Tatort-Kritik Münchner "Tatort: Kehraus": Belastungsprobe Fasching

Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, M) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) zeigen Anna Pollinger (Monika Gruber) ein Bild in einer Szene aus "Tatort: Kehraus". Foto: dpa/BR/Lieblingsfilm GmbH/Peter Nix

Im "Tatort: Kehraus" ermitteln die Kommissare Batic und Leitmayr rund um eine Faschingssause. Und das in München.

Kaum haben wir den Dortmunder "Tatort"-Schreck von letzter Woche halbwegs verarbeitet (nachzusehen in der Mediathek, Taschentücher bereitlegen), da kommt schon die nächste Belastungsprobe für uns acht Millionen Sonntagsermittler: In München feiern sie Fasching!

Batic und Leitmayr sprengen gleich mal eine ebenso wilde wie traurige Sause in einer einstigen Edel-Boazn: Ein Partygast - ein Goldhändler - wurde ermordet. Und mehr als eine Million Euro sind verschwunden. Und eine Frau, verkleidet als trauriges Aschenputtel, benimmt sich verdächtig.

Geldwäsche und ein Tattooladen

"Kehraus" (Buch: Stefan Betz und Stefan Holtz, Regie: Christine Hartmann) ist vor allem ein Krimidrama um diese alleinerziehende Silke Weinzierl, hinreißend gespielt von Nina Proll. Die nicht mehr junge, tapfere und stur stolze, dabei recht naive Frau hat seit Jahren kein Glück im Beruf, kein Glück in der Liebe - und jagt beidem weiter verzweifelt hinterher. Irgendwie wünscht man ihr, dass sie es schafft, völlig egal, was sie sonst so angestellt haben mag.

Es geht um Geldwäsche und einen Tattoo-Laden, der das Verbrechen tarnen soll, und wir denken lächelnd an den alten Woody-Allen-Film "Schmalspurganoven", in dem ein fein geplanter Banküberfall scheitert, aber die zur Ablenkung nebenan eröffnete Bäckerei überraschend floriert.

Wunderbar unterhaltsame Ablenkung

Die Münchner haben zur Zeit einen Lauf mit besonderen, aber nicht völlig verrückten Fällen. Neulich in "Wunder gibt es immer wieder" sind Batic und Leitmayr schon diskret zur Seite getreten, um die Bühne einigen Klosterschwestern zu überlassen. Diesmal steht diese tragische Frau im Mittelpunkt, die einen bühnenreifen Abgang hinlegt.

Drumherum ermitteln die beiden Kommissare wunderbar unterhaltsam. Man wird auch im 30. Jahr des Duos nicht müde, Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl bei ihren freundlichen Frotzeleien zuzuschauen. Manchmal freut man sich schon, weil man, anders als in Virus- und Wladimir-Dingen, ahnt, was gleich kommt. Und dann gibt es doch immer wieder hier und da eine Überraschung.

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