Theater von der fünften Klasse bis zur Oberstufe Gymnasium Seligenthal: Die ganze Schule eine Bühne

Eigentlich gibt es diese Besetzung der Mittelstufengruppe schon nicht mehr. Weil „Stumm“ aber so viel Spaß gemacht hat, gaben die Schüler im Dezember eine Zugabe: Malina Hoheisel, Alicja Szyszka, Lehrer Daniel Heckl, Julian Zehntner, Clara Goetz, Annika Voll (hinten von links), Manthana Glas, Yoana Kalcheva, Lea Beuckmann, Leah Westphal, Leander Brantzen und Dominik Astner (vorne von links). Foto: Sebastian Geiger

Viele Schulen haben Theaterklassen. Das Gymnasium Seligenthal in Landshut geht noch einen Schritt weiter. Hier gibt es Theater von der fünften Klasse bis zur Oberstufe. Die Gruppe der Mittelstufe hatte bei ihrem Stück aus dem vergangenen Jahr so viel Spaß, dass sie es im Dezember noch einmal spielte. Wir haben das Ensemble besucht.

Eines der ersten Dinge, die jeder Theaterschüler am Gymnasium Seligenthal lernt, ist eine Art „Spezialcode“. Eine feste Bühne haben die Ensembles nämlich nicht. Zwar proben die Schüler bisher in einem provisorischen Theaterraum, ihre Auftritte sind aber vielfältig verteilt: in der Pausen- und Turnhalle der Grundschule, in der Aula oder an freien Orten in und außerhalb des Gymnasiums. Damit dies klappt, bedienen sich die Schüler zusammen mit den Lehrern Daniel Heckl und Robert Stefan eines Tricks. Für Außenstehende mag „Von der Zwei auf die Sieben“ verrückt klingen, im Theater des Gymnasiums Seligenthal macht dieser Satz aber Sinn.

Ab den ersten Stunden gibt es ein Zahlensystem, mit dem jeder Bühnenort und jede Bewegung am Spielort belegt ist. Einmal geprobte Szenen können die Schüler so problemlos auf unterschiedlichen Bühnen präsentieren. „Erklären muss ich es allerdings jedes Jahr“, sagt Daniel Heckl und lacht. „Schon allein deshalb, weil immer neue Schüler in den Theatergruppen dazukommen.“ Für die vielen Gruppen gibt es in Kürze einen eigenständigen Theaterraum.

Das gesamte Schulleben lang Theater spielen

Die gesamte Schulzeit können Interessierte im Gymnasium Seligenthal Theater spielen. Bisher war es ab der sechsten Klasse möglich, doch künftig können Fünftklässler den Schwerpunkt „Theater“ wählen. Somit gibt es fünf statt nur vier Theaterangebote: eine Schulstunde für alle fünften Klassen, ein Ensemble für die Klassen sechs bis acht, eines für die Klassen neun und zehn und je ein Wahlfach in der Q11 und Q12. Im Dezember haben die Schüler der Mittelstufengruppe ein letztes Mal „Stumm“ vorbereitet. In dem Stück, das die Schüler selbst gewählt haben, geht es um den Tod und darum, wie man Schuld und Trauer verarbeitet. Ein Thema, mit dem sich die jungen Schauspieler intensiv auseinander gesetzt haben. Nach einem Jahr mit Vorbereitungen albern die Schüler beim Aufbau der Bühne noch herum. Aber sobald das Theaterlicht angeht, verschmelzen sie mit ihren Charakteren.

Wer welche Rolle spielt, haben sie bei der Planung des Stücks in der Gruppe ausgemacht. „Wir haben uns die Charaktere angesehen und jeder hat auf einen Zettel die Person geschrieben, die er oder sie sich am besten für die Rolle vorstellen konnte“, erklären die Schüler.

Daniel Heckl und Robert Stefan begleiten als Lehrer die Ensembles und sind immer mit dabei. Auch wenn sie darauf bestehen, dass alles auch ohne sie funktionieren würde. Sie sehen sich als Anleiter, als jemand, der den Schülern hilft, sich selbst zu helfen.

Manche „Kleinigkeiten“ können sehr wichtig sein

Am besten zeigt sich das, wenn die Theatergruppe den Ablauf eines typischen Schuljahres erklärt. „Das Theaterstück am Ende des Jahres ist das große Ziel. Dafür proben wir“, sagen die Schüler bei einem gemeinsamen Gespräch. „In der ersten Hälfte des Jahres machen wir aber schon einige Spiele und andere Kleinigkeiten, mit denen wir uns darauf vorbereiten. Das Stück suchen wir in der Gruppe etwa zur Jahreshälfte aus.“

Daniel Heckl grinst beim Wort „Kleinigkeiten“. Denn das, was seine Schüler als Nebensache sehen, sind die wichtigsten Bestandteile seiner Arbeit im ersten Halbjahr: zum Beispiel zu lernen, wie man sich als Körper im Raum wahrnimmt und ausdrückt. Wie man sich mit Zeit und Raum in Bezug setzt und in eine fremde Rolle schlüpft. Oder wie man am besten eine Aufführung organisiert und sicher auf einer Bühne präsentiert.

Die Mühe zahlt sich aus. Seit vielen Jahren tragen die Ensembles zum Schultheaterfestival des Kleinen Theaters bei, ergänzen die Präsentation des Landshuter Jugendbuchpreises und eine Aufführung auf dem Stadtplatz hat es auch schon gegeben.

Eigentlich hätte das Ensemble der Mittelstufe „Stumm“ nicht nochmals spielen müssen, das Schuljahr 2017/2018 ist schon seit einem halben Jahr Geschichte. Weil die Schüler aber so viel Spaß am Stück und am gemeinsamen Theaterspielen hatten, gab es im Dezember eine letzte Aufführung. Was allen Ensemblemitgliedern klar ist: Sie wollen gemeinsam weiterspielen. Wegen des Zusammenhalts, der Freunde, die sie in der Theatergruppe gefunden haben – und natürlich wegen des Theaters.

 
 

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