Passionsspiele Erste große Probe zu Passion: "Selig, die Frieden stiften"

Der Spielleiter Christian Stückl (M) steht bei der ersten großen Probe mit Volk auf der Bühne. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Vor fast 400 Jahren entstanden aus einem Pest-Gelübde, 2020 gescheitert an Corona: Mit zweijähriger Verzögerung will Oberammergau im Mai die Premiere seiner berühmten Passion feiern. Nun gab es die erste Probe einer Schlüsselszene in großer Besetzung.

Es sind Sätze von ungebrochener Aktualität, die Jesus-Darsteller Rochus Rückel ruft: "Selig sind die, die Frieden stiften." Knapp eineinhalb Monate vor der Premiere der Oberammergauer Passionsspiele hat Spielleiter Christian Stückl für die Probe einer Schlüsselszene erstmals wieder das "Volk" auf die Bühne geholt. Mit rund 450 Darstellern probte er am Samstag im Passionstheater des oberbayerischen Ortes den Einzug Jesu in Jerusalem.

Vor zwei Jahren hatte Stückl wegen der Pandemie die Proben unterbrochen und die Passion um zwei Jahre verschoben. Bei Minusgraden stehen die Oberammergauer nun eingemummt in dicke Jacken mit Palmzweigen auf der riesigen Freilichtbühne, draußen schneit es. Dabei sind rund 80 Kinder, der Älteste auf der Bühne ist 92 Jahre alt.

Von Krieg und Hunger, Armut und Krankheit ist die Rede. "Ihr, die ihr jetzt satt seid, ihr werdet hungern. Euer Reichtum verfault und Eure Kleider werden von Motten zerfressen", mahnt Jesus. Stückl, der die Passion zum vierten Mal inszeniert, feilt ständig weiter am Text - und an der Rolle des Jesus. "Ich hab' ihn strenger gemacht, ich hab' ihn energischer gemacht", sagt er. Bei der letzten Passion 2010 sei Jesus manchen etwas zu "lieblich" gewesen.

Stille herrscht auf der Bühne, als Stückl seinen Darstellern den Jesus vorspielt, wie er ihn sich vorstellt: Ein charismatischer, starker Messias. Der 60-Jährige will eine Botschaft senden. Dabei geht es ihm nicht vordergründig um aktuelle Ereignisse wie den Krieg in der Ukraine oder die Corona-Krise. "Wir haben permanent Krieg", sagt er und erinnert an Syrien. Die Welt sei seit Jahren in Bewegung.

Stückl hat das fast 400 Jahre alte Laienspiel, das er 1990 erstmals inszenierte, grundlegend modernisiert. Er hat Frauen darin mehr Gewicht gegeben und das Spiel von christlichen Anti-Judaismen befreit. Vieles blieb aber auch traditionell, etwa der Einzug Jesu auf einem echten Esel.

Am Samstag muss Jesus allerdings ausnahmsweise zu Fuß nach Jerusalem kommen: Der Großesel Aramis ist entschuldigt. Dem Tier gehe es gut, aber seine Besitzer seien krank, erklärt Stückl. Der Spielleiter gibt auch praktische Anweisungen zur neu gestalteten Bühne - und warnt vor Stolperfallen: An der Pilatus-Gasse etwa gibt es eine neue Stufe.

"Für die erste Probe und für die Kälte bin ich ganz zufrieden", sagt Stückl später in der warmen Kantine. Die Sorgen, dass die Premiere noch einmal wegen Corona platzen könnte, schwinden langsam. Vor jeder Probe lässt Stückl vorsorglich alle Darsteller auf Corona testen. Der Kartenverkauf läuft, etwa an die 75 Prozent der Tickets seien vergeben, sagt Frederik Mayet, zweiter Jesus-Darsteller und Pressesprecher der Passionsspiele.

Nur alle zehn Jahre bringen die Oberammergauer einem Pest-Gelübde folgend das Spiel vom Leiden, Sterben und von der Auferstehung Jesu auf die Bühne. 1633 hatten sie versprochen, alle zehn Jahre die Geschichte aufzuführen, wenn niemand mehr an der Pest sterbe.

2020 hatte Stückl die Passion wegen der Pandemie auf 2022 verschoben. Die Premiere ist nun für 14. Mai geplant. Insgesamt 2100 Oberammergauer und damit mehr als ein Drittel der gut 5000 Einwohner wirken an der traditionsreichen Aufführung mit.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 

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