Tirol Im Pitztal dreht sich alles um die Zirbe

Nur noch vereinzelt stehen die Zirben auf 2000er Höhenlagen. Foto: Nikolaus Sieber
Nur noch vereinzelt stehen die Zirben auf 2000er Höhenlagen. Foto: Nikolaus Sieber

Riesengroß ist die Vorfreude. Los geht's ins Tiroler Pitztal, mit dem Ziel, auf herausfordernden Wandertouren die schöne Naturlandschaft entdecken. Doch schnell machte sich eine Überraschung breit: ein Baum, der dort in ausgedehnten Wälder viele Geschwister um sich vereint, stiehlt dem Ganzen schon fast die ganze Schau.

Es ist die Zirbe, die sich in den Vordergrund schiebt. Ein immergrüner Baum, der dieses einzigartige Talent besitzt, dass dort, wo er vorkommt, er des Menschen Umgebung und Wirken so ziemlich vollkommen beeinflusst. Und dies nicht erst in der heutigen Zeit. Schon seit Jahrhunderten wird das Zirbenholz wegen der lebhaften Maserung im Innenausbau für Täfelungen sowie als Möbelholz für Bauernküchen und Schlafzimmer genutzt. Der markante Zirbenduft bleibt auch nach der Verarbeitung noch jahrzehntelang erhalten. Und verringert Herzklopfen. Die enthaltenen ätherischen Öle strömen nicht nur den unverwechselbaren Duft aus, sie sorgen für einen tiefen und erholsamen Schlaf. Alles schon wissenschaftlich nachgewiesen.

Des Hochzeigers Bergwelt

Das Pitztal, eines der schönsten und wildesten Seitentäler des Inntals, ist so eine von der Zirbe geprägte Hochgebirgsregion. Oberhalb von Jerzens gedeiht ein geschlossener Zirbenwald, der seit Gedenken auch gleich das Dorf vor Lawinen und Muren schützt. Die im Gemeindehaus initiierte Zirbenausstellung liefert spannende Details über die Zirbelkiefer als Nutzholz in den Bereichen Gesundheit, Atmosphäre und Wohlgefühl. Auch dass ihre biegsamen Nadeln in Büschel zu je fünf Nadeln angeordnet sind - das Unterscheidungsmerkmal zur normalen Kiefer. Die Zirbe blüht nur alle sechs bis zehn Jahre. Ein gutes Jahr danach sind die faustgroßen Zapfen mit den nussig-schmeckenden Samen ausgebildet und reif. Die Einheimischen nennen die Zirbelkiefer einfach "Zirm".

Gutes von der Zirbe

Eine Etage tiefer im Talgrund an der Talstraße liegt das Sägewerk Reinstadler. Gleich nebenan fließt die Pitze, der Bach, der das Pitztal entwässert und sein Wasser an der Mündung bei Imst im Inntal dem Inn übergibt. Beim Zirm-Sepp ist man gut aufgehoben, wenn's um die Zirbe geht. Der angenehm weiche Zirbenduft verfängt sich schon auf dem Hof in der Nase. Duftquellen gibt's hier einige, woher er herrührt; überwiegend vom Verarbeiten des Zirbenholzes und von der Produktion des ätherischen Zirbenöls, das der Sepp aus den Kesseln zweier Destillationsöfen gewinnt. Seine Frau Roswitha bedient den Geschenkladen und führt auch durch den Schaubetrieb - im "Geist der Zirbe".

Weitblick genießen

Dann kommt das Bergabenteuer doch noch groß raus. Dabei geht es ganz schnell hoch ins Alpine. Mit der Seilbahn und der Doppelsesselbahn zum Sechszeiger, dem Mitkonkurrenten des bekannten Hochzeigers. Die Schönheit der Gebirgslandschaft ist hier oben grenzenlos. Erst rechts zum Aussichtspunkt "360 Grad Rundblick" mit Infotafeln. Wieder kurz zurück und am Speicherteich vorbei zum Sechszeiger. Am Gipfelkreuz ist man schlicht eingenommen von dem perfekten Rundblick in die Tiroler Berge. Danach geht's in alpiner Landschaft den Pfad bergab bis zur Weggabelung vor der oberen Waldgrenze. Nach unten hin ist es eine geschlossene Walddecke, oben stehen sie licht und vereinzelt da. Tatsächlich, es sind Zirben. Auf den ersten Blick wild und zerzaust in Wuchs und Aussehen, knorrige Stämme haben viele. Aber diesen strengen, unwirtlichen Witterungsbedingungen ausgesetzt zu sein, durch Blitz und Schneebrüche deformiert zu werden, das schafft in diesen 2.200er Höhenlagen kein anderer Baum. Gerne wird sie als "Königin der Alpen" bezeichnet. Bis zu tausend Jahre alt kann die Zirbelkiefer werden, wenn man sie lässt. Und trotzdem ist sie weich im Holz, Zirbenholz lässt jedes Holzschnitzerherz höherschlagen.

Schnitzerei auf der Alm

Als nächstes führt der Wanderpfad zur Kalbenalm. Putzig sieht die kleine Almhütte aus. Groß bestaunen dagegen lassen sich im alpinen "Biergarten" die ansehnlichen Schnitzexponate von Klaus Schrott. Sofort wird's augenscheinlich: Gegen Langeweile gibt's das weiche Zirbenholz und die Kettensäge, wenn Klaus sich zwischendurch nicht nach dem Jungvieh umsehen muss.

Die Runde führt danach durch ein leicht duftendes Zirbenwäldchen und schließt dann später bei der Mittelstation. Genauer mit der Einkehr im dortigen Restaurant.

Und wie kann es anders sein, auch die Küche ist dem Zauber der Zirbe verfallen. Die unterschiedlichsten Zirbenspezialitäten findet man auf der Menükarte. Darf es eine Zirbensuppe sein, gefolgt von einem Brot in Zirbenzapfenform mit Speck und Käse überbacken, vielleicht auch noch Zirben-Senf dazu? Und als Dessert einen Zirbencappuccino oder das Zirbeneis sich schmecken lassen. Zirbengeschmack in hochprozentiger Variante gibt es natürlich auch. Den Zirbenschnaps müsste man eigentlich Zirbenlikör nennen, denn man setzt die frischen, innen blutroten Zirbenzapfen in Schnaps oder Wodka und etwas Zucker an, dann wartet man geduldig, schüttelt die Gläser ab und zu und bewundert die schöne, immer intensiver werdende rote Farbe. Nach einigen Wochen ist er trinkfertig.

Die Zirbenschnapsidee

In der Küche des Zeigerrestaurants schwenkt Christian Wittwer den Oberkochlöffel. Und gibt auch gleich den praktischen Tipp, dass man beim Schneiden der Zapfen stets Handschuhe tragen sollte, des Harzes wegen. "Sollten doch mal Flecken kleben bleiben, dann die Haut mit Butter einreiben, und schon ist's weg" sagt Wittwer. An manchen Nachmittagen hält er nämlich Kurse für die Zubereitung des Zirbenschnapses. Zeigt, wie der Duft und die Wirkung der Frucht mit dem spezifischen Aroma des "Zirms" ins Glas zu bannen sind.

Jeder Teilnehmer darf sich unter des Meisters fachkundiger Anleitung seine eigene Mischung für zuhause ansetzen. Aus geschnittenen Zirbenzapfen, weißem Kandiszucker und Wodka als Grundlage entsteht der Zaubertrank, der daheim im warmen Sonnenschein seine Reife in Geschmack und rötlicher Farbe erlangen wird. Wenn da nicht Erinnerungen an das Pitztal wach werden.

Weitere Informationen:

Auskünfte zur Urlaubsregion Pitztal erteilt der Tourismusverband Pitztal unter www.pitztal.com.

 

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