Tierheim Passau an der Grenze Welpenschmuggel und Tierleid

In kleinen Transportboxen quer durch Europa. Foto: Bettina Mittler

Am Donnerstag ist nahe der Grenze zu Österreich wieder ein illegaler Welpentransport aufgedeckt worden. Fünf viel zu junge Hunde sind nach Deutschland transportiert worden, um hier verkauft zu werden. Handelt es sich dabei um einen Einzelfall?

Der illegale Handel mit Welpen boomt. Auf Internetplattformen oder in sozialen Medien werden die kleinen Fellknäuel zum Kauf angeboten. Das offerierte Tier sei wegen Allergien oder einem Umzug kurzfristig abzugeben. Kleine Kinder seien kein Problem, das liebe Viecherl sei an sie gewöhnt. Oder aber man sei Züchter und habe gerade das seltene Vergnügen, Jungtiere abgeben zu können.

So oder so ähnlich lauten oft die Werbemaßnahmen illegaler Welpenhändler. Sie verdienen viel Geld mit ihrer Masche. Und wenn man als Kaufinteressent dann etwas dubios auf einem Autobahnparkplatz das neue Familienmitglied aus einem Kofferraum überreicht bekommt, ist man zwar irritiert, aber dennoch überglücklich. Wegen Corona könne man sich ja schließlich nicht zu Hause treffen. Und weil die Kinder das Fellknäuel womöglich schon gesehen haben, kann man nun nicht mehr vom Kauf zurücktreten. So beschreibt Bettina Mittler vom Tierheim Passau ihren Eindruck vom Welpenhandel.

Dass das arme Tier in einer regelrechten Fabrik "produziert" wurde, es alle möglichen Parasiten im Gepäck hat und womöglich zwei Tage später qualvoll daran verenden wird, hätte niemand gedacht. Laut Bettina Mittler müssten manche Anzeigen eigentlich so lauten: "Illegal eingeführter, kranker Hund sucht zahlungskräftiges Zuhause bis zu seinem Verenden in zwei Tagen."

Grenzverkehr der anderen Art

Im Tierheim Passau geht ein Anruf ein. An der Grenze zu Österreich ist ein illegaler Welpenschmuggel aufgedeckt worden und Bettina Mittler soll die Tiere ins Tierheim bringen. Es ist ein häufiges Prozedere.

Oft stammen die armen Wesen aus Osteuropa. In einem offenen Anhänger, nur ein Netz darüber gespannt, oder in viel zu kleinen Transportboxen werden sie ins reiche Deutschland gekarrt. Sie purzeln dabei in ihre eigenen Exkremente. Und sie werden nicht gerettet, sie werden "beschlagnahmt". Bettina Mittler ist daran gewöhnt, tagelang um das Leben der geschundenen Tiere zu kämpfen. Ein Kampf, den sie oft verliert. Weil die Tiere zwar einen gefälschten Impfpass besitzen, aber nie geimpft wurden. Weil sie viel zu jung abtransportiert wurden. Und weil sie als schnelle Geldlieferanten für Menschen herhalten mussten, die das Tierwohl nicht weiter kümmert.

Wie sie sagt, sei sie auch daran gewöhnt, dass die "Eigentümer" ihre Strafen beim Staat sowie die entstandenen Kosten bezahlen und dann die Tiere wieder abholen dürfen. Sie gehören ihnen. Und sollen weiterverkauft werden. Was zurückbleibt, ist das Gefühl, ein unfreiwilliger Handlanger des unerlaubten Welpenhandels geworden zu sein.

Das Engagement für Tiere kann auch zuweilen gefährlich werden. "Zweimal hatten wir schon einen Sicherheitsdienst vor Ort, weil wir bedroht wurden", sagt Bettina Mittler. Security-Mitarbeiter hätten dann nachts ein Fahrzeug aus Bulgarien um das im Wald gelegene Areal fahren sehen. "Wir haben regelrecht Angst vor diesen Verbrechern!", gibt die Leiterin des Passauer Tierheims zu.

Doch sie kämpft weiter. Gibt sich sogar als Kaufinteressentin aus und taucht dann mit der Polizei auf. Doch ihre Bemühungen zehren an den Kräften. Sie fühlt sich von Gesetzgebung und Politik im Stich gelassen. Die Mittel der Polizei sind sehr limitiert.

Deutscher Tierschutzbund alarmiert

Auch der Deutsche Tierschutzbund e. V. schreibt in seiner Veröffentlichung "Position zum Internethandel mit Tieren" vom Januar 2021, die auf der Website des Vereins kostenlos heruntergeladen werden kann: "Der deutsche Tierschutzbund fordert ein Verbot des Handels mit lebenden Tieren im Internet. Unseriöse Verkäufe gefährden das Tierwohl genauso wie unüberlegte, nicht sachkundige Tierkäufe." Denn wo keine dergestalte Nachfrage, da kein Angebot.

Lea Schmitz, Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbunds, zeigt eine deutliche Tendenz im illegalen Welpenhandel auf: "Die Zahl der betroffenen Hunde hat sich von 2019 zu 2020 mehr als verdoppelt, beinahe schon verdreifacht!" Die Dunkelziffer sei wohl höher. "Man kann nur von der Spitze des Eisbergs sprechen", so ihr Fazit.

Während ich an diesem Artikel schreibe, ruft mich Bettina Mittler an. Sie berichtet von einem  illegalen Welpentransport, den sie am Donnerstag versorgen musste. In einer vierstündigen Aktion inklusive Besuch in der Tierklinik rang sie um das Leben von einem der fünf beschlagnahmten Welpen. Nicht nur die Tierheime kommen an ihre Grenzen, auch die Kräfte der Mitarbeiter gehen zur Neige.

Doch so lange die Tiere weiterhin im Internet angeboten werden können und große Gewinne winken, werde sich an dem Problem kaum etwas ändern lassen. Da ist sich Bettina Mittler sicher.

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