Triathlon Kritik nach Ironman-Traditionsbruch: Top Gun auf Smartphone

Strebte den krönenden Hawaii-Abschluss seiner Karriere eigentlich 2023 an: Jan Frodeno. Foto: Daniel Karmann/dpa

Jan Frodeno ist angefressen. Und Sebastian Kienle meint, es sei wie Top Gun auf dem Smartphone schauen. Dass 2023 keine Männer-WM auf Hawaii stattfindet, sorgt für Aufruhr im Ironman-Lager.

Jan Frodeno ließ auf dem Weg zu einer Trainingseinheit vor dem nun komplett ungewissen letzten Jahr seiner Triathlon-Karriere seinen Ärger, seinen Frust und seine Enttäuschung unverhohlen raus.

"Ich bin ein bisschen eine Mischung aus auf 180, traurig und Corona niedergeschmettert", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Frodeno redete ruhig, aber sehr bestimmt und er sparte nicht mit Kritik am Veranstalter Ironman, der im kommenden Jahr mit einer Tradition brechen und nur das Rennen der Frauen auf Hawaii steigen lassen will. 

"Ein absolutes Chaos"

Wo die Männer ihren Champion über die 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen küren werden - es ist weniger als ein Jahr davor vollkommen unklar. Im Januar erst soll eine Entscheidung fallen. "Ein absolutes Chaos, und man muss sich fragen, was die da in Kalifornien eigentlich machen. Man kann doch nicht so planlos sein", wetterte Frodeno Richtung Ironman mit Sitz im US-Bundesstaat Kalifornien und räumte ein, dass er mit dieser Art der Nicht-Motivation ganz schön zu kämpfen habe. 

Bei Ironman hörte sich die Verkaufs-Kommentierung der Nachricht, die die Kritik von Profis und auch Altersklassenathletinnen und -athleten nach dem extrem kostspieligen Zwei-Tage-Rennevent mit doppelter Teilnehmerzahl in diesem Jahr noch mal befeuern wird, so an: "Hawaii ist die DNA unseres Sports und wir freuen uns, die erste exklusive WM-Rennwoche der Frauen in Kona zu haben", sagte Ironman-Präsident und -Geschäftsführer Andrew Messick in der Mitteilung in der Nacht.

Kritik auch von Sebastian Kienle

"Das wird sein wie Top Gun auf dem Smartphone schauen... gleicher Film, falscher Ort...", schrieb indes Sebastian Kienle, der Hawaii-Weltmeister von 2014, bei Instagram mit Blick auf ein Männer-Rennen wo auch immer. Im Gegensatz zu Frodeno hatte er keinen Start mehr im Mekka der Triathleten geplant. Er lässt seine Karriere ohnehin nur noch ausklingen. 

Dem Hessischen Rundfunk sagte der 38-Jährige: "Die logischste Entscheidung wäre, die WM nach Deutschland und dann höchstwahrscheinlich nach Frankfurt zu vergeben." Die meisten Zuschauer habe er immer dort gesehen. "Frankfurt ist auf solche Events auch ausgerichtet, könnte das und hätte das auch verdient. Das wäre eine gute Wahl." Der Termin für 2023 in Frankfurt steht bereits, das Rennen steigt am 2. Juli. 

Medienberichten zufolge soll Nizza als Alternative gut im Rennen liegen. Der Ort an der Côte d’Azur zwischen Cannes und Monaco soll demnach im September schon der Gastgeber für die Profi-Männer und die Altersklassenathleten sein. Einen Monat später sind die Frauen auf Hawaii dran. 

Problem durch Aufstockung der Teilnehmerzahlen

"Ich finde es einfach schade, dass man diese Tradition bricht, zumal das Rennen und dieser Sport von der Tradition leben. Es ist ja in der Tat so, das Triathlon meines Wissens nach die einzige Sportart ist, die ihre Weltmeisterschaft immer am gleichen Ort veranstaltet hat. Und so auch diesen Mythos aufgebaut hat", betonte Frodeno. 

Dass es so gekommen ist, ist ein hausgemachtes Problem. Nach zwei Hawaii-Absagen durch die Corona-Pandemie mit einer Nachhol-WM im Mai dieses Jahres in St. George waren praktisch doppelt so viele Athletinnen und Athleten qualifiziert wie sonst. Statt 2500 waren es rund 5000 gewesen. 

Ironman splittete die Rennen und ließ die Frauen zuerst ran, aufgefüllt mit ausgewählten Männer-Altersklassen. Zwei Tage später gab der Kanonenschuss am Pier von Kailua-Kona das Rennen der Profi-Männer frei - Frodeno hatte verletzungsbedingt nicht starten können. 

"Wir haben gelernt, dass mehr als ein Renntag während der Ironman-Woche für die Gemeinde zu viel ist", erklärte Hawaiis Bürgermeister Mitch Roth nun. Der Ort war überlastet, die Preise für Unterkünfte teilweise astronomisch. 

Ironman wollte und will aber an dem Zwei-Rennen-Modus festhalten - es bringt schlicht mehr Geld in die Kassen. Mehr freie Startplätze locken mehr Athleten weltweit, sich zu qualifizieren. Und jede sportliche Qualifikation muss zum Beispiel am Tag danach per Kreditkarte mit über 1000 Euro schon mal bestätigt werden. 

"Ich finde es schade, dass die Hürde finanziell gesetzt wird, dass man den Startpreis immer und ewig hochschraubt und das ganze Drumherum, aber die Leistungshürde gleichzeitig runterschraubt", sagte Frodeno: "Das finde ich sehr alarmierend." Der Gier einzig und allein nachzugehen, sei ein schlechter Treiber für Wachstum. 

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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