Am Ende gewannen wir glücklich mit 1:0 und realisierten damit den nicht geglaubten Aufstieg in die Bayernliga. Anschließen hatten wir eine unvergessene Heimfahrt.

Neue Mitspieler "schwer in Ordung"

Jetzt geht's für Sie auch fußballerisch erst einmal in Richtung München. Was erhoffen Sie sich von Ihrer Zeit in Haidhausen?
Hamberger: Ich habe in Haidhausen im vergangenen Jahr schon ein paar Mal mittrainiert und wurde dort sofort super aufgenommen. In der Mannschaft sind sehr gute Spieler und auch menschlich sind meine neuen Mannschaftskameraden schwer in Ordnung. Der Verein ist momentan in der Kreisliga Zweiter und möchte den Aufstieg in die Bezirksliga schaffen. Ich werde versuchen, meinen Teil dazu beizutragen.

Was sind aus Ihrer Sicht im Amateurfußball die großen Unterschiede zwischen Großstadt und ländlicher Region?
Hamberger: Am Land ist die Begeisterung für den Fußball noch größer. Pullach hat beispielweise eine Top-Bayernligamannschaft, die aber oft nur vor 70 oder 80 Zuschauern spielt. An Standorten wie Vilzing, Hankofen oder Kirchanschöring kommen schon mal 500 oder 600 Fans zu gewöhnlichen Punktspielen. Das macht natürlich Spaß, da auf dem Platz zu stehen.

Auf dem Land sucht sich der gute Spieler seinen Verein aus, in der Stadt sucht der Verein den Spieler aus - stimmen Sie dieser These zu?
Hamberger: Das kann ich schwer beantworten, weil ich mich bislang mit dem Fußball in der Großstadt wenig beschäftigt habe. Klar ist, für die Landvereine wird es immer schwieriger, mit einheimischen Fußballern zu kalkulieren. Viele gehen zum Studieren oder Arbeiten in die Großstadt, das spüren natürlich besonders die Dorfvereine.

Wie stehen die Chancen, dass Sie in Zukunft wieder einmal in schwarz-gelb auflaufen?
Hamberger: Die DJK ist meine Herzensangelegenheit und wird es auch immer bleiben. Daher stehen die Chancen gut, dass ich zu gegebener Zeit wieder am Huthgarten auflaufen werden.

 

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