Trotz einiger Angebote Prioritäten verschoben: Celin Stöhr beendet Karriere

Celin Stöhr beendet nach zehn Jahren auf höchstem deutschen Niveau ihre Volleyball-Karriere. Foto: fotostyle-schindler.de

Statt wie geplant ins Ausland zu wechseln, beendet Celin Stöhr ihre Volleyball-Karriere. Für ihre berufliche Zukunft hat sie alle vorhandenen Angebote abgelehnt.

Für Celin Stöhr stand schon länger fest, dass sie sich in diesem Sommer nach drei Jahren von NawaRo Straubing verabschieden würde. Die 26-Jährige hatte eigentlich vor, noch einmal ins Ausland zu wechseln und dort neue Erfahrungen zu sammeln. Doch trotz vorhandener und guter Angebote aus dem In- und Ausland hat sie nun einen anderen Entschluss gefasst: Celin Stöhr beendet ihre Karriere, wie sie im Gespräch mit idowa bestätigt.

„Ich hatte eigentlich schon geplant, mindestens noch zwei Jahre zu spielen“, sagt sie. Aber aufgrund der Coronakrise hat sie sich in den vergangenen Monaten viele Gedanken gemacht. Sie ist zweigleisig gefahren, hat sich einerseits Angebote angehört, sich aber auch schon auf eine mögliche berufliche Zukunft fernab des Volleyballs vorbereitet. „Letztlich hatte ich ein gutes Jobangebot und habe gemerkt, dass ich dort mehr Zukunft habe, zumal man nicht weiß, wie es im Volleyball weitergeht.“ Mit ihrem Freund, einem Basketballer, ist sie in einer größeren Wohnung in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) zusammengezogen („Das ist nach dreieinhalb Jahren Fernbeziehung eine super Sache“) und arbeitet in der Schulverwaltung für die Stadt.

Für Stöhr ist nun ein neuer Alltag angesagt. „Es ist schon anders“, sagt sie. Bislang hat sie dabei aber vor allem die positiven Aspekte gespürt, etwa die freien Wochenenden. Sie freut es zudem, nun auch mal mit Nicht-Sportlern zusammenzuarbeiten und neue Facetten kennenzulernen. Sportlich ist sie auch neben dem Job weiter unterwegs: „Ich mache noch sechs Mal pro Woche Fitness. Manchmal denke ich, dass ich noch Profisport mache“, sagt sie mit einem Lächeln.

Mit der Entscheidung "absolut im Reinen"

Sich innerlich vom Volleyball zu verabschieden „war hart“, wie sie sagt. Vor allem, weil das Ende so abrupt war und sie sich nicht einmal wirklich von den ehemaligen Mitspielerinnen in Straubing verabschieden konnte. Sie ist mit sich und der Entscheidung aber „absolut im Reinen“. Zumal sie auf eine sehr erfolgreiche Karriere zurückblicken kann: „Ich bin unter dem Strich total zufrieden“, sagt sie. „Mit 26 schon zehn Jahre in der Bundesliga gespielt zu haben, das können auch nicht viele von sich behaupten.“

In Rottweil (Baden-Württemberg) geboren, wechselte sie 2010 aus der Heimat zum VC Olympia Berlin, wo sie auf Anhieb in der Bundesliga spielte, ohne davor in der zweiten Liga aktiv gewesen zu sein. Damals war Stöhr gerade einmal 16 Jahre alt. Weil sie sich in Berlin so gut machte, wurde sie zwei Jahr später von den Roten Raben Vilsbiburg das erste Mal nach Niederbayern gelotst. Daran kann sie sich noch gut erinnern: „Der damalige Vilsbiburger Trainer Guillermo Gallardo hat nach dem Spiel gegen uns in der Halle vor den Zuschauern gesagt, ich müsste unbedingt nach Vilsbiburg kommen.“ Abwerbung vor Publikum.

Pokalsieger mit den Roten Raben

In den drei Jahren bei den Raben wurde Celin Stöhr 2014 Pokalsiegerin und Vizemeisterin. Bei der folgenden Station in Wiesbaden lief es dann verletzungsbedingt zwischenzeitlich nicht rund. „Ich habe in meiner Karriere Höhen und Tiefen erlebt. Dadurch wird man mental nur stärker“, blickt sie darauf zurück. In Köpenick hat sie dann wieder mehr gespielt und ihr Selbstbewusstsein zurückbekommen, mit dem sie 2017 schließlich bei NawaRo Straubing und damit zum zweiten Mal in Niederbayern gelandet ist.

Im ersten Jahr gelang Stöhr mit NawaRo die Rückkehr in die 1. Bundesliga und anschließend zweimal der Klassenerhalt. Aus Straubing wird sie vor allem die „familiäre Atmosphäre“ in Erinnerung behalten – und die laute Unterstützung der Fans. „Wenn ich nur ans Derby gegen Vilsbiburg denke, als man die eigenen Mitspielerinnen auf dem Feld kaum noch verstanden hat.“ Das wird Stöhr sicherlich auch ein bisschen vermissen.

Sie ist froh, selbst und aktiv die Entscheidung zum Karriereende getroffen zu haben: „Der Volleyball hat sich nicht gegen mich entschieden, sondern ich habe Nein gesagt. Es ist gut, dass es meine eigene Entscheidung war. Die Stärke muss man erst finden, Nein zu sagen“, findet sie. Ob sie neben dem Job zukünftig unterklassig noch irgendwo spielen wird, weiß Stöhr noch nicht genau. Es ist aber gut möglich, dass das Kribbeln in den Fingern irgendwann zurückkommt.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading