U21-Trainer des SSV Jahn Yavuz Ak: "Regionalliga? Wir wollen die Minimalchance nutzen"

Erfolgreiche Arbeit: In eineinhalb Jahren unter Trainer Yavuz Ak entwickelte sich die U21 des SSV Jahn Regensburg von einem Landesligisten zu einem Regionalliga-Anwärter. Foto: Fabian Roßmann

Zur Winterpause steht die U21 des SSV Jahn Regensburg als Aufsteiger auf Platz vier in der Bayernliga Süd. Weil der Zweitplatzierte Pullach auf den Aufstieg verzichtet, würde aktuell Rang drei zur Relegation berechtigten. Der Rückstand der jungen Jahnler darauf beträgt derzeit bei einem Spiel mehr zwei Punkte. Trainer Yavuz Ak spricht im idowa-Interview über die Chance auf die Regionalliga, die bislang hervorragende Vorbereitung und das Arbeiten mit den jungen Spielern zwischen Profitraum und Amateurfußball.

Herr Ak, drei Testspiele, drei Siege und 21 Tore. Ihre Mannschaft scheint schon in der Vorbereitung heiß zu sein auf die restliche Saison.
Yavuz Ak: Wir werden diese Ergebnisse keinesfalls überbewerten. Zum einen können die Gegner meist nicht so regelmäßig trainieren wie wir, zum anderen waren wir in den Spielen auch sehr experimentierfreudig, haben auch unsere U19-Spieler eingesetzt, damit sie Herrenluft schnuppern können. Die Ergebnisse haben also nur bedingt Aussagekraft. Es geht vor allem um die Entwicklung der Spieler und darum, dass sie unsere Philosophie weiter verinnerlichen. Dass wir so viele Tore schießen, ist natürlich ideal, genauso die wenigen Gegentore. Das zeigt, dass wir im Punkt Restverteidigung, der mir sehr wichtig ist, auf dem richtigen Weg sind.

Es gab eine Szene, als Ihre Mannschaft kurz vor der Halbzeit bereits 6:0 gegen den TSV Bogen führte und sie die Anweisung gaben, nicht zufrieden zu sein und nicht locker zu lassen. Ist das grundsätzliche Ihre Vorgabe, nie vom Gas zu gehen?
Ak: Unsere Spieler wollen ja am Ende des Tages keine Bayernliga-Spieler sein, sondern irgendwann Profis werden. Deshalb ist es egal, ob es 6:0 oder 2:0 steht. Es muss immer wieder weitergehen. Das ist entscheidend, in jeder Phase. Das lebe ich auch in jeder Situation vor. Wir wollen Gas geben. Die Jungs wollen mehr, deshalb trainieren wir auch mehr als die meisten unserer Gegner. Unser großes Ziel ist es, den nächsten Profi auszubilden.

Die Spieler wollen mehr. Auch als Mannschaft dürften Sie in der aktuellen Situation mehr wollen. Der Rückstand auf Kottern und somit auf die Teilnahme an der Relegation beträgt nur zwei Zähler. Schielen Sie in Richtung Regionalliga?
Ak: Die Chance ist ganz klar da. Der erste Platz ist unter normalen Umständen vergeben an Türkgücü München. Der aktuelle Zweite Pullach wird wieder auf den Aufstieg verzichten, entsprechend haben wir eine Chance auf den Relegationsplatz. Kottern hat noch ein Spiel weniger, das dürfen wir nicht vergessen. Aber wir sind willig, wir wollen diese Minimalchance nutzen.

Was wird wichtig sein, um sich am Ende durchzusetzen?
Ak: In erster Linie ist meine Aufgabe, dass die Jungs nur von Spiel zu Spiel denken. Wir haben keinen Zwang aufzusteigen und spielen ohne Druck. Wir wollen unser Potenzial einfach Woche für Woche abrufen. Im Rennen um den Relegationsplatz kommt es zum einen auf Konstanz an, aber auch auf Willensstärke. Wer möchte diesen Relegationsplatz mehr?

Sehen Sie diesen unbedingten Willen bei Ihrer Mannschaft?
Ak: Ja, ganz klar. Denn sollten wir aufsteigen, würde natürlich der Abstand zur Profimannschaft auch geringer. Zwischen Bayernliga und 2. Bundesliga ist aktuell der Sprung noch sehr groß. Durch die Regionalliga würde die Chance für die Talente größer werden, den Sprung in die Profimannschaft zu schaffen.

Sehen Sie für Spieler Ihres aktuellen Kaders noch Chancen, den Sprung zum Profi zu schaffen?
Ak: Kurzfristig wird es natürlich schwierig, das wissen die Jungs aber auch realistisch einzuschätzen. Deshalb studieren die meisten auch oder machen eine Ausbildung. Oberste Priorität hat, dass die erste Mannschaft den Klassenerhalt in der 2. Liga schafft. Alles andere ordnet sich dem unter. Hin und wieder bekommen Spieler die Möglichkeit, oben mit zu trainieren. Diese Chance und diese Bühne versuchen sie auch bestmöglich zu nutzen und sich zu präsentieren.

Sie sind vor eineinhalb Jahren als Trainer zur U21 des Jahn gekommen. Wie war damals der Zustand der Mannschaft und wie bewerten Sie die Entwicklung bis heute?
Ak: Ein Teil der Mannschaft, die aus der Bayernliga damals abgestiegen ist, ist trotzdem geblieben. Der Abstieg hatte den Jungs zwar zugesetzt, aber sie haben trotzdem alle Mentalität gezeigt und wollten trotz anderer Angebote den Weg mit Jahn Regensburg gehen. Es war letztes Jahr ein großer Spaß mit den Jungs.

Als Ihre Mannschaft vergangene Saison schon als Aufsteiger feststand, gab es hinten raus noch drei zum Teil deutliche Niederlagen. Verstehen Sie, dass das von anderen Vereinen kritisch aufgefasst wurde?
Ak: Ich denke, das ist ganz normal und auch verständlich. Aber man darf nicht vergessen, dass ich in erster Linie ein Entwicklungstrainer bin. Ich habe damaligen U19-Spielern die Möglichkeit gegeben, sich zu zeigen. Dass wir dann gegen abstiegsbedrohte Mannschaften den Kürzeren gezogen haben, musste ich so hinnehmen. Ich hätte am Ende der Saison auch gerne die beste Abwehr gehabt, was nach den Spielen nicht mehr der Fall war. Aber es geht in erster Linie um die Förderung und Entwicklung der jungen Spieler.

Worauf legen Sie als Trainer in der Arbeit mit der Mannschaft besonderen Wert?
Ak: In erster Linie ist mir Disziplin wichtig, denn ohne die funktioniert im Fußball nichts. Großen Wert lege ich auch auf das Coaching und die Kommunikation auf dem Spielfeld, da hapert es noch ab und zu. Umso kommunikativer man auf dem Platz ist, umso weniger muss man laufen. Aber grundsätzlich bin ich von der Zusammenarbeit mit den Jungs hellauf begeistert, die ziehen voll durch. Da ist keiner, der sich mal hängen lasst. Falls doch, dann haben wir Führungsspieler wie Eduard Root, Jakob Zitzelsberger oder Marco Pfab, die sie dann zurechtweisen.

Kommen wir zur aktuellen Situation: Hätten Sie als Aufsteiger mit einer solch guten Saison gerechnet?
Ak: Nein, damit hat keiner gerechnet. Aber die Jungs rufen Woche für Woche ihr Potenzial ab und sind konstanter geworden. Dass wir noch Luft nach oben haben, gerade in der Restverteidigung, das wissen sie. Es geht einfach darum, dass wir von Spiel zu Spiel gucken und die Entwicklung vorantreiben. Gar nicht daran denken, was übermorgen ist, sondern nur im Hier und Jetzt leben.

Die Chance auf den Regionalliga-Aufstieg ist da. Wie wichtig wäre ein Aufstieg auf Sicht, um den Abstand zu den Profis zu verringern?
Ak: Irgendwann muss man den Abstand verkleinern, aber das ist im Moment keine Pflicht. Es geht in erster Linie um die Entwicklung. Alles andere wird sich dann Schritt für Schritt ergeben.

Der Jahn spielt in der A- und B-Jugend nicht in der Bundesliga. Sind das ebenfalls notwendige Schritte, um eine Durchlässigkeit für die Talente zu gewährleisten?
Ak: Wir sind schon auf einem guten Weg und man sieht, dass die Schritte kommen. Aber im Jugendbereich dauert Entwicklung einfach eine gewisse Zeit. Die Konkurrenz im Nachwuchsbereich ist auch enorm. Es ist sinnvoll, irgendwann mit allen Teams so hoch wie möglich zu spielen. Genauso wichtig ist es aber, dafür die nötige Geduld zu haben.

Es gibt einige Vereine, die ihre U21-Mannschaft abgemeldet haben und ihre Talente lieber verleihen. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht eine zweite Mannschaft bei einem Profiverein?
Ak: Das ist uns als Jahn extrem wichtig. Christian Keller (Geschäftsführer, Anm. d. Red.) hat nicht umsonst gesagt, dass es die U21 solange geben wird wie er hier ist. Der Sprung von der U19 in die 2. Bundesliga ist enorm. Klar kann das eine oder andere Talent dabei sein, das das schafft. Doch das Zwischenziel U21 ist enorm wichtig, damit die Spieler Herrenluft schnuppern können. Aber auch für die Profis, die nach einer Verletzung Spielpraxis brauchen, macht die U21 Sinn.

Wie läuft denn die Zusammenarbeit zwischen Profimannschaft und Ihnen?
Ak: Die Kommunikation ist erste Sahne. Ich glaube, es gibt kaum einen Tag, an dem ich nicht mit Mersad Selimbegovic (Co-Trainer der Profimannschaft und Koordinator des Übergangsbereichs der Jahnschmiede, Anm.d.Red.) telefoniere, auch mit Achim Beierlorzer spreche ich regelmäßig. Da ist regelmäßiger Austausch da, von der U21 zu den Profis und umgekehrt.

Wie schwierig ist es für die jungen Spieler, wenn ein Profi runterkommt und ihnen im Endeffekt den Platz wegnimmt?
Ak: Gar nicht. Da ist die Kommunikation der Schlüssel. Ich erkläre es den Jungs immer wieder. Sie sollen diese Erfahrung der Profis einfach aufsaugen, das ist ein Lerneffekt für sie. Natürlich ist es schwierig für jeden Spieler, auf der Bank zu sitzen. Aber letztens war Alexander Nandzik bei uns dabei. Da kann man viele Kleinigkeiten aufsaugen, wie sich ein solcher Spieler auf dem Platz, aber auch rund um ein Spiel verhält. Gerade diese Kleinigkeiten sind ja entscheidend.

Was macht Ihnen besonders Spaß an der Arbeit mit einer so jungen Mannschaft?
Ak: Es hält einen jung (lacht). Ich gehe auch langsam auf die 40 zu, bin nicht mehr der Jüngste. Ich kicke auch noch gerne ein bisschen mit, aber gerade da merkt man, dass man langsamer wird. Aber es bereitet mir jeden Tag eine riesige Freude, ich komme immer mit einem Lächeln rein. Das lebe ich vor und bekomme dann auch das Lächeln der Spieler zurück. Gerade die Entwicklung, die man immer wieder sieht, macht einem als Trainer schon richtig Spaß

Welcher Spielertyp waren Sie und was davon geben Sie jetzt an Ihre Spieler weiter?
Ak: Auf dem Platz war ich schon ein bisschen ekelhaft und immer aggressiv gegen den Ball. Von daher hätte ich als Spieler hier auch ganz gut reingepasst (lacht). Gerade diese Mentalität möchte ich den Jungs weitervermitteln. Wir wollen auf dem Platz immer Mentalität zeigen. Da hapert es manchmal noch ein bisschen.

Kann man Mentalität schulen?
Ak: Das ist schwierig - einerseits natürlich durchs Vorleben und Coachen. Aber wir versuchen zum Beispiel auch, ins Training immer Wettkampfsituationen einzubauen. Wir stellen bei Spielen auch Provokationsregeln für die Mannschaft auf, damit sie auch bei einer 3:0-Führung nicht zufrieden ist.

 
 

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