TV-Bilanz Deutschland-Aus und Neumann-Kritik prägen die WM

Ex-Nationalspieler Thomas Hitzelsberger, Deutschlands U21-Trainer Stefan Kuntz und Hannes Wolf, der ehemalige Bundesliga-Trainer vom VfB Stuttgart (von links nach rechts), waren bei der Weltmeisterschaft in Russland als Experten tätig. Foto: imago

Nach wochenlangem Fußball-Programm sind ARD und ZDF mit den Quoten und ihrem neuen Sendekonzept zufrieden. Nur ein Thema sorgte während der WM sender-übergreifend für Kopfschütteln.

Das frühe Aus der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM haben die Fernsehsender deutlich zu spüren bekommen. Rekordquoten gab es dieses Mal nicht. Aber das Erste und das Zweite verzeichneten dennoch eine große Fußball-Begeisterung. Die Millionen-Quoten sowie das geglückte Baden-Baden-Experiment sorgten für große Zufriedenheit - und die Beleidigungen der ZDF-Reporterin Claudia Neumann für Fassungslosigkeit.

"An den Zahlen hat man gesehen, dass die Leute nach dem deutschen Aus wiedergekommen sind", kommentierte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. "Es gab nur eine Delle bei unseren Übertragungen, nämlich am Tag direkt nach dem Ausscheiden. Ab dem Achtelfinale hat das Zuschauerinteresse aber wieder stark angezogen."

Den Topwert gab es zum Abschluss der WM. 21,32 Millionen Zuschauer verfolgten am Sonntag im ZDF, wie sich Frankreich seinen zweiten Titelgewinn mit einem 4:2-Erfolg gegen Kroatien sicherte. Der Marktanteil betrug 76,1 Prozent. Damit war das WM-Finale das publikumsstärkste Spiel ohne deutsche Beteiligung.

Die Quote lag allerdings deutlich unter dem Finale von 2014, als Deutschland Argentinien vor 34,57 Millionen Fans mit 1:0 bezwang. Auch mit dem Endspiel von 2010 konnte das Finale von Moskau nicht mithalten. Den Sieg Spaniens gegen die Niederlande vor acht Jahren ließen sich 25,11 Millionen Menschen nicht entgehen. Die drei deutschen Spiele in Russland blieben trotz der schwachen Vorstellung und des frühen Ausscheidens unerreicht. Die meisten Zuschauer (27,48 Millionen) waren bei der Partie gegen Schweden (2:1) dabei. Das ist allerdings klar weniger als beim Topwert vor vier Jahren.

Zuschauer-Rückgang nach Deutschland-Aus

"Die WM hat ihre eigene Anziehungskraft", sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. "Es gab bei den Zuschauern einen kurzen Schock nach dem deutschen Aus, aber nach der Trauma-Bewältigung waren die Zahlen sehr gut."

Überhaupt nicht gut fand Fuhrmann den Umgang einiger Internet-Nutzer, die seine Kollegin Claudia Neumann zum Teil wüst und frauenfeindlich beschimpften. Der ZDF-Sportchef nahm die erste Reporterin, die in Deutschland Spiele einer Männer-WM kommentierte, sofort in Schutz, verurteilte die Attacken scharf. Und er stellte zum WM-Ende klar: "Claudia Neumann wird selbstverständlich weiter Spiele kommentieren."

Ansonsten verzeichneten die Sender weniger Kritik an den Kommentatoren als bei vorangegangen Turnieren. "Es gibt inzwischen eine klarere und realistischere Betrachtung unserer Arbeit", sagte ARD-Mann Balkausky. "Der Trend, dass die Kritiker sachlicher werden, ist sichtbar. Das jeder mal mit irgendeinem Kommentator unzufrieden ist, ist auch klar."

Zu den positiven Aspekten gehört bei ARD und ZDF das aus ihrer Sicht geglückte Experiment, die Sendezentrale und die WM-Studios nicht im WM-Land, sondern in Deutschland aufzubauen. "Das Konzept, aus Baden Baden zu senden, ist komplett aufgegangen", sagte Balkausky. "Die technischen Möglichkeiten lassen das zu. Die räumliche Distanz sieht man nicht." Auch sein ZDF-Kollege meinte: "Das hatte die gleiche Qualität, als wenn wir komplett im Ausrichterland gewesen wären."

 
 

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